Zum Tag der Sonne am 3. Mai: Sonnenaktivität schwächelt - kommt eine 'kleine Eiszeit'?

Wie gefährlich ist ein Sonnensturm?
Wie gefährlich ist ein Sonnensturm? Satelliten und Astronauten sind im All gefährdet 00:41

Die Sonne schwächelt

Energie, Nahrung, Leben - die Sonne ist für die Erde von mehr als zentraler Bedeutung. Zurzeit durchläuft unser Fixstern eine Phase besonders niedriger Aktivität, was bereits Spekulationen über eine bevorstehende 'kleine Eiszeit‘ durch reduzierte Sonneneinstrahlung geweckt hat.

Kommt das Minimum oder nicht? Forscher sind sich nicht sicher

Der Forscher Dan Lubin von der Scripps Institution an der Universität von Kalifornien in San Diego sieht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Sonne im Laufe dieses Jahrhunderts in ein weiteres großes Aktivitätsminimum rutscht. Das Muster der abnehmenden Sonnenaktivität erinnert an die Vorläufer vergangener großer Minima, argumentieren er und manche seiner Kollegen. Allerdings würde eine solche Phase heute kaum zu einer Abkühlung führen, sondern allenfalls die vom Menschen verursachte Klimaerwärmung etwas abbremsen, betont die Scripps Institution. Demnach könnte die globale Durchschnittstemperatur am Boden zunächst um "bis zu einige Zehntel Grad" sinken, würde aber bis zum Ende des Minimums den bei normaler Sonnenaktivität erreichten Wert wieder nahezu einholen.

Ob sich aber ein großes Aktivitätsminimum anbahnt, darüber sind sich die Wissenschaftler nicht klar. "Das nächste große Minimum kommt bestimmt, aber wir können überhaupt nicht vorhersehen, wann", sagt der Sonnenphysiker Sami Solanki, Direktor am Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Die Sonne durchläuft regelmäßig einen etwa elfjährigen Aktivitätszyklus, in dem sich Zeiten hoher Sonnenaktivität mit Phasen geringer Aktivität abwechseln.

Prognosen sind nicht machbar

Satellitenaufnahme des Planeten Erde.
Der Einfluss der Sonne aufs Klima wird immer kleiner und unbedeutender gegenüber dem des Menschen. © MEV

In ausgedehnten Aktivitätsminima wie dem Maunder-Minimum verharrte die Sonnenaktivität Jahrzehnte auf niedrigem Niveau. "Der aktuelle Sonnenzyklus ist ein sehr schwacher, man muss fast 100 Jahre zurückblicken, um so einen schwachen Zyklus zu finden“, berichtet Solanki. "Danach folgte damals allerdings direkt ein sehr starker Zyklus. Man kann auf dieser Grundlage also keine Prognose machen. Der Einfluss der Sonne aufs Klima wird immer kleiner und unbedeutender gegenüber dem des Menschen", betont Solanki weiter.

Niedrige Sonnenaktivität schont Satelliten und Astronauten

Der frühere Testpilot Hawk (Tommy Lee Jones) fliegt noch einmal in den Orbit, um dort einen veralteten russischen Satelliten zu reparieren.
Niedrige Sonnenaktivität schont Satelliten und Astronauten

Einen Vorteil hat eine niedrige Sonnenaktivität: Sie schont Satelliten und Astronauten im Erdorbit, weil weniger Sonnenstürme vorkommen. Die Sonne sendet einen beständigen Strom elektrisch geladener, subatomarer Teilchen ins All, die als Sonnenwind bezeichnet werden.  Durch Ausbrüche auf der Sonne kann sich dieser Wind zu einem Sturm entwickeln, der nicht nur Satelliten und Astronauten gefährdet, sondern auch Navigation, Flug- und Funkverkehr sowie Stromnetze beeinträchtigen kann.

Maunder-Minimum: Themse und Ostsee zugefroren

Während des sogenannten Maunder-Minimums, einer ausgedehnten Phase niedriger Sonnenaktivität in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, sanken in Europa die Temperaturen, so dass die Londoner, bei denen heutzutage nur ausnahmsweise mal Schnee fällt, im Winter sogar regelmäßig auf der Themse Schlittschuh laufen konnten. Und die schwedische Armee marschierte 1658 zum Feldzug gegen Dänemark einfach über die gefrorene Ostsee.