Winterwetter 2019/2020: Ein kalter, trockener Winter wäre ein „Worst-Case“-Szenario

Eine junge Frau reibt sich am 05.01.2017 in einer Strasse in Hamburg die Haende, weil ihr kalt ist. (gestellte Szene) Foto: Christin Klose | Verwendung weltweit
Frieren im Winter © picture alliance / dpa Themendie, Christin Klose, RK

Die letzten acht Winter waren alle zu mild – teilweise sogar deutlich zu warm. Und nun werden sogar Erinnerungen wach an den Bibberwinter 2010/2011. Denn das Jahr 2019 weist mittlerweile große Gemeinsamkeiten auf. In beiden Jahren (2010/2019) gab es einen unterkühlten Mai. Darauf folgten drei zu warme Sommermonate und der September könnte in diesem Jahr ebenfalls zu kalt ausfallen, wie es auch 2010 der Fall war. Danach folgte ein Eiswinter und nun stellt sich die Frage, ob wieder so ein kalter Winter droht. Rein von der Statistik wäre dieser schon längst überfällig. Doch sollten wir uns auch über einen kalten Winter freuen? 

Kalte Winter sind nicht immer mit Schnee und Niederschlägen verbunden

Nach dem dieser Sommer wieder deutlich zu trocken ausgefallen ist, muss es der Herbst und der anstehende Winter das Regendefizit wieder ausgleichen. Der letzte Winter 2018/2019 war glücklicherweise ziemlich nass und die Trockenheit des vergangenen Sommers 2018 konnte immerhin ein wenig ausgeglichen werden. Ein kalter Winter ist in der Regel mit wenig Regen verbunden, da Hochdruckgebiete die Regie übernehmen. Hochdruckgebiete sorgen für kaltes und trockenes Wetter. Besonders heftig wird es, wenn das Hochdruckgebiet über Skandinavien sitzt, denn dann strömt trockene Kontinentalluft nach Deutschland. Das „Worst-Case“ Szenario wäre also ein kalter Winter und sollte dann ein weiterer trockener Sommer 2020 folgen, würde es der Flora und Fauna ziemlich schlecht gehen.

Doch welche Faktoren beeinflussen den Winter?

Der Polarwirbel ist einer der wichtigsten Faktoren für unser Winterwetter (was der Polarwirbel genau ist, lesen Sie weiter unten). Wenn der Polarwirbel nicht so stark ausgeprägt ist oder es sogar zu einem Polarsplitt kommt, dann steigen die Chancen für einen knackig kalten Winter. Normalerweise herrscht bei uns eine Westströmung, wodurch mildere Meeresluft die Temperaturen im Winter nach oben treibt. Dazu gesellen sich häufiger Tiefdruckgebiete, die abwechslungsreiches Wetter bringen. Bei einem schwachen Polarwirbel oder einem Polarsplitt können sich Hochdruckgebiete über Mitteleuropa, Skandinavien oder Osteuropa besser festsetzen. Dann kann die Luft in den langen Nächten stark abkühlen oder sogar eisige Luft aus der Arktis zu uns strömen. 

Doch was ist der Polarwirbel genau und wie lässt er sich beeinflussen?

Erwärmung am Pol kann für einen Polar splitt sorgen
Erwärmung am Pol kann für einen Polarsplitt sorgen.

Zunächst einmal besteht der Polarwirbel aus sehr kalter Luft, die sich in einer sehr großen Höhe befindet. In der dunklen Jahreszeit (Winter) nehmen die Temperaturgegensätze zwischen den Polen und wärmerer Luft im Süden zu. Diese Temperaturgegensätze müssen ausgeglichen werden. Es entsteht eine Strömung, die durch die Erdrotation abgelenkt wird. Folglich ist die Ausprägung des Polarwirbels von den Temperaturgegensätzen zwischen Norden und Süden abhängig. 

Fazit: Bekommen wir einen warmen oder kalten Winter?

Die Temperaturverteilung zwischen Süden und Norden wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst. Hierzu gehören Meeresströmungen und deren Anomalien, wie es z.B. bei dem ENSO (El Niño-Southern Oszillation) der Fall ist. Auch die nordatlantische Oszillation (NAO) und die QBO (Quasi-Biennale-Oszillation) haben einen Einfluss auf die Temperaturgegensätze. Viele Einflussfaktoren machen die Prognose schwer. Zwar lassen sich die Faktoren ENSO und QBO tendenziell gut abschätzen, wohingegen eine Prognose für die NAO nur kurzfristig möglich ist. Somit ist eine Winterprognose im hohen Maße unsicher. Nach der Abschätzung aller Parameter deutet sich ein schwacher Polarwirbel an, wodurch Hochdruckgebiete das Zepter in der Hand haben. Damit gäbe es längere kalte Phasen, die ziemlich trocken sind.