Durch CO2: Die Erde wird immer grüner

Kohlendioxid fördert das Pflanzenwachstum

Geht es der Erde doch gar nicht so schlecht? Laut einer in der Fachzeitschrift ‚Nature Climate Change‘ veröffentlichten Studie wird der blaue Planet jedenfalls immer grüner. In den vergangenen 35 Jahren haben 25 Prozent der mit Vegetation bedeckten Erdoberfläche einen enormen Zuwachs an Biomasse erfahren, wie ein internationales Forscherteam mit 32 Wissenschaftlern von 24 Institutionen aus acht Ländern herausgefunden hat. Und ausgerechnet das verteufelte Kohlendioxid ist es, das das Pflanzenwachstum hauptsächlich so fördert, schreiben die Autoren der Studie um Zaichun Zhu von der chinesischen Akademie der Wissenschaften. Das bedeutet aber nun nicht, dass das Treibhausgas doch nicht so verheerende Auswirkungen auf das Klima hat.

Wir erinnern uns an die Schulzeit: Bei der Photosynthese werden energiereiche Stoffe (Zucker) aus energieärmeren Stoffen (Kohlendioxid) mithilfe von Lichtenergie erzeugt. Erhöhte CO2-Konzentrationen kurbeln die Photosynthese und das Pflanzenwachstum an. Es tragen zwar auch Stickstoff und klimatische Veränderungen dazu bei, dass die Biomasse wächst. Die Forscher betrachteten die Faktoren aber einzeln und fanden heraus, dass 70 Prozent des Ergrünens auf den Dünge-Effekt der steigenden CO2-Werte zurückzuführen ist.

Ca. 85 Prozent der eisfreien Erdoberfläche und 32 Prozent der gesamten Erdoberfläche inklusive Ozeanen und permanenten Eisdecken sind von Vegetation bedeckt. "Dieses von uns beobachtete Ergrünen ist in seinem Ausmaß vergleichbar mit einem zusätzlichen grünen Kontinent von der doppelten Fläche der USA", sagt Zhu. Es könnte den ganzen Wasser- und Kohlenstoff-Kreislauf im Klimasystem fundamental verändern.

Die nutzbringende Wirkung des CO2 für Pflanzen ist allerdings begrenzt. Co-Autor Dr. Philippe Ciais vom französischen Forschungslabor für Klima- und Umweltforschung in Gif sur Yvette erklärt: „Studien haben gezeigt, dass sich Pflanzen an zunehmende CO2-Konzentration anpassen, so dass der Düngeeffekt mit der Zeit nachlässt.” Und abgesehen davon gehört CO2 eben auch zu den Verursachern von u.a. abschmelzenden Gletschern, Anstieg des Meeresspiegels, vermehrt auftretenden tropischen Stürmen.

Für ihre Studie werteten die Wissenschaftler Vegetationsdaten aus, die drei NASA-Satelliten in der Zeit von 1982 bis 2009 aufgezeichnet hatten.