Winter-Prognose 2011

Meteorologen unterscheiden zwischen dem meteorologischen bzw. klimatischen und dem kalendarischen Herbstanfang.
© dpa, Z5327 Soeren Stache

Was taugen Langzeit-Prognosen?

Meteorologen und jene Menschen, die ihnen ihre Prognosen allzu gerne glauben wollen, ticken anders – wobei, pardon: ihre Uhren ticken anders. Während sich die Wetterfrösche bereits am 1. September vom Sommer verabschiedet haben, macht Otto Normalverbraucher das erst am 23.09.2011, also ganze 22 Tage später.

Die Erklärung dafür liefert die Unterscheidung zwischen dem meteorologischen bzw. klimatischen und dem kalendarischen Herbst, der seinen Anfang um 11:04 Uhr mitteleuropäischer Zeit findet. Zu diesem Zeitpunkt sind Tag und Nacht überall auf der Erde gleich lang – woraus sich dann konsequenterweise auch die recht einfallsreiche Bezeichnung ableiten lässt: die so genannte September-Tagundnachtgleiche. Dann durchquert die Sonne den Äquator von Norden nach Süden, das heißt, die Sonne geht am Nordpol unter und am Südpol auf.

Die Meteorologen haben vom Herbstanfang ein anderes Verständnis – was rein praktisch begründet ist: Für sie gilt der 31. August seit Beginn der Wetteraufzeichnungen als letzter Tag des Sommers. Da das bereits mehr als 150 Jahre der Fall ist, wären die vorherigen Daten bei einer Umstellung für die Katz'.

Obwohl sich Wettermacher und jene Personen, die von deren Vorhersagen ab und zu im Stich gelassen werden, hier also uneins sind, glauben beide an eine gemeinsame Sache – na klar, dass sich das Wetter mit dem Herbstanfang ändert. Tatsächlich beobachten Meteorologen zunächst ein bestimmtes Muster: Milde und sonnige Tage sowie kalte Nächte bedeuten im Vergleich zum Sommer ein Wetterumschwung, der mit Anfang des Herbstes tatsächlich regelmäßig auftritt.

Der Volksmund spricht hier vom Altweibersommer, der das Ergebnis eines kräftigen Hochs ist, das Ende September und in den ersten Wochen des Oktobers oft über Mitteleuropa liegt. Atlantiktiefs und Tiefdruckgebiete über Osteuropa können mit ihren Frontsystemen kein wechselhaftes Wetter zu uns bringen und so dürfen wir uns dann über eine milde und sonnige Zeit freuen, wenn der Nebel nicht aufkommt.

Obacht: Auf Langzeit-Prognosen ist kein Verlass

So schön, so gut – doch wie wird das Wetter danach? Müssen wir uns schon bald mit heftigen Herbststürmen abfinden, gehen die Temperaturen in den Keller? Um solchen Dingen auf die Spur zu gehen, geben sogenannte Experten pünktlich zum Herbstanfang ihre häufig zitierten Langzeit-Prognosen ab – eine unbefriedigende Antwort auf oft gestellte Fragen, die die Meteorologie schlichtweg nicht beantworten können. Von "dem Wetter" zu reden, ist genau genommen fahrlässig.

Eine Temperaturverlaufs-Kurve für einen Monat zeichnet lediglich Wahrscheinlichkeiten ab. Bei einer Prognose handelt es sich deshalb um eine mögliche Abweichung von Mittelwerten. Sofern Prognosen über mehrere Monate behaupten, dass uns bis Ende des Jahres ein ausschließlich kühler und stürmischer Herbst oder gar ein kalter und weißer Winter erwartet, wäre das also vermessen – schließlich ist es schon nahezu unmöglich, bei Prognosen für die nächsten zehn Tage komplett richtig zu liegen.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass sich die Meteorologie ständig bemüht, ihre mittel- und langfristigen Vorhersagen zu verbessern. So geben beispielsweise Ensemble-Prognosen neben Vorhersagewerten auch die Wahrscheinlichkeit an, mit der diese Prognosen eintreffen. Die Mitarbeiter des Europäischen Zentrums für Wettervorhersage rechnen dazu verschiedene Anfangsbedingungen 50 Mal durch, um so das Mittel der einzelnen Temperaturverläufe darstellen zu können – Prognosen werden so zwar wahrscheinlicher, bleiben aber Annahmen.

Glaubt man der mittelfristigen Prognose für die kommenden 28 Tage, hält der November übrigens keine klimatische Überraschungen parat:

Statistiken hin, Wetteraufzeichnungen her – letzten Endes entscheiden zahlreiche klimatische Faktoren, ob ein Meteorologe mit seinen Prognosen richtig oder falsch liegt. Oder wie es der deutsche Kabarettist Lothar Bölck schon so treffend und gleichsam komisch formulierte: "Der Meteorologe berichtet das Wetter, das Wetter berichtigt den Meteorologen."