2019 war das zweitwärmste Jahr der Wetter-Geschichte

ARCHIV - Viele Menschen halten sich am 05.07.2015 in Denzlingen (Baden-Württemberg) im Becken eines Freibades auf. Nirgendwo sonst in Deutschland war es im Juli so warm wie in Baden-Württemberg. Ein neuer Wetterrekord wurde nicht aufgestellt. Patrick
Im Sommer wurden 42,6 Grad in Deutschland gemessen. Rund 60 Messstationen aus dem Messnetz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und aus dem privaten Messnetz meldeten Werte jenseits der 40 Grad. Zuvor war das höchstens mal an einzelnen Wetterstationen passiert.. © dpa, Patrick Seeger

Wetterextreme werden mehr

Eine heiße Dekade mit neun der zehn wärmsten Jahre, die je in Deutschland gemessen wurden, geht zu Ende. 2019 war das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Platz 3 gab es für die häufigtsen Sommertage, Platz 4 für fir meiste Hitzetage.Wetterextreme werden eher noch häufiger, fürchten Experten. 

Heißestes Jahr war 2018

Mit einer Mitteltemperatur von 10,3 Grad war das Jahr 2019 zusammen mit dem Jahr 2014 das bisher zweitwärmste in Deutschland beobachtete Jahr seit dem Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen im Jahr 1881. 9 der 10 wärmsten Jahre in Deutschland lagen innerhalb der letzten 20 Jahre. Während der letzten 32 Jahre traten nur zwei unterdurchschnittlich warme Jahre auf (bzgl. des Referenzzeitraums 1961-1990). Das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen war 2018 (mittlere Temperatur 10,5 Grad), gefolgt von 2014 ((mittlere Temperatur 10,3 Grad).

Tödliche Hitzewelle

Im zu Ende gehenden Jahr trugen elf zu warme Monate zu dem Ergebnis bei, nicht zuletzt die extreme Hitze Ende Juli. Noch nie zuvor seien in Deutschland an drei Tagen hintereinander 40 Grad oder mehr gemessen worden. In diesem Sommer war die Temperatur an 23 Messstellen auf 40,0 Grad oder mehr gestiegen. Am 25.Juli wurde dabei in Lingen im Emsland der neue deutsche Hitzerekord von 42,6 Grad gemessen, in mehreren Bundesländern gab es ebenfalls neue Rekordwerte. 

Temperaturanomalie
Deutschlandweite Temperaturabweichung im langjährigen statistischen Vergleich. Gezeigt sind die Werte für das Jahr 2019 in Bezug zu den Werten im Zeitraum 1881-2018. © DWD

Bei solchen Temperaturen ist gerade in dicht bebauten Ballungsgebieten der Sommer kein Vergnügen mehr - von den gesundheitlichen Belastungen ganz zu schweigen. "Eine Hitzewelle im Sommer ist die tödlichste Gefahr, die unser Wetter zu bieten hat, gefährlicher als Winterstürme oder Starkregen", sagte ein DWD-Sprecher. 

Am Hochrhein die meiste Sonne

Lachend liegen Franzi (l) und Sina am Samstag (04.08.2007) bei Lindau (Schwaben) am Bodensee auf einer Badeplattform. In den kommenden Tagen soll die Sonne bei hochsommerlichen Temperaturen vom Himmel lachen. Foto: Stefan Puchner dpa/lby +++(c) dpa -
Die meisten Sonnenstunden gab's am Hochrhein zwischen Basel und Bodensee © dpa, A3419 Stefan Puchner

Es müsse davon ausgegangen werden, dass auch in der kommenden Dekade die Sommer in Deutschland von Wetterextremen geprägt seien. "Dass es zu kühl ist, wird seltener sein." Hitze war aber nach DWD-Angaben nicht das einzige Wetterextrem des Jahres 2019. Wie bereits im Jahr zuvor war gerade der Sommer deutlich zu trocken - auch wenn mit einem bundesweiten Durchschnitt von bislang rund 730 Litern Niederschlag pro Quadratmeter immerhin 93 Prozent des jährliche Regen-Solls erreicht wurden. Allerdings fiel in manchen Regionen viel zu wenig Regen. Vom Thüringer Becken bis zur Leipziger Tieflandsbucht kamen an einigen Messstationen nur etwa 350 Liter pro Quadratmeter zusammen. Den meisten Regen und Schnee erhielt hingegen das Allgäu mit bis zu 2450 Liter pro Quadratmeter, die größte Tagessumme prasselte in Form von Starkregen in Kreuth-Glashütte bei Bad Tölz am 28. Juli mit 138,9 Liter pro Quadratmeter vom Himmel.

Zudem war das Jahr 2019 besonders sonnig: Mit etwa 1.800 Stunden Sonnenscheindauer wurde das durchschnittliche Jahres-Soll von 1.544 Stunden deutlich übertroffen. Am längsten zeigte sich die Sonne am Hochrhein mit rund 2.120 Stunden, am wenigsten im Norden und im Sauerland mit örtlich weniger als 1.500 Stunden.

Auch die Jahrzehnte werden immer wärmer

DWDtemp1
Abweichung der Temperatur vom vieljährigen Mittel 1961-1990 für 10-Jahresperioden für Deutschland (Ausnahme 1881-1889).

Der starke Anstieg der Temperatur während der letzten Jahrzehnte wird auch bei Betrachtung von 10-jährigen Mittelungszeiträumen sichtbar. Gemäß allgemeiner Definition endet das Jahrzehnt erst mit Ende des Jahres 2020. Abweichend von dieser Definition zeigt die Abbildung einen Vergleich 10-jähriger Zeiträume die aufgrund der aktuellen Datenverfügbarkeit jeweils um ein Jahr versetzt sind. Für den Zeitraum 2010-2019 beträgt der deutschlandweite Temperaturmittelwert 9,5°C. Der Mittelwert im ersten Jahrzehnt der Datenreihe (1881-1890) betrug: 7,6°C.  

Die steigenden Temperaturen in Deutschland folgen der Entwicklung unseres Planeten. Die Erde heizt sich auf.