Verborgenes Puzzle der Erdgeschichte

Unsichtbare Kräfte im Zagros-Becken

von Karim Belbachir

Die Entstehung des Zagros-Beckens im Irak ist ein faszinierendes Beispiel für die gewaltigen geologischen Prozesse, die unter der Erdoberfläche wirken. Durch die komplexe Wechselwirkung von tektonischen Bewegungen und tiefen Erdmassen formte sich über Millionen von Jahren eine außergewöhnlich tiefe Senke. Dahinter stecken unsichtbare Kräfte aus dem Erdinneren.
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Die Entstehung des Zagros-Beckens

Zagros Mountains, the largest mountain range in Iran and Iraq.
Gewaltige Prozesse im Erdinneren formten das Gebirge in der Zagros-Region im Irak und Iran.

Die Erdkruste ist ständig in Bewegung, was über Millionen von Jahren Landschaften formt. Ein Beispiel dafür ist das Zagros-Vorgebirge im Irak, wo das Zusammenspiel von absinkenden und aufsteigenden Erdschichten zu einem riesigen Sedimentbecken führte. Ein besonders auffälliges Merkmal ist die ungewöhnlich starke Absenkung des südöstlichen Teils des Beckens – bis zu vier Kilometer tief.

„Angesichts der relativ geringen Höhe des nordwestlichen Zagros-Gebirges war es überraschend, dass sich in unserem Untersuchungsgebiet so viel Sediment angesammelt hat. Das bedeutet, dass die Absenkung der Erdkruste größer ist, als durch die Last des Zagros-Gebirges verursacht werden könnte“, erklärt Dr. Renas Koshnaw, Erstautor und Postdoktorand in der Abteilung Strukturgeologie und Geothermik der Universität Göttingen.

Die unsichtbare Kraft der Subduktion

Ein entscheidender Faktor in dieser Entwicklung war die Subduktion: Unter dem Zagros-Gebirge zog sich eine Gesteinsplatte unter eine andere, wobei Risse entstanden, die das Gleichgewicht der Kräfte veränderten. Während einige Gebirgsteile anstiegen, sank der südöstliche Teil des Beckens immer weiter ab.

Diese Dynamik wurde auch durch tiefere Erdmassen verstärkt. Koshnaw fügt hinzu: „Diese Platte zieht die Region weiter nach unten und schafft so Platz für weitere Sedimentablagerungen. In Richtung Türkei wird die Senke aber viel flacher, was darauf hindeutet, dass die ozeanische Platte in diesem Bereich abgerissen ist und ihre Zugkraft nachgelassen hat. Der Riss scheint sich von der Türkei in Richtung Irak auszubreiten, ähnlich wie wenn ein Blatt vom Kalender abgerissen wird.“

Ablagerungen als geologische Spuren

Diese geologischen Prozesse lassen sich auch in den Ablagerungen nachverfolgen. Besonders die Fatha-Formation, eine Gesteinsschicht aus dem Miozän (vor etwa 15 Millionen Jahren), zeigt den Beginn dieser Absenkung. Später, im mittleren und späten Miozän, beschleunigte sich dieser Prozess, als neue Gesteinsschichten unter hohem Druck zusammengepresst wurden.

Ähnliche Vorgänge wurden auch in anderen Regionen der Welt beobachtet, etwa in den Alpen oder im Mittelmeerraum. Dort zeigen sich ebenfalls Hinweise darauf, dass tief liegende Gesteinsschichten durch den Einfluss heißer, aufsteigender Materie aus dem Erdinneren in Bewegung gerieten. Diese Erkenntnisse helfen nicht nur, die Geschichte des Zagros-Beckens zu verstehen, sondern auch, Vorhersagen über die Entwicklung anderer geologischer Regionen zu treffen.

(kfb)