Gegen den Klimawandel: Mobilitätsforscher fordert Verbot von innerdeutschen Flügen

Mobilitätsforscher Andreas Knie fordert Verbot von Flügen innerhalb Deutschlands
Innerdeutsche Flüge streichen, Anzahl der Flüge beschränken, Kerosinsteuer einführen - das fordert Professor Andreas Knie zum Schutze des Klimas. © dpa, Christian Charisius

Ein Soziologie-Professor tastet die Goldene Kuh Flugreisen an

Ob Andreas Knie damit auf offene Ohren stößt? Der Mobilitätsforscher fordert ein Verbot von  Flügen innerhalb Deutschlands. Auch die Einführung einer Kerosinsteuer spricht der Professor für Soziologie an der TU Berlin an. Und fürs Klima geht er noch weiter: Es sollten weniger Flüge pro Person erlaubt sein, um die Emissionen zu reduzieren. Ob sich das die reiselustigen Deutschen nehmen lassen würden? Klimaschutz ja, aber doch nicht auf Kosten meines Privatvergnügens - oder?

"Wir können uns das Fliegen nicht mehr leisten"

In einem Interview mit der "Neuen  Osnabrücker Zeitung" sagte der Professor für Soziologie an der TU  Berlin: "Das Fliegen ist so grundsätzlich schädlich für das Klima, dass wir uns das nicht mehr in diesem Maß leisten können."  Deutschland könne "den europäischen Luftverkehr natürlich nicht allein regulieren", sagte Knie. "Aber wir könnten die innerdeutschen  Flüge zum Beispiel klassisch verbieten, sodass keine kommerzielle  Airline mehr solche Flüge bei uns anbieten darf." Es brauche hier eine europäische Verständigung, so Knie, "da könnte Deutschland ruhig vorangehen."

"Kerosinsteuer ist überfällig“

Insgesamt müsse seitens der Politik mehr Druck auf die  Fluggesellschaften ausgeübt werden, zum Beispiel um die Entwicklung  von klimafreundlicheren Flugzeugen zu forcieren: "Doch kein Staat  traut sich, die Emissionsgrenzwerte drastisch nach unten zu  verschieben. Dementsprechend gibt es auch keinen Anreiz für  Neuentwicklungen." Auch die Einführung einer Kerosinsteuer hält Knie  für überfällig: "Die Airlines haben ein Privileg, das heute nicht mehr zu rechtfertigen ist".

Weniger Flüge pro Person erlauben

Darüber hinaus setzt sich der Mobilitätsforscher für eine Deckelung der Flüge pro Person ein. "Wir kommen nicht umhin, uns eine Reduktion der Flugbewegungen zu verordnen", sagte Knie. Den Einwand,  dass sich die "Generation Ryanair" kaum das Fliegen werde verbieten  lassen, lässt der Mobilitätsexperte nicht gelten: "Das sehe ich  anders. Menschen sind durchaus bereit, sich zu verändern. Menschen  sehen auch, dass das mit dem Klima ein ernsthaftes Problem wird." Die Zeit zurückdrehen will Knie jedoch nicht: "Fliegen ist Teil einer  globalen Verständigung, und das ist wirklich etwas Gutes. Aber wir  müssen schauen, wie wir das mit dem Erhalt der Erde in Einklang bringen", so der Soziologe.