Wohin mit den ganzen Wassermassen, die nicht mehr in die Kanäle abfließen?

Starkregen in Berlin
Starkregen in Berlin Stadt versinkt in Wassermassen 00:45

VIDEO: Berlin versinkt im Wasser

Autos bleiben liegen, ein Zeltlager wird geräumt und ein Open-Air-Festival wird unterbrochen. Wieder gibt es in ganz Deutschland heftige Gewitter. Abwasserentsorger fordern nun, Städte besser auf Starkregen vorzubereiten. Verständlich! U-Bahn-Stationen sind überschwemmt, Fahrradfahrer, die sich durch die Fluten kämpfen und halbnackte Männer, die am Straßenrand sitzen und das Ganze mit Humor nehmen - das Video zeigt, wie extrem die Situation gestern in unserer Hauptstadt war.

Mehr Grünflächen wie Parks und mehr Grün auf Dächern und Fassaden

Unsere Städte haben wirklich ein starkes Problem: Teils könnten die Wassermassen nicht mehr in die Kanäle abfließen, sie rauschten darüber hinweg, sagte der Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Karsten Specht. Gullys und Kanäle könnten aber nicht überall vergrößert werden. "Unsere Städte sind häufig zu sehr versiegelt", kritisierte er. Es brauche daher mehr Grünflächen wie Parks und mehr Grün auf Dächern und Fassaden. Zu den wichtigsten Strategien gehöre die "sogenannte Schwammstadt", sagte Specht.

Klimawandel: Risiko für extreme Niederschläge steigt

Der VKU sieht Politik und Stadtplaner in der Pflicht: Es brauche lokale Initiativen, bei denen alle Akteure an einem Tisch säßen, Bund und Länder sollten die Kommunen unterstützen, forderte Specht. Er appellierte aber auch an Hausbesitzer: "Durch ungesicherte Kellerfenster und -eingänge oder Tiefgarageneinfahrten kann Wasser auch in Gebäude eindringen und zu Sachschäden führen", sagte er. Dagegen helfe, Häuser "wasserfest" zu machen und Kellerräume zum Beispiel mit Rückstauklappen vor Überflutung zu schützen.

Für den Ausbau der Kanalisation fehle manchmal schlicht der Platz, erklärte Specht. "Bau- und Betriebskosten würden die Abwassergebühren zudem explodieren lassen." Mehr Grün- und Wasserflächen in Städten könnten zugleich die Temperaturen durch Verdunstungskühle senken und erhöhten insgesamt die Lebensqualität.

Heftige Unwetter über Teilen Deutschlands

In Berlin rief die Feuerwehr am Wochenende den Ausnahmezustand aus. Die Retter rückten zu mehr als 200 wetterbedingten Einsätzen aus, wie ein Sprecher der Feuerwehr am Samstag mitteilte. An den Flughäfen Tegel und Schönefeld kam es zu Verzögerungen. Mehrere Autos blieben im teilweise knietiefen Wasser in Berlin-Mitte liegen.

Im niedersächsischen Dinklage wurde am Freitagbend bei Starkregen ein Zeltlager evakuiert. Die rund 120 Kinder seien in einer Schule einquartiert worden, sagte der stellvertretende Stadtbrandmeister. In der Stadt habe es in den Abendstunden 16 wasserbedingte Einsätze gegeben. 

Zum zweiten Mal in zwei Tagen wurde am Freitagnachmittag das Festivalgelände des Wacken Open Air wegen eines Unwetters geräumt. Nach knapp zwei Stunden durften die Fans wieder auf das Gelände, wo die Bühnen und Verkaufsstände stehen.