Eine Rekordnacht und viel zu warm

Die Winterfreunde unter uns hatten sich - nach dem deutlich zu warmen Dezember - sicherlich so auf den Januar gefreut. Eis, Schnee und Kälte sollten sich endlich in Deutschland einfinden. Doch die Realität stellte sich mal wieder ganz anders dar. Pünktlich zur Monatsmitte klingelte sogar die Rekordschelle. So warm wie die letzte Nacht war es in einigen Städte Norddeutschlands noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in einem Januar. Selbst im letzten Sommer 2019 gab es einige Nächte, die mancherorts kühler waren - vor allem im Westen und Nordwesten. Bibbern im Hitzesommer und Schwitzen im Januar. Das klingt komisch, ist aber so. Hier die Einzelheiten.

Regen im Januar
Trockenheit in der ersten Januarhälfte. © RTL Interactive

Norden grau, Süden meist blau und teils sehr trocken

Die Sonnenanteile sind definitiv ungerecht verteilt gewesen in den letzten Wochen. Denn während im Süden eher Hochdruckgebiete dominierten, sorgten die Tiefdruckgebiete im Norden immer wieder für wechselhaftes und windiges Wetter. In der letzten Nacht außer mit den neuen Rekorden auch noch mit einer Sturmflut

Deutschlandweit betrachtet gleichen sich die Unterschiede in der Sonnenbilanz aber aus, so dass wir in der ersten Monatshälfte eine fast ausgeglichene Sonnenbilanz von knapp 45 bis 50 Prozent auf dem Deckel haben. Beim Regen verhält es sich hingegen genau anders herum: die Nordhälfte eher normal, zum Teil sogar zu nass. Der Süden dagegen durchweg zu trocken. Mancherorts ist so gut wie nichts vom Himmel gekommen. Das könnte zwar ein Grund zur Freude sein. Jedoch wird im Winter der Wasserhaushalt fürs durstige Frühjahr gerichtet. Regen oder Schnee, also Wasser in welcher Form auch immer, sind also im Winter durchaus positiv zu sehen.

Die Sonne strahlt über Garmisch-Partenkirchen (Bayern).
Über den Bergen sowie generell im Süden gab es am meisten Sonne. Die Zugspitze bekam bislang schon über 90 Sonnenstunden im Januar. Das sind bereits über 80% des normalen Sonnensolls für den gesamten Monat © dpa, Angelika Warmuth, abl

Warm, Wärmer, Januar

Für einen Wintermonat bewegen wir uns derzeit auf jeden Fall am oberen Ende der Möglichkeiten. Die erste Januarhälfte war landesweit betrachtet über 4 Grad zu warm. Am heftigsten sind die Abweichungen im Nordosten und Osten sowie auf der Zugspitze. Hier liegt der aktuelle Unterschied zum Gesamtmonat bei bis zu 6 Grad. 

Das muss natürlich irgendwo herkommen. Einerseits durch die sehr milden Tage, die Spitzenwerte über 15 Grad erreichten. Das ist zwar schon alles andere als winterlich. Doch die Januar-Rekorde liegen stellenweise sogar bei um die 20 Grad. Entscheidender ist, dass es auch nachts extrem mild war. Vorneweg hier nur die neuen Rekorde für milde Nächte mit den alten Rekordwerten in Klammern:

  • Bremen mit 10,8 Grad (alt 10,3 Grad im Jahr 1921), Messbeginn an der Station war übrigens vor 131 Jahren
  • Hamburg-Fuhlsbüttel mit 10,1 Grad (alt 9,6 Grad im Jahr 1998)
  • Hannover mit 10,6 Grad (alt 10,3 Grad im Jahr 1998)
  • Lingen mit 11,1 Grad (alt 10,7 Grad im Jahr 1975)
  • Kiel-Holtenau mit 9,2 Grad (alt 8,8 Grad im Jahr 1999) und
  • Rostock-Warnemünde mit 9,8 Grad (alt 9,6 Grad im Jahr 1999).

Noch nie war eine Nacht im Januar so mild wie die Nacht vom 14. zum 15.1.2020. Selbst im vergangenen Sommer, der uns ja reihenweise Hitzerekorde brachte, gab es Nächte, die an einigen Wetterstationen kälter waren. Besonders im Westen und Nordwesten. Beispielsweise in der Nacht auf den 10.Juli 2019 oder auf den 14.August 2019. 

Temperaturen im Januar
Die erste Januarhälfte war zu warm. © RTL Interactive

Bisheriger Rekordmonat ist der Januar 2007

Der bisher wärmste Januar seit Beginn der Messung war 2007. Auch der Januar 1975 war mit 4,5 Grad über dem Schnitt deutlich zu warm. Von den letzten 21 Monaten war nur einer (der Mai 2019) kälter als im langjährigen Mittel. Zuletzt war eine Jahreszeit im Frühling 2013 kälter als im Schnitt. 

Zu warm, zu kalt oder normal? Wie es für unseren Januar 2020 weitergeht, das erfahren Sie wie gehabt in unserem 30-Tage-Trend.