Wie in einem Science-Fiction-Film

Forschern gelingt Mischwesen aus Mensch und Affe

Forscher
Forscher haben menschliche Stammzellen in Affen-Embryonen eingepflanzt. © picture-alliance / dpa, Frank Rumpenhorst

Wissenschaftler erschaffen Mischwesen

Zwei Jahre ist es her, dass der spanische Wissenschaftler Juan Carlos Izpisua Belmonte berichtet hatte, er habe Mensch-Affen-Embryonen gezüchtet, die sich zum Teil länger als zwei Wochen in Petrischalen entwickelt hätten. Damals wie heute eine kontrovers diskutierte Thematik und auch eine gruselige Vorstellung. Jetzt legte der Spanier mit einem Team aus Wissenschaftlern aus den USA und China mit einer Studie nach, die im Fachmagazin „Cell“ veröffentlicht wurde. Demnach ist es ihnen wirklich gelungen, sogenannte Chimäre zu erschaffen.

Mischen impossible?

Die Forschung zeigt: Mischen ist nicht impossible. Denn genau das hat das Team gemacht. Sie haben zunächst Embryonen von Javaner-Affen angezüchtet und diesen nach wenigen Tagen menschliche Stammzellen eingepflanzt. Dabei handelte es sich um sogenannte erweiterte pluripotente Stammzellen, die sehr wandlungsfähig sind und so jede andere Form menschlicher Zellen entstehen lassen können.

Tatsächlich fügten sich die menschlichen Zellen in die Affenembryonen ein. Dabei entstanden über 130 Mischwesen aus Mensch und Affe. Nach fast 20 Tagen lebten davon noch drei. Ob so ein Mischwesen auch wirklich zur Welt kommen könnte und lebensfähig wäre, bleibt unklar. Da würden zunächst auch ethische Hürden bestehen, die auch bei der aktuellen Forschung eine Rolle spielen.

Mischwesen als Organ-Spender?

Neben ethischen Bedenken spielt aber auch ein mögliches Langzeit-Ziel der Forschung eine Rolle. Schreitet die Wissenschaft auf dem Gebiet weiter voran, könnte es künftig möglich sein, in Tier-Mensch-Chimären menschliche Organe heranwachsen zu lassen, die für schwerkranke Menschen als Transplantate verwendet werden können. Also könnten beispielsweise Schweine Leber und Galle aus menschlichem Gewebe in sich tragen und als Spender dienen.

Allerdings sollen die Mensch-Affen-Chimäre nicht als Organ-Lieferanten dienen, schreiben die Autoren der Studie. Sie sollen vielmehr Fragestellungen klären helfen. Die Forscher verweisen auf eigene frühere Untersuchungen, bei denen menschliche Zellen mit denen von Schweinen vermischt worden waren. Dabei konnten nur wenige menschliche Zellen in das Gewebe der Tiere integriert werden. Bei Mensch und Schwein sei allerdings eine große evolutionäre Distanz. Das ist beim Affen bekanntlich anders.

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Im Video: Der medizinische Nutzen von Chimären

Wäre diese Forschung in Deutschland erlaubt und was spricht ethisch dagegen?

"Die Generierung von Chimären aus zwei verschiedenen Spezies ist natürlich bedenklich, wenn man menschliche Zellen nimmt", erklärt Monika Nowak-Imialek vom Institut für Tiergenetik Neustadt im Interview mit RTL im Rahmen der Berichterstattung zu einem ähnlichen Thema.

In Deutschland möglich wären Nowak-Imialek zufolge künstlich erstellte Stammzellen, die sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen). Für diese müssen – anders als bei embryonalen Stammzellen (ES) – keine menschlichen Embryos zerstört werden, sondern sie werden durch eine Biopsie aus der Haut entnommen und dann mit Genen künstlich zu Stammzellen umgewandelt. Doch die Expertin fordert: "Ich finde alle Versuche, die mit Humanzellen, auch mit iPS zu tun haben, müssten mit einer ethischen Beratung laufen."