Wohin mit dem Rad?
Reiseziele ohne Ende: Sommerurlaub mit dem Rad in Europa

Immer mehr Länder und Hotels sind bestens auf Urlauber eingestellt, die mit dem Fahrrad kommen. Auch für E-Bikes ist das Laden kein Problem mehr. Das größte Problem ist die Auswahl der Reiseziele, denn die ist riesig. Wir stellen einmal fünf Regionen vor, die etwas abseits des Stroms liegen.
Slowenien
Slowenien ist schon lange kein Geheimtipp mehr, aber es ist eben auch ein so verdammt schönes Land. Alles, was das riesige Frankreich hat, hat Slowenien auf viel kleinerer Fläche auch. Berge, Meer, wunderschöne Städte, Weingegenden, Flüsse, Wälder und endloses Grün. Und: Slowenien hat kaum mehr Einwohner als Hamburg. Es ist also sehr entspannt, dort Fahrrad zu fahren, der Verkehr hält sich in Grenzen und es gibt tolle Nebenstrecken. Mein Favorit: Das Radovna-Tal. Vergesst den Bleder See, der ist touristisch ausgeschlachtet, wenige Kilometer entfernt liegt der Bohinjsko Jezero, das ist mal ein Alpensee. Slowenien bietet enorm viele Möglichkeiten, sich neben den vielbefahrenen Tracks zu bewegen. Und die Menschen sind stets höflich und zurückhaltend. Ein Aufenthalt ins Slowenien ist einfach nur angenehm.
Tschechien
Ähnlich fernab der ausgetretenen Routen liegt Tschechien. Dabei ist das Land so nah und selbst mit dem Zug gut zu erreichen. Das Besondere an Tschechien: Diese wunderschönen Altstädte. Es macht so Spaß, abends in einer tschechischen Stadt anzukommen und auf dem Marktplatz ein fantastisches Bier zu sich zu nehmen. Klar, Prag kennt man, aber es sind die kleineren Städte, die so bezaubernd sind. Und die Natur ist toll und ursprünglich - gerade im Grenzgebiet nach Deutschland. Der tschechische Teil des Elbsandsteingebirges, die Elbe und vor allem die Gegend auf der anderen Seite des Bayerischen Waldes im Böhmerwald mit der jungen Moldau - das ist toll. Ein bisschen Vorsicht müsst ihr walten lassen, die tschechischen Autofahrer sind noch nicht so auf Rad-Touristen eingestellt.
Flandern
Klar, Belgien ist ein Klassiker unter den Rad-Ländern. Aber so ein richtiges Urlaubsland ist es nicht - die meisten fahren dann doch eher in die Niederlande. Dabei ist Flandern top geeignet für Radtouren, denn das Radwegenetz ist schlichtweg sensationell. Immer fernab des doch regen Autoverkehrs von Stadt zu Stadt. Stets entlang von Flüssen und Kanälen, das ist etwas für Radler, die es nicht so sehr mit den Höhenmetern haben. Und dass die flämischen Städte großartig sind, ist ja weithin bekannt. Kultur, Geschichte und eine lebendige Szene, das alles gibt es zuhauf in Gent, Brügge, Mechelen und Antwerpen. Und dazwischen liegen Fahrrad-Autobahnen, wie wir sie in Deutschland kaum finden. Da schmeckt selbst das belgische Bier am Abend gut. An- und Abreise nach Belgien sind auch unkompliziert machbar - warum nicht mal diesen unscheinbaren Nachbarn besuchen?

Dänemark
Apropos nicht so viele Höhenmeter. Unsere nordischen Nachbarn haben auch viele gute Radwege und sind hervorragend auf Radtouristen eingestellt. Die dänischen Städte sind modern und besonders für Kulturinteressierte eine Übernachtung wert. Der größte Gegner ist wahrscheinlich der Wind, aber die Strecken sind absolut vielfältig. Ob auf dem Festland oder den zahlreichen Inseln, neue Radwege führen einen immer wieder ans Wasser. Dänemark ohne Wasser, das funktioniert nicht. Weltberühmt für seine Fahrrad-Infrastruktur ist Kopenhagen, diese Stadt darf bei einer Radtour durch Dänemark nicht fehlen, denn die Erfahrung, dort zu radeln, ist wirklich einzigartig. Habt nur ein bisschen mehr Geld einstecken, das Land ist leider ziemlich teuer.

Spaniens Norden: Pyrenäen und Baskenland
Zum Schluss noch ein etwas exotischerer Tipp: Die Pyrenäen und das Baskenland. Hier kommen nur die ganz fitten ohne Motor durch. Aber es lohnt sich wirklich. In den Pyrenäen gibt es spektakuläre Berge, Geisterdörfer, eine fantastische Natur und viel weniger Menschen auf der spanischen Seite als auf der dichter bevölkerten französischen. Wie die Alpen - nur eben in ursprünglicher Form. Die Täler sind oft nicht von Straßen, Zuglinien und anderer Infrastruktur durchzogen, kein Wunder, dass sich Bären hier wohl fühlen.

Und wer das Ganze mit einer Prise ganz eigener Kultur erleben will, der muss ins Baskenland. Die Traditionen dort haben mit Spanien nichts gemein, es ist eher, als sei man in Irland oder Schottland. Die Natur ist überwältigend, die Mischung aus Meer und Bergen gibt es kaum ein zweites Mal. - dazu die grandiose Kulinarik des baskischen Essens, Pintxos (baskischer Name für Tapas) sei Dank. Legendär ist die Altstadt von San Sebastian. Probiert es einmal aus - die Orga ist natürlich ein wenig komplizierter, weil die Distanz nach Spanien schon groß ist. Aber wer Zeit und Muße hat und ein Auto mit Fahrradträger oder einen Camper, dem sei das Baskenland wärmstens ans Herz gelegt.
(osc)