Winterspeck: Das Wetter ist schuld

Aha! Wir können nichts dafür, wenn wir im Winter zunehmen. Es liegt nicht an Weihnachtsplätzchen, Gänsebraten und Kartoffelklößen mit Soße  – nein, im weiteren Sinne ist das Wetter schuld. Wie bei so vielen anderen Dingen. Forscher von der University of Alberta in Kanada haben herausgefunden, dass der Lichtmangel in der dunklen Jahreszeit den Fettzellen sehr entgegenkommt. Besonders die Abwesenheit des blauen Anteils des Sonnenlichts.

Blaues Licht lässt Fettzellen schrumpfen

Mit blauem Licht gegen Winterspeck
Mit blauem Licht gegen Winterspeck? Da muss noch ein bisschen geforscht werden. © dpa, Arno Burgi

Die Entdeckung sei ein Zufallsfund, erklärte die Wissenschaftlerin Katarina Ondrusova. Bei den Untersuchungen ging es eigentlich darum, wie Fettzellen mit Hilfe von Lichtbestrahlung Insulin produzieren könnten. Wurden Unterhaut-Fettzellen blauem Licht ausgesetzt, reagierten sie tatsächlich. Aber anders als gedacht. Geladene Teilchen strömten in die Zelle, je heller das Licht, umso stärker der Strom. Mit der Zeit veränderte sich die Form der Fettzellen, ihr Fettgehalt nahm ab.

Man ging der Sache auf den Grund und fand heraus, dass Fettzellen den lichtempfindlichen Farbstoff Melanopsin enthalten. Dieses Pigment in der Netzhaut unserer Augen lässt uns auf den Wechsel von Tag und Nacht reagieren. In den Fettzellen könnte es also auch für die Fetteinlagerung zuständig sein. Der allergrößte Teil des Lichts wird zwar von der Haut "geschluckt", aber auch bei nur 1,5 bis 2 Prozent Durchlass ins Unterhaut-Fettgewebe gilt: Viel Licht lässt die Fettzellen schrumpfen, bei wenig Licht wird vermehrt Fett eingelagert.

Und das ergab früher ja auch Sinn: Um über den harten Winter zu kommen, war eine isolierende Fettschicht nicht unangebracht. Heute schon.

Die Wissenschaftler raten keinesfalls zum Grillen auf der Sonnenbank, um abzunehmen. Sie wollen erstmal weiterforschen.

Quelle: Scientific Reports, 2018; doi: 10.1038/s41598-017-16689-4