Winterchaos von Frankreich bis in die Türkei: Schnee, Glätte und eisige Kälte hinterließen Chaos

Spiegelglatte Straßen, getrichene Flüge - Stürze und bittere Kälte von Frankreich bis in die Türkei

Mit dem ersten Wochenende im neuen Jahr zeigt der Winter auch seine üblen Seiten. Unfälle, Kältetote und glatte Straßen - hier die Meldungen des Winter-Wochenendes.

Bittere Kälte von Frankreich bis in die Türkei

Winter in Istanbul
Nicht nur Deutschland erlebt derzeit einen strengen Winter. © REUTERS, MURAD SEZER, MS/ste

FRANKREICH: Vier Menschen kamen am Sonntag bei einem Busunfall in Frankreich ums Leben - Glatteis war wahrscheinlich die Ursache. In Straßburg fiel Medienberichten zufolge am Samstag in 15 000 Wohnungen die Heizung aus, 300 Haushalte blieben auch die Nacht über ohne Heizung und warmes Wasser. Mehrere Städte hatten in Turnhallen Schlafplätze für Obdachlose eingerichtet.

POLEN: Anhaltender Frost hat in Polen und Tschechien seit Freitag mindestens zwölf Menschen das Leben gekostet. Bei Temperaturen von bis zu minus 25 Grad starben in Polen neun Menschen, wie das Sicherheitszentrum der Regierung am Sonntag mitteilte. Damit stieg die Zahl der Kältetoten seit November auf 55. Weitere 24 Menschen seien seit Winterbeginn an Kohlenmonoxid-Vergiftungen gestorben. Sie hatten unter anderem giftige Gase aus Kohleöfen eingeatmet.  

TSCHECHIEN: In Tschechien starben drei Menschen an den Folgen der Kälte, wie die Agentur CTK unter Berufung auf Rettungskräfte berichtete. In Prag kamen zwei Obdachlose ums Leben. Obwohl für Wohnungslose das Winterwetter besonders gefährlich ist, blieben viele Betten in Prags Obdachlosenheimen leer, wie die Leitung der Sozialeinrichtungen mitteilte. Am kältesten wurde es mit bis zu minus 34,6 Grad im Böhmerwald (Sumava) an der Grenze zu Deutschland.

BULGARIEN: Der eiskalte Winter mit heftigen Schneefällen hält Bulgarien fest im Griff. 40 Touristen aus Japan blieben in Schneeverwehungen stecken. Sie wurden in der Nacht zum Sonntag aus dem Reisebus in Sicherheit gebracht. Die Menschen in 90 Orten mussten auch am Sonntag ohne Strom auskommen, da Schneestürme die Leitungen beschädigt hatten.  

UNGARN: In der nordungarischen Ortschaft Tesa betrug die Temperatur Sonntagfrüh minus 28,1 Grad Celsius, teilte der Meteorologische Landesdienst auf seiner Facebookseite mit. Kälter war es in Ungarn zuletzt im Jahr 2003. In Budapest sind in der Nacht zum Sonntag zwei Obdachlose erfroren. Der Mann und die Frau wurden in einer Abbruch-Ruine im Außenbezirk Zuglo gefunden. Da waren sie schon tot.

GRIECHENLAND: Bis zu minus 17 Grad und ungewohnt starke Schneefälle haben am Wochenende in Griechenland zu Chaos geführt. Straßen waren nicht passierbar, in vielen Ortschaften und Städten brachen die Strom- und Wasserversorgung zusammen. Mindestens zwei Menschen kamen durch den Kälteeinbruch ums Leben. In einer Hafenstadt schneite es erstmals seit 40 Jahren. Auf Kreta wurde unterdessen Snowboard gefahren.

TÜRKEI: Heftiger Schneefall hat in der türkischen Millionenmetropole Istanbul starke Verkehrsbehinderungen verursacht. Am Flughafen Atatürk, dem größten der Türkei, seien die Inlandsflüge zeitweilig eingestellt worden, wie die Nachrichtenagentur DHA meldete. Auch zahlreiche internationale Verbindungen wurden gestrichen. Nach Angaben von DHA waren insgesamt mehr als 600 Flüge betroffen.

RUSSLAND: Nach einem heftigen Kälteeinbruch in Moskau sorgen die Temperaturen weiter für sibirische Wintergefühle. Im Zentrum der russischen Hauptstadt zeigte das Thermometer in der Nacht zum Sonntag nach unterschiedlichen Berichten bis zu minus 28,5 Grad Celsius an. In der Ortschaft Klin nordwestlich von Moskau wurden 35,9 Grad unter Null gemessen, wie die Agentur Tass meldete.

ITALIEN: Vor allem die Mitte und der Süden Italiens sind von Schnee, Eis und Kälte betroffen. Schnee fiel nicht nur in den eher bergigen Erdbebengebieten in den Regionen Marken, Umbrien, Abruzzen und Latium, sondern selbst an den Küsten - vor allem an der Adria. Fotos zeigten Attraktionen wie die Trulli-Kegelbauten in Alberobello in Apulien und die Welterbestadt Matera weiß überzuckert - ein seltener Anblick.


ÖSTERREICH UND SCHWEIZ: In weiten Teilen der Alpen in der Schweiz und in Österreich herrschte am Wochenende nach Angaben der Warndienste «erhebliche Lawinengefahr». Im Schweizer Kanton Wallis wurde am Freitag ein 28-Jähriger Skifahrer aus Frankreich von einem 400 Meter langen Schneebrett in den Tod gerissen. Im Tiroler Skigebiet Fieberbrunn überlebte ein deutscher Wintersportler am Freitag einen Lawinenabgang, wie die Polizei am Wochenende mitteilte.

Sonntag 15:07

Schwäne bei eisiger Kälte festgefroren

Schwan
Bei milderen Temperaturen im Norden besteht für diese gründelnden Schwäne im Steinhuder Meer besteht keine Gefahr mehr. © dpa, Holger Hollemann, hoh

Drei Schwänen sind die eisigen Temperaturen in der Nacht zum Sonntag zum Verhängnis geworden. Sie hatten sich bei fast 10 Grad unter Null im sächsischen Plauen auf einem Teich niedergelassen und froren fest, wie die Polizei mitteilte. Eine Passantin alarmierte die Feuerwehr, die die Tiere befreite. Ein Schwan verletzte sich jedoch an einem angrenzenden Maschendrahtzaun. Ein Tierarzt wollte sich um ihn kümmern.

Sonntag 14:50

Flüchtlinge in Griechenland harren bei Eiseskälte in Zelten aus

Auf den griechischen Inseln leben während des eisigen Wintereinbruchs viele Flüchtlinge und Migranten unter menschenunwürdigen Bedingungen. "Auf Chios sind die Wohncontainer längst überfüllt - wer dort keinen Platz hat, harrt in Sommerzelten ohne Strom und Heizung aus", sagte Inselbewohnerin Jenny Kaliposi. Vor allem das Zeltlager 'Souda' sei betroffen; dort herrschten nachts Minusgrade, tagsüber verwandle sich der Boden in Matsch. "Kinder, Erwachsene - wer sein Zelt verlässt, steht im eisigen Schlamm", sagte Kaliposi.

Auch auf Lesbos ist die Situation kritisch. In einem Video, das ein Lagerbewohner aufgenommen haben soll, sind zahlreiche tief eingeschneite Zelte ohne Strom und Wasser zu sehen.

Sonntag 13:50

Papst hilft Obdachlosen bei Kälte mit Autos

Umrahmt von Eiszapfen eines eingefrorenen Brunnens ist Papst Franziskus am 08.01.2017 zu sehen während er das Angelus-Gebet am Fenster seiner Wohnung über dem Petersplatz spricht. Foto: Andrew Medichini/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Papst Franziskus beim Angelus-Gebet © dpa, Andrew Medichini, AJM hpl

Papst Franziskus hat zum Kälteeinbruch in Italien Schlafsäcke und Autos für Obdachlose zum Übernachten bereitgestellt. Außerdem seien Hilfszentren für diejenigen länger geöffnet, die sich aufwärmen müssten, sagte der Päpstliche Almosenmeister Konrad Krajewski am Wochenende der Nachrichtenagentur Ansa. "Das Auto kann man natürlich nicht nachts an lassen, weil es gefährlich ist, aber als Schutzraum ist es immerhin etwas." Die Schlafsäcke hielten bei minus 20 Grad noch warm. 

Vor allem die Mitte und der Süden Italiens sind von einem ungewöhnlichen Wintereinbruch heimgesucht worden. Mehrere Menschen starben, darunter vor allem Obdachlose. In Medien war von acht Kältetoten die Rede, offiziell bestätigt wurde die Zahl jedoch nicht. Der Zivilschutz warnte weiter vor Schnee, Wind und eisigen Temperaturen. Touristenattraktionen wie die Unesco-Stadt Matera und die Trulli-Kegelbauten in Apulien zeigten sich mit seltener weißer Haube. 
 Der Papst betete nach dem Angelus-Gebet am Sonntag für die Obdachlosen. "Bitten wir den Herrn, unser Herz zu erwärmen, damit wir ihnen helfen können", sagte der 80-Jährige. Franziskus ist bekannt für sein Engagement für Obdachlose, schon öfter ließ er in Rom Schlafsäcke verteilen.

Sonntag 13:32

Unbelehrbar: Autofahrer wollen nach Unfall weiterschleudern

Winterliche Straßen
Winterliche Straßenverhältnisse mahnen zur Vorsicht. © dpa, Stefan Puchner, puc

Unbelehrbare junge Leute haben in Niedersachsen einen spiegelglatten Parkplatz für Schleudertrainings benutzt und sich nicht einmal von einem schweren Unfall abschrecken lassen. Bereits am Freitagabend hatten mehrere Autofahrer bei minus 15 Grad mit ihren Fahrzeugen Schleudern auf dem Eis des Platzes zwischen Braunlage und Clausthal-Zellerfeld geübt. Dabei war eine 17 Jahre alte Beifahrerin durch einen Zusammenstoß eines 20-Jährigen mit einem 21-Jährigen schwer verletzt worden, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. 

Obwohl die Polizisten an Ort und Stelle Bußgelder verhängten, kam es am Abend darauf an demselbem Parkplatz wieder zu einer Ansammlung von risikofreudigen Autofahrern. Bei einem erneuten Aufruf zum Schleudertraining via Facebook hatten sich im Laufe des Samstags mehr als 100 Menschen angemeldet. Die Polizei kontrollierte deshalb die Straße zum Gelände. Sie erteilte mehr als 40 Fahrern Platzverweise. Der betroffene Parkplatz liegt an einem der höchsten Punkte im Oberharz, deswegen ist es dort besonders oft verschneit und glatt.

Sonntag 12:04

Fataler Glätteunfall auf Frankreichs 'Straße des Todes'

Vor glatten Straßen wurde an diesem Wochenende häufig gewarnt, auch in Frankreich. Auf einer der gefährlichsten Routen des Landes kommen dennoch mehrere Menschen bei einem Busunfall ums Leben.

Drei Menschen waren in Lebensgefahr, darunter ein etwa zweijähriges Kind, sagte der zuständige Präfekt Gilbert Payet am Sonntag in Charolles. Beide Fahrer und die übrigen 23 Passagiere überlebten den Unfall mit leichten Verletzungen. Die Portugiesen seien auf dem Rückweg von ihrem Heimatland in die Schweiz gewesen, wo sie arbeiteten. Der Unfall ereignete sich am Sonntagmorgen nahe Charolles im Departement Saône-et-Loire bei Lyon. Den Ermittlern zufolge geriet der Bus auf die gegenüberliegende Fahrbahn, durchbrach die Leitplanke und stürzte in einen Straßengraben. Andere Fahrzeuge waren demzufolge nicht an dem Unglück beteiligt. 
"Es war sehr glatt", sagte die ermittelnde Staatsanwältin Karine Malara. "Die Wetterbedingungen waren an diesem Morgen sehr ungünstig." Es sei daher wahrscheinlich, dass Glatteis eine der Ursachen für den Unfall war. Ob es die einzige war, wisse man für den Moment noch nicht.

Der französische Wetterdienst hatte für das Departement auch am Sonntag noch eine Warnung vor Glatteis und Schnee ausgesprochen. Im Laufe des Samstags hatten entsprechende Warnungen für mehr als 30 Departements in Nord- und Ostfrankreich gegolten. Mancherorts hatte die Temperatur bei minus 13 Grad gelegen. Der französische Innenminister, Bruno Le Roux, ermahnte Autofahrer nach dem Unfall erneut zur Vorsicht auf den Straßen. 

Erst im März 2016 waren zwölf Portugiesen auf derselben Nationalstraße tödlich verunglückt. Ihr Kleinbus war frontal mit einem entgegenkommenden Lastwagen zusammengestoßen. Die Verbindung durch Zentralfrankreich gilt als besonders gefährlich - die Franzosen nennen sie die 'Straße des Todes'. Grund für die vielen Unfälle sollen reger Verkehr, nur eine Spur pro Fahrtrichtung und ein monotoner Straßenverlauf sein.
Die Straße habe traurige Berühmtheit erlangt, räumte der Präfekt am Sonntag in Charolles ein. Das Glatteis-Risiko sei dort aber nicht höher als auf jeder anderen Straße. Allerdings: Kurz vor der Unfallstelle stehe ein Viadukt - und dort sei die Gefahr etwas größer.

Glatteis-Chaos auf Straßen in NRW - Mehrere Massenkarambolagen

Glätteunfall: Toyota-Fahrerin kommt von Straße L1189 Magstadter Straße ab und landet auf dem Dach Copyright: 7aktuell.dex xOskarxEybSmoothness accident Toyota Driver , from Road   Road from and lands on the Roof Copyright 7aktuell Dex xOskarxEyb
Glätteunfall Toyota Fahrerin kommt von Straße L1189 Magstadter Straße ab und landet auf dem Dach Co © imago/7aktuell, imago stock&people

Autos rutschen ineinander, Fußgänger können sich kaum auf den Beinen halten. Extreme Glätte hat auf den Straßen und Gehwegen in Nordrhein-Westfalen teilweise für Chaos gesorgt. Doch die meisten der 1500 Verkehrsunfälle gingen relativ glimpflich aus.

Spiegelglatte Straßen und Gehwege durch gefrierenden Regen haben in Nordrhein-Westfalen bis zum frühen Sonntagmorgen zu Hunderten Unfällen und Stürzen geführt. Die Landesleitstelle der Polizei zählte zwischen Samstagnachmittag und den frühen Morgenstunden 1500 Verkehrsunfälle - die allermeisten davon gingen glücklicherweise glimpflich aus. Dennoch sei die Situation extrem gewesen, schilderte ein Sprecher.

Auf Autobahnen standen Lastwagen quer, bei Massenkarambolagen rutschten Fahrzeuge ineinander. Auf kleineren Straßen ging bis in die Nacht teilweise nichts mehr. Sieben Schwerletzte mussten landesweit nach Verkehrsunfällen auf Glatteis in Krankenhäusern versorgt werden. Auch Fußgänger konnten sich auf gefrorenem Untergrund mancherorts kaum auf den Beinen halten. Einige Rettungskräfte kamen bei den vielen Notrufen nicht mehr hinterher und mussten Unfallopfer um Geduld bitten.

Mit steigenden Temperaturen entspannte sich die Lage seit den Morgenstunden jedoch immer mehr. Die Unwetterwarnung konnte am Vormittag aufgehoben werden. Im Bergland kann es jedoch noch immer glatt bleiben.

Am Samstagnachmittag war Regen auf dem eiskalten Boden gefroren und hatte Straßen und Gehwege in gefährliche Rutschbahnen verwandelt. Polizeikräfte und Rettungsdienste waren im Dauereinsatz, um Unfälle aufzunehmen und Autos abzuschleppen.

So musste allein die Kölner Polizei innerhalb von zwei Stunden zu 100 Einsätzen ausrücken. Im Kreis Wesel rutschte ein Lastwagenfahrer in ein entgegenkommendes Streufahrzeug. In Duisburg geriet ein 27-Jähriger auf der Flucht vor der Polizei auf der eisglatten Fahrbahn ins Schleudern und prallte gegen einen Pfeiler. In Mülheim an der Ruhr brauchte ein Notarzt nach einem Unfall selbst die Hilfe seiner Kollegen. Obwohl er nur mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs war, rutschte er von der Straße in ein Gebüsch. Im Kreis Viersen stürzte eine Radfahrerin und kam schwer verletzt ins Krankenhaus.

Auch wer das Auto stehen ließ und die Bahn nutze, musste aufpassen: Die Deutsche Bahn warnte vor glatten Bahnsteigen. Auch auf den Autobahnen konnten die Streudienste Eisglätte nicht vermeiden: Auf der A46 bei Iserlohn rutschte ein Auto in ein Stauende und schob mehrere Wagen ineinander. Fünf Schwerverletzte vermeldete die Polizei, darunter zwei Kinder. Bei einer Massenkarambolage auf der A30 in Ostwestfalen krachten zwei Lastwagen und 14 Autos ineinander. Mit viel Glück seien nur vier Personen leicht verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher. Die A2 und A30 seien immer wieder zeitweise gesperrt worden - allein auf den beiden Autobahnen zählte die Bielefelder Polizei mehr als 30 Glatteisunfälle

Sonntag 11:34

Tierpark Hagenbeck wegen Glätte geschlossen

Ein Kind rutscht am 07.01.2017 am Jungfernstieg in Hamburg wegen starker Glätte an der Hand seiner Mutter aus. (zu dpa «Unwetterwarnung: Vorsicht vor Eisregen und Glatteis» vom 07.01.2017) Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Eisregen in Hamburg zwingt den Tierpark Hagenbeck, seine Pforten zu schließen. © dpa, Daniel Reinhardt, dan gfh

Der Hamburger Tierpark Hagenbeck ist am Sonntag den zweiten Tag in Serie geschlossen geblieben. Grund dafür sei die Glätte auf den Wegen im Park, sagte eine Sprecherin. Lediglich das Tropenaquarium war für Besucher geöffnet. Das Blitzeis am Samstag habe die Versorgung der Tiere aber nicht eingeschränkt. Nach Angaben der Sprecherin soll der Tierpark am Montag wieder öffnen.

Sonntag 11:12

Zwölf Kältetote in Polen und Tschechien

Eine vom Eis bedeckte Uferpromenade am Elksee in Elk, Nordostpolen, am 07.01.2017. Die Temperatur in diesem Teil Polens fiel heute Morgen auf minus 16 Grad Celsius. PAP/TOMASZ WASZCZUK POLAND OUT Foto: Tomasz Waszczuk/PAP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Eisbedeckte Uferpromenade am Elkee in Polen. © dpa, Tomasz Waszczuk, gj gfh

Der Frost hat auch Osteuropa fest im Griff. In Polen und Tschechien sanken die Temperaturen teils auf 25 Grad Minus. Mehrere Menschen überleben diese Kälte nicht.

Anhaltender Frost hat in Polen und Tschechien seit Freitag mindestens zwölf Menschen das Leben gekostet. Bei Temperaturen von bis zu minus 25 Grad starben in Polen neun Menschen, wie das Sicherheitszentrum der Regierung am Sonntag mitteilte. Damit stieg die Zahl der Kältetoten seit November auf 55. Weitere 24 Menschen seien seit Beginn der kalten Jahreszeit an Kohlenmonoxid-Vergiftungen gestorben. Sie hatten unter anderem giftige Gase aus Kohleöfen eingeatmet. Behörden warnten vor dem Heizen mit veralteten Öfen und Ventilationssystemen. In Tschechien starben drei Menschen an den Folgen der Kälte, wie die Agentur CTK unter Berufung auf Rettungskräfte berichtete. In Prag kamen zwei Obdachlose ums Leben. Obwohl für Wohnungslose das Winterwetter besonders gefährlich ist, blieben viele Betten in Prags Obdachlosenheimen leer, wie die Leitung der Sozialeinrichtungen der Hauptstadt mitteilte. Am kältesten wurde es laut tschechischen Wetterbehörden mit bis zu minus 34,6 Grad im Böhmerwald (Sumava) an der Grenze zu Deutschland.

Sonntag 11:00

Nach Glatteis-Chaos entspannt sich die Lage

Nach dem Glatteis-Chaos in großen Teilen Deutschlands entspannt sich die Lage nach und nach. Das Winterwetter hatte besonders Nord- und Westdeutschland getroffen und dort zu vielen Verkehrsunfällen geführt, die aber zumeist glimpflich ausgingen. Streudienste waren im Dauereinsatz.

Im Norden und Westen sind die Temperaturen jetzt schon über Null. Dann gefriert auch am Boden nichts mehr. Dennoch bestand für höhere Lagen zunächst noch eine Warnung vor Glatteis. Das Schlimmste ist jedoch überstanden.

Tief 'Axel' hatte Deutschland am Wochenende in den Nächten teils zweistellige Minusgrade beschert und stellenweise zu Blitzeis geführt. In Niedersachsen gab es landesweit 630 Unfälle - in der Nähe von Hannover starb ein Autofahrer am Samstagabend nach einem schweren Glätteunfall. In Nordrhein-Westfalen zählte die Polizei rund 1.500 Verkehrsunfälle auf spiegelglatten Straßen. Sieben Menschen wurden dort schwer verletzt, 84 trugen leichte Verletzungen davon. 'Axel' machte nicht nur dem Straßenverkehr Probleme. In Hamburg rutschten am Samstag zahlreiche Fußgänger auf spiegelglatten Straßen aus, viele verletzten sich dabei.

Sonntag 10:37

Weitere Flüge wegen Schneefalls in Istanbul gestrichen

Schnee in der Türkei / Istanbul
Trotz dem heftigen Schnee in Istanbul, treibt es die Menschen auf die Straße. © REUTERS, MURAD SEZER, MS/ste

Heftiger Schneefall hat in der türkischen Millionenmetropole Istanbul zu starken Verkehrsbehinderungen geführt. Am Flughafen Atatürk, dem größten der Türkei, seien die Inlandsflüge bis zum frühen Sonntagabend eingestellt worden, wie die Nachrichtenagentur DHA meldete. Auch zahlreiche internationale Flüge wurden gestrichen. Der zwischenzeitlich eingestellte Schiffs- und Fährverkehr auf dem Bosporus wurde dagegen wieder aufgenommen. Wegen schlechten Wetters kam es in mehrere Vierteln Istanbuls zu Stromausfällen.

Eine Kaltfront hatte am Freitag zu einem Temperatursturz in Istanbul geführt. Am Freitagabend setzten dann Sturm und heftiger Schneefall ein. Der Straßenverkehr in der hügeligen Stadt kam zeitweise zum Stillstand. Der Wind legte sich am Sonntag etwas, es schneite jedoch weiter. Der dichte Schneefall sollte Anfang der Woche noch andauern.

Sonntag 10:09

Minus 28 Grad in Moskau - Mehrere Flüge fallen aus

Moskau im Winter
Der Museonpark am Moskwa-Fluss am 07.01.2017 in Moskau.. Ein Hauch sibirischer Winter macht den orthodoxen Heiligabend in der größten Stadt Europas zum kältesten Weihnachtsabend seit 125 Jahren. © dpa, Thomas Körbel, fgj

Nach einem heftigen Kälteeinbruch in Moskau sorgen die Temperaturen am Wochenende weiter für sibirische Wintergefühle. Im Zentrum der russischen Hauptstadt zeigte das Thermometer in der Nacht zum Sonntag nach unterschiedlichen Berichten bis zu minus 28,5 Grad Celsius an. In der Ortschaft Klin nordwestlich von Moskau wurden 35,9 Grad unter Null gemessen, wie die Agentur Tass meldete. Nach Einschätzung von Meteorologen sind die Temperaturen rund 12 bis 15 Grad niedriger als gewöhnlich in dieser Jahreszeit. Die prognostizierten minus 40 Grad blieben jedoch zunächst aus. An den Moskauer Flughäfen Scheremetjewo und Domodedowo fielen am Sonntag mehr als 80 Flüge aus. Anfang der Woche soll es Vorhersagen zufolge wieder wärmer werden. 

Zuvor war in der Nacht von Freitag auf Samstag, am orthodoxen Weihnachtsabend, mit fast minus 30 Grad die tiefste Temperatur seit Winterbeginn gemessen worden. Das hatte den Russen die frostigste Weihnacht seit Jahrzehnten beschert. Der Kälterekord für den orthodoxen Heiligabend in Moskau liegt bei minus 34,8 Grad im Jahr 1891, die Höchsttemperatur wurde 2007 mit plus 3,5 Grad gemessen

Sonntag 10:02

Bilanz nach Glatteis-Chaos: 1500 Unfälle, nur wenige Verletzte

Glatteis Unfall in Iserlohn
Mindestens sechs Menschen wurden bei dem Unfall in Iserlohn verletzt, darunter mehrere Kinder. © dpa, Feuerwehr Iserlohn, mhe jhe

Spiegelglatte Straßen haben in Nordrhein-Westfalen seit Samstagnachmittag für rund 1500 Verkehrsunfälle gesorgt. Sieben Menschen wurden schwer verletzt, 84 Personen trugen leichte Verletzungen davon, wie die Landesleitstelle der Polizei in Duisburg am Sonntagmorgen bilanzierte. So waren auf der Autobahn 46 bei Iserlohn fünf Autos ineinandergekracht. Zwei Menschen verletzten sich dabei schwer. Bei einer Massenkarambolage auf der A30 in Ostwestfalen kollidierten zwei Lastwagen und insgesamt 14 Autos. Mit Glück seien nur vier Menschen leicht verletzt worden, so die Polizei.

Auf vielen Straßen im ganzen Land hatten sich gefährliche Eisflächen gebildet. Auch auf den Gehwegen konnten sich Fußgänger zum Teil kaum auf den Beinen halten. "Das war insgesamt schon eine extreme Lage", sagte Jan Schabacker, Sprecher der Leitstelle, am Sonntag. "Angesichts der sehr vielen Unfälle können wir aber sagen, dass es meistens doch glimpflich ausgegangen ist." Seit am Nachmittag Regen auf den Straßen und Gehwegen im Land gefroren war, seien Polizei und Rettungskräfte im Dauereinsatz gewesen. Auch zahlreiche Fußgänger, die auf Eisflächen ausgerutscht waren, wählten den Notruf. "Auf den Straßen ist man zu Fuß teilweise sicherer vorangekommen als auf völlig vereisten Bürgersteigen", sagte Schabacker. Gerade auf den Gehwegen bleibe die Lage tückisch, warnte er. Auch Autofahrer müssten weiter erhöhte Vorsicht walten lassen.

Sonntag 09:58

Mit Neuschnee steigt Lawinengefahr in deutschen Alpen

Lawinengefahr
Die Gefahr von Lawinen steigt wieder. © dpa/dpaweb, A2918 epa apa Guenther Dullnig

Der Neuschnee in der Nacht zum Sonntag hat die Lawinengefahr in den deutschen Alpen erhöht. Es bestehe in den gesamten bayerischen Alpen oberhalb von 1600 Metern eine erhebliche Lawinengefahr, teilte der Lawinenwarndienst Bayern am Sonntag mit. Das bedeutet Warnstufe drei von fünf. "Darunter ist die Lawinengefahr als mäßig einzustufen." Das entspricht der zweiten Warnstufe. "Mit dem Neuschnee steigt die Gefahr der Selbstauslösung von Lawinen wieder an", erklärten die Experten. Im Osten sollte es im Tagesverlauf weiter schneien. Die Temperaturen liegen laut Prognose in 2000 Metern bei minus acht Grad. "Je nach Umfang der Niederschläge kann die Lawinengefahr im Osten weiter ansteigen", so die Fachleute. 

Sonntag 09:20

Schnee und Eiseskälte treffen Griechenland

Winter in Griechenland
Für Einheimische, und besonders für Flüchtlinge in Notunterkünften ist der Wintereinbruch in Griechenland hart. © REUTERS, ALKIS KONSTANTINIDIS, AK/ys

In Griechenland sind die Temperaturen mancherorts auf minus 17 Grad gefallen. In der Nacht zum Sonntag hat es zudem erneut stark geschneit. Immer wieder kam es zu Stromausfällen, viele Straßen waren nicht befahrbar. In der kretischen Hafenstadt Rethymno im äußersten Süden des Landes schneite es zum ersten Mal seit 40 Jahren, berichtete der griechische Fernsehsender Skai am Sonntagmorgen. In der nördlichen Ägäis ist vor allem die Inselgruppe der Sporaden betroffen. Auf der Insel Skopelos liegt mittlerweile mehr als ein halber Meter Schnee, sagten Inselbewohner 

Sonntag 09:04

Kälte-Alarm in ganz Europa

Kältewelle Europa
Die Kälte hat Europa feste im Griff. Sogar in der Türkei ist es eisig. © dpa, Bernd Thissen, bt pil

In Frankreich wurde es am Wochenende vor allem im Norden und im Osten eiskalt. In der Region um Straßburg an der Grenze zu Baden-Württemberg lag die Temperatur am Samstag teilweise bei bis zu minus 13 Grad. Der französische Wetterdienst warnte vor Glatteis und Schneefall. In mehr als 30 Departements galt erhöhte Alarmstufe. Mehrere Städte hatten in Turnhallen Schlafplätze für Obdachlose eingerichtet. In der Nacht zum Sonntag sollte es nach den Erwartungen der Meteorologen wieder wärmer werden und das Glatteis-Risiko sinken.

Der Frost hat auch Tschechien fest im Griff. In Prag fand eine Polizeistreife am Samstag unter einer Brücke die Leiche eines Obdachlosen, der in der Nacht erfroren war. In der Gemeinde Hradistko in Mittelböhmen brachen zwei Männer auf dem Eis eines Sees ein. Für einen der beiden kam die Hilfe der Rettungskräfte zu spät, er starb an Unterkühlung. Es soll Alkohol im Spiel gewesen sein.

Vor allem die Mitte und der Süden Italiens sind von Schnee, Eis und Kälte betroffen. In Florenz wurde am Samstag bei Minusgraden ein toter Obdachloser gefunden. Möglicherweise trug die Kälte zum Tod bei. Insgesamt war von fünf Kältetoten in den letzten Tagen die Rede, die Behörden bestätigte diese Zahl jedoch am Samstag zunächst nicht. Schnee fiel nicht nur in den eher bergigen Erdbebengebieten in den Regionen Marken, Umbrien, Abruzzen und Latium, sondern selbst an den Küsten. Betroffen war vor allem die Adria-Küste. Selbst in Städten wie Bari und Brindis fiel Schnee. Fotos zeigten Touristenattraktionen wie die Trulli-Kegelbauten in Alberobello in Apulien und die Welterbestadt Matera weiß überzuckert - ein seltenes Schauspiel. Am Sonntag sollte sich die Lage entspannen.  

In Ungarn war es so kalt wie seit fünf Jahren nicht mehr. In der Ortschaft Tesa (Bezirk Pest) im Norden des Landes wurden Samstagfrüh minus 23,7 Grad gemessen, wie der Meteorologische Landesdienst mitteilte. Die Höchsttemperaturen am Tag lagen zwischen minus 12 und minus 5 Grad Celsius.

Klirrende Kälte auch in Hellas. Im Norden Griechenlands herrscht seit Freitag Dauerfrost. Die Thermometer in der Hafenstadt Thessaloniki zeigten am Samstag um die Mittagszeit minus sieben Grad Celsius. Am schlimmsten leiden Tausende Migranten und Flüchtlinge auf den Inseln, die in Zelten ausharren müssen. Zahlreiche Landstraßen waren nur mit Schneeketten befahrbar, wie die Polizei mitteilte. Eine dünne Schneedecke lag auf den Stränden zahlreicher Touristeninseln. Auch im Zentrum Athens herrschten Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Türkei: Wegen heftiger Schneestürme in der türkischen Millionenmetropole Istanbul ist der Bosporus für den Schiffsverkehr gesperrt worden. Die Sichtweite auf der Meerenge zwischen dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer war zeitweise unter 100 Meter gefallen. Auch die Bosporusfähren zwischen der europäischen und der asiatischen Seite Istanbuls stellten den Verkehr ein. Hunderte Flüge wurden gestrichen. Anadolu berichtete am Samstag, stellenweise seien in Istanbul über Nacht bis zu 40 Zentimeter Schnee gefallen. 

Samstag 16:00