Sonne als Medizin

Vitamin D – Sonne als Wundermittel?

von Amelie von Kruedener

Es ist das sonnigste Frühjahr seit langem. Die Sonne tut nicht nur der Seele gut, sondern wirkt auch wie eine kleine Naturmedizin. Das Zauberwort heißt Vitamin D. Dieses Sonnenvitamin ist unverzichtbar für starke Knochen, ein intaktes Immunsystem und sogar für die gute Laune.

Warum Vitamin D so wichtig ist

Vitamin D ist ein echter Allrounder im Körper. Es hilft dabei, Kalzium in die Knochen einzubauen, was Knochenbrüche und Osteoporose verhindern kann. Auch unser Immunsystem profitiert: Studien zeigen, dass ausreichend Vitamin D Infekte und Entzündungen reduzieren kann. Selbst die Psyche wird durch das Vitamin positiv beeinflusst. Serotonin – das Glückshormon – wird durch Sonnenlicht angekurbelt und sorgt für bessere Stimmung, ruhigeren Schlaf und weniger Stress.

Sonne macht den Unterschied

Frau hält Hände gegen die Sonne
Paradox, aber wahr: Nur ohne Sonnenschutz bildet der Körper Vitamin D – aber bitte nur kurz.

Tatsächlich ist die Sonne unser wichtigster Vitamin-D-Lieferant. Zwar lässt sich das Vitamin auch in kleinen Mengen aus Lebensmitteln wie Pilzen, Eiern oder fettem Fisch beziehen, aber das reicht längst nicht aus, um den Bedarf des Körpers vollständig zu decken. Bis zu 90 Prozent des Vitamin-D-Bedarfs entstehen durch die Einwirkung von UV-B-Strahlen direkt in unserer Haut.
Doch genau hier liegt das Problem: In Deutschland ist von Oktober bis März die Sonnenstrahlung oft zu schwach, um eine ausreichende Vitamin-D-Produktion zu ermöglichen. Dazu kommen dunkle, graue Tage voller Wolken – der Vitamin-D-Spiegel sinkt.

Frühling: Zeit, den Vitamin-D-Speicher aufzufüllen

Die gute Nachricht: Mit dem Frühling verbessert sich die Lage spürbar. Wenn die Tage wieder länger werden, steigt die Sonne höher am Himmel und erreicht uns mit intensiveren UV-B-Strahlen. Jetzt reichen schon zwei bis drei Aufenthalte pro Woche in der Sonne, jeweils 15 bis 30 Minuten, um die Vitamin-D-Produktion anzukurbeln. Wichtig und gleichzeitig etwas skurril dabei: Gesicht, Hände und Arme sollten frei und ohne Sonnencreme sein. Die Sonnencreme ist zwar wichtig zum Schutz vor Hautschäden, blockiert jedoch die UV-B-Strahlen, die unser Körper zur Vitamin-D-Synthese benötigt.

Sonnenstunden in Deutschland

Im April 2025 zeigte sich die Sonne richtig spendabel: Mit satten 240 Sonnenstunden lag sie deutlich über dem langjährigen Schnitt von gerade mal 111 Stunden.
Im April 2025 zeigte sich die Sonne richtig spendabel: Mit satten 240 Sonnenstunden lag sie deutlich über dem langjährigen Schnitt von gerade mal 111 Stunden.

Maßvoll Sonne tanken

Trotz allem Vitamin-D-Hunger, kein Mensch muss stundenlang in der Sonne liegen, um ausreichend Vitamin D zu produzieren. Ganz im Gegenteil: Zu viel Sonnenlicht birgt wiederum Risiken für Hautkrebs und vorzeitige Hautalterung. Die goldene Mitte ist entscheidend – kurze, regelmäßige Aufenthalte im Freien bringen bereits das notwendige Vitamin D in den Körper.

Der Trick mit dem Schatten

Damit die Sonne ausreichend Kraft hat, um unsere Vitamin D-Produktion anzukurbeln, muss sie 42 Grad über dem Horizont stehen. Wie findet man das denn raus? Paul Heger verrät es uns im Video.

Symptome bei Vitamin-D-Mangel

Ein erster Hinweis auf Vitamin-D-Mangel kann eine anhaltende Müdigkeit sein, oft begleitet von einer unerklärlichen Antriebslosigkeit. Zudem leiden viele Betroffene unter häufiger schlechter Stimmung bis hin zu depressiven Verstimmungen, besonders in der dunklen Jahreszeit. Das hat auch damit zu tun, dass Vitamin D eng mit der Produktion von Serotonin verknüpft ist, einem wichtigen Botenstoff für das seelische Gleichgewicht.

Ein Mangel an Vitamin D kann außerdem folgende Beschwerden verursachen:

  • Schwächung des Immunsystems: Die Anfälligkeit für Infekte steigt. Man ist häufiger erkältet oder fühlt sich oft angeschlagen.
  • Muskel- und Gelenkschmerzen: Der Körper reagiert mit diffusen Beschwerden, oft in Form von Rücken- oder Knochenschmerzen.
  • Osteoporose oder Knochenerweichung: Langfristig führt Vitamin-D-Mangel zu einer schlechteren Kalziumaufnahme, was die Knochen schwächt und das Risiko von Knochenbrüchen erhöht.
  • Haarausfall: Ein plötzlich auftretender, starker Haarausfall kann ebenfalls ein Anzeichen sein.

Studien zeigen, dass das Risiko für ernste Krankheiten steigt – zum Beispiel für Herzprobleme, Diabetes oder Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose. Eine bekannte Studie aus den USA, die Framingham-Herzstudie, hat sogar festgestellt: Wer wenig Vitamin D im Blut hat, hat doppelt so oft einen Herzinfarkt. Auch deutsche Forschende, etwa vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung oder der Goethe-Uni Frankfurt, sehen einen Zusammenhang – Vitamin D hilft offenbar beim Zuckerstoffwechsel und unterstützt das Immunsystem. Kurz gesagt: Ohne genug Sonne läuft der Körper auf Sparflamme.

(avo)