E-Bike: Hier lauern die Gefahren

Unterwegs mit einem Pedelec
Räder unter Strom: Pedelecs sind Fahrräder, die bis 25 km/h beim Treten elektrisch unterstützen - sie machen den Löwenanteil der verkauften Elektroräder aus. © deutsche presse agentur

Tempo, Schwung und Kraft eines E-Bikes werden oft unterschätzt

Autofahrer und Fahrradfahrer haben seit jeher ein angespanntes Verhältnis. Seit einiger Zeit wird diese konfliktbelastete Beziehung zusätzlich verkompliziert durch den E-Bike-Boom. Viele E-Bike-Nutzer – vor allem ältere Menschen und Einsteiger – unterschätzen oft das Gerät, auf dem sie unterwegs sind, wie viel Tempo, Schwung und Kraft es entwickelt. Ein Blick auf die Unfallstatistik zeigt: Schwere und Zahl der Unfälle mit Radfahrern steigt, oft ist ein E-Bike involviert. E-Bikes – so scheint es – entwickeln sich zu einer zusätzlichen Gefahrenquelle im ohnehin immer unübersichtlicher werdenden Verkehr auf den deutschen Straßen. Auffällig ist dabei auch die Zahl derer, die  – wie es im Polizeijargon heißt – "ohne Fremdeinwirkung" verunglücken.

E-Bike-Fahrsicherheitstraining empfiehlt sich

Deshalb empfiehlt sich ein E-Bike-Sicherheitstraining, um mögliche Risiken zu minimieren, die vom Fahrer selbst ausgehen. Es geht dabei darum, überhaupt erst einmal ein Gefühl für das Fahrrad im Allgemeinen, und das E-Bike im speziellen zu bekommen. Denn die Entwicklung und die fortwährende Verbesserung im Bereich der Pedelecs hat das Fortbewegungsmittel „Fahrrad“ über die traditionelle Radfahrklientel hinaus attraktiv gemacht. Neben denen, die vom normalen Fahrrad kommen, gibt es auch die Wiedereinstiger, die seit Jahren nicht mehr auf dem Rad gesessen haben, und diejenigen, die das Rad komplett neu für sich entdecken

E-Biken muss gelernt sein!
E-Biken muss gelernt sein! Fahrsicherheitstraining lohnt sich 01:29

Geschwindigkeit macht stabil, aber Vorsicht...

Fahrversuche mit dem Pedelec
Übung macht den Meister: Manche Händler bieten Kurse an, um Kunden auf das Fahren mit einem Pedelec vorzubereiten. © deutsche presse agentur

Bei den beiden letztgenannten Gruppen ist es total normal, dass es im Bereich des Fahrradfahrens Defizite gibt. Doch vom ursprünglichen Prinzip des Fahrrads weicht das E-Bike nicht ab. Laut Definition ist ein Fahrrad ein zweirädriges Fahrzeug, dessen Räder hintereinander angeordnet sind und das durch Treten der Pedale angetrieben wird. Es wird durch Geschwindigkeit und Balancierfähigkeit im Gleichgewicht gehalten. Was von den beiden Dingen entscheidender ist, macht ein kleines Experiment deutlich: Auf das Rad steigen und nicht losfahren, sondern stehen bleiben. Das gelingt nur sehr geübten Radfahrern.

Schiebt man hingegen ein Rad an und lässt es ohne Fahrer (genauer gesagt ohne die Balancierfähigkeit des Fahrers) rollen, dann funktioniert das sogar ein paar Meter, bis der Schwerpunkt nicht mehr über den Rädern liegt und das Fahrrad umkippt. Je kräftiger man es anschiebt, desto schneller rollt es. Je schneller es rollt, desto länger rollt es. Die Geschwindigkeit ist also entscheidender, und genau das ist das Problem. Je schneller das Fahrrad ist, desto stabiler ist es. Und dem entsprechend fühlt sich ein ungeübter Radfahrer auch stabiler, je schneller er unterwegs ist.

Stabiler ist nicht sicherer

Das Problem: Stabiler ist nicht sicherer. Hier offenbart sich eine auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinende Tatsache. Schneller fahren ist einfacher als langsam fahren, oder: Wer langsam fahren kann, kann auch schnell fahren. Wer aber schnell fahren kann, kann nicht unbedingt langsam fahren. Daraus folgt: Nur wer langsam fahren kann, ist in der Lage, das Fahrrad wirklich zu kontrollieren.

Schnell fahren aber funktioniert auf einem E-Bike aufgrund der Motorunterstützung noch einfacher als auf einem normalen Fahrrad. Durch das viel höhere Gewicht hat ein E-Bike zusätzlich auch noch viel mehr Schwungkraft. Je höher die Masse, desto höher die Trägheit: Bei 25 km/h hat ein schweres E-Bike einen wesentlich längeren Bremsweg als ein leichtes Rennrad aus Carbon.

Umso wichtiger ist es also, sich der Tatsache bewusst zu werden, dass das Gefühl der physikalischen Stabilität nichts mit Kontrollfähigkeit zu tun hat, und zu lernen, wie ich das Fahrrad wirklich unter Kontrolle habe und halte, bei 25 km/h und bei drei km/h. Wie reagiert das Gerät auf meine Aktionen, wie kontrolliere ich die Power des Motors und nicht umgekehrt, damit das E-Bike in einer potentiellen Gefahrensituation genau das tut, was ich will?

Ein unsicherer und ungeübter E-Bike-Fahrer gefährdet nicht nur sich selbst

Denn letztlich gefährdet ein ungeübter E-Bike-Fahrer nicht nur sich selbst. Er gefährdet auch alle Verkehrsteilnehmer um sich herum. Dies ist eines der Risiken im deutschen Straßenverkehr, das unbedingt minimiert werden muss, und hier ist der E-Bike-Fahrer selbst gefragt. Er ist dafür verantwortlich, dass er sein Rad angemessen unter Kontrolle hat und ein entsprechendes Tempo fährt.