Eisregen, Orkanböen und viel Schnee: Tief 'Egon' hat Deutschland fest im Griff

Sturmtief 'Egon' war in Deutschland unterwegs und hat einigen Regionen ganz schön zu schaffen gemacht. Durch das Schneechaos auf den Straßen gab es viele Unfälle und kilometerlange Staus und für viele war der Weg zur Arbeit oder zur Schule heute echt ein Abenteuer.

In Nordrhein-Westfalen blieb das Chaos aus

Viel Schnee, wenig Schnee und gar kein Schnee: Die Regionen Nordrhein-Westfalens hatten am Freitagmorgen alles zu bieten. Sturmtief 'Egon' hatte es vor allem in den Hochlagen von Eifel und Sauerland kräftig schneien lassen. Während es in weiten Teilen von Rheinland und Ruhrgebiet nahezu schneefrei blieb, bekam auch das Münsterland ordentlich Schnee ab.

Landesweit wurden der Landesleitstelle Verkehr in Duisburg bis 10 Uhr 310 witterungsbedingte Verkehrsunfälle bekannt. Dabei wurden sieben Menschen schwer verletzt, weitere 27 kamen mit leichten Verletzungen davon.

In den Skiorten wiederum kam der Schnee gut an. Am Vormittag hatte in der Wintersport-Arena Sauerland 47 Lifte geöffnet. Auf dem Kahlen Asten lagen am Morgen nach 17 Zentimetern Neuschnee etwa 36 Zentimeter. Der meiste Schnee fiel in der Eifel. So wurden etwa in Hellenthal 25 Zentimeter Neuschnee gemessen – insgesamt sind es jetzt 35 Zentimeter. Und das freut ja auch viele: „Schnee ist meine Lieblingsjahreszeit,“ heißt es in diesem Video.

Bahnverkehr im Saarland komplett lahmgelegt

Fast der gesamte saarländische Bahnverkehr ist am Freitagmorgen von Sturmtief «Egon» lahmgelegt worden. Bäume stürzten auf Schienen, so dass Züge stoppen mussten, wie die Bundespolizei mitteilte. Der Zugverkehr fiel teils auch noch am Vormittag wegen Aufräum- und Reparaturarbeiten aus.  Auch die Feuerwehr meldete etliche Einsätze. Die Helfer beseitigten in Saarbrücken beispielsweise umgestürzte Bäume und kümmerten sich um defekte Stromleitungen, instabile Gerüste sowie abgedeckte Dächer.

Nach Schnee und Sturm: Wälder meiden!

Wälder sind wegen Sturmtief Egon jetzt nicht sicher.
Dick eingeschneit und angeknackst: Äste können jetzt leicht abbrechen, Bäume umstürzen. © dpa, Julian Stratenschulte, jst wie

So schön die dick verschneiten Bäume auch aussehen – den Wald sollte man nach Sturm und Schneefall meiden. Der Hessische Waldbesitzerverband warnt jedenfalls davor, weil 'Egon' überall einzelne Bäume angedrückt habe, die in den nächsten Tagen jederzeit umstürzen könnten. Zudem hänge in den Baumkronen nasser und schwerer Schnee. "Unter der Last brechen immer wieder Äste ab, fallen zu Boden oder bleiben in der Baumkrone hängen", warnten die Waldbesitzer. Abgebrochene Teile könnten sich lösen und unverhofft aus großer Höhe zu Boden stürzen - dies sei lebensgefährlich.

Frankfurt: 125 Flieger bleiben am Boden

Am Frankfurter Flughafen wurde der Flugplan ebenfalls durcheinandergebracht. 125 der rund 1.100 geplanten Flüge seien annulliert worden, sagte ein Sprecher des Betreibers Fraport. Später am Vormittag entspannte sich die Lage am größten deutschen Flughafen wieder etwas. Durch die Ausfälle müsse aber im Laufe des Tages mit weiteren Verzögerungen gerechnet werden.

Rheinland-Pfalz und Saarland: Mit blauem Auge davongekommen

Winterwetter in Rheinland-Pfalz: Am Flughafen Hahn fallen einige Flüge aus.
Auf dem Flughafen Hahn ruht der Flugbetrieb. Starker Schneefall und Sturmböen machten Starts und Landungen unmöglich. © dpa, Thomas Frey, tfr gfh

In Rheinland-Pfalz und im Saarland war die Lage nicht so dramatisch wie befürchtet. Es gab zwar heftige Schneeverwehungen, Unfälle und vorübergehende Stromausfälle, aber Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen nicht. Vor allem in Höhenlagen wie der Eifel und im Hunsrück kam es zu Verkehrsbehinderungen aufgrund von Schneeverwehungen. Am Flughafen Hahn wurden wegen des Sturmtiefs und starker Schneeverwehungen einige Flüge verschoben. Auch in den höheren Regionen des Westerwalds war einiges auf den Straßen los.

Lastwagen fahren sich fest - Autobahn gesperrt

Tief Egon: Lastwagen mit Sommerreifen sitzen fest.
Die alte Leier: Zu viele Lastwagen sind mit Sommerreifen unterwegs - das konnte nicht gutgehen. © dpa, Marius Becker, mb nic

Nach starken Schneefällen hat die Polizei die Autobahn 4 bei Engelskirchen in Fahrtrichtung Olpe gesperrt. Mehrere Lastwagen mit Sommerreifen hätten sich an Steigungsstrecken festgefahren, sagte ein Sprecher von Straßen.NRW. Die Sperrung könne möglicherweise bis zum Mittag dauern.

In Niedersachsen und Bremen ist das Gröbste überstanden

Tief Egon beschert in Niedersachsen und Bremen glatte Straßen.
Da geht nix mehr: Die Straßen in Niedersachsen waren teilweise spiegelglatt. © dpa, Swen Pförtner, spf abl

Der Deutsche Wetterdienst hat seine Unwetterwarnung für Niedersachsen und Bremen größtenteils aufgehoben. Nur noch im südlichsten Niedersachsen im Bergland besteht noch die Gefahr von Schneeverwehungen. Es ist zwar überall sehr viel Schnee heruntergekommen, aber weil der Boden so warm war und es vorher geregnet hat, ist nicht viel übrig geblieben. Sonst hätten es gut und gerne 20 Zentimeter sein können.

In Sauerland und Eifel sollen Lastwagen auf Parkplätzen warten

Sturmtief Egon zwingt Lastwagen zum Stillstand.
Schnee in Sauerland und Eifel: Lastwagenfahrer sollen Zwangspause machen. © dpa, Henning Kaiser, hka gfh

Der Schneefall in Sauerland und Eifel hat am Freitagmorgen den Lastwagenfahrern erhebliche Probleme bereitet. Auf der Autobahn 45 sollten Lastzüge mit mehr als 7,5 Tonnen Gewicht den nächstgelegen Parkplatz ansteuern, empfahl die Autobahnpolizei. Die Polizei rief auch in der Eifel Lastwagenfahrer dringend auf, im Bereich Simmerath und Monschau die nächstmöglichen Parkplätze anzufahren. Sie sollten dort abwarten, bis sich die Straßenverhältnisse gebessert hätten. "Alles andere macht keinen Sinn." Probleme gebe es vor allem an Gefäll- und Steigungsstrecken. Sogar Räumfahrzeuge hingen dort fest.

Tödlicher Unfall auf der A30

Bei Handewitt in Schleswig-Holstein überraschte der Eisregen einen Autofahrer so sehr, dass er mit seinem Sportwagen ungebremst in die Leitplanke raste. Der Mann starb, seine Beifahrerin wurde schwer verletzt. Ähnliche Bilder im Westen, wo Sturm 'Egon' am Abend ankam. Auf der A30 bei Rheine stellte sich auf der schneebedeckten Fahrbahn ein Laster quer, Vollsperrung, kilometerlanger Stau. 

"Wenn man mit offenen Augen durch die Straßen fährt, kann man sehen, dass sich die Bäume biegen", sagt ein Sprecher der Feuerwehr Hörstel in Westfalen. "Es ist sehr viel Schnee auf den Straßen und es ist sehr glatt, weil die noch nicht geräumt sind. Tipp: Zu Hause bleiben, wenn es geht, oder langsam fahren."

Nichts war sicher vor 'Egon': Mit bis zu 148 km/h fegte er über Deutschland hinweg. Bei Mannheim knallte ein Schildermast auf die Überholspur. Und das war noch längst nicht alles: Die Deutsche Bahn drosselte die Höchstgeschwindigkeit ihrer Züge, kündigte online vorsichtshalber schon mal längere Fahrzeiten an. Auch der Flughafen Frankfurt warnte auf seiner Website vor Verzögerungen. Egon hat Deutschland fest im Griff.