Spannung ohne Ende

Winter-Hammer in Deutschland? Was Polarwirbel, Modelle und Klimawandel sagen

von Paul Heger und Björn Alexander

Mit dem Dezember beginnt am Donnerstag meteorologisch der Winter. Und tatsächlich: Frost und wohl auch Schnee scheinen pünktlich zu kommen – zumindest regional. Blicken wir etwas weiter auf den gesamten Winter, könnte es kaum spannender sein. Uns könnte einer der kältesten Winter seit langem bevorstehen. Wir blicken auf die Lage in den Wettermodellen, auf den Polarwirbel und den überraschenden Einfluss des Klimawandels.

Ausgangslage: Schnee und Frost wandern in Richtung Deutschland

Schneehöhe am Dienstag, 29. November 2022
In fast ganz Nord- und Osteuropa hat sich der Winter bereits festgesetzt. Eine 5 cm (weiß) bis teils 30 cm (blau) Schneedecke hat sich ausgebreitet.

In den letzten Wochen war der Winter in Europa auf einem Siegeszug. Sowohl Osteuropa als auch Nordeuropa sind in weiten Teilen mit einer Schneedecke überzogen. Die letzten Tage brachten hier schon Höchstwerte von rund minus 20 Grad. Dreht unser Wind auf Nord oder Ost, wird es sehr frisch bis übel kalt.

Ein Blick auf die Wettermodelle zeigt nun genau diese Winddrehung auf Ost. In den kommenden ein bis zwei Wochen wird es damit von Osten her immer kühler und teilweise soll auch Schnee zu uns kommen. Je nach Modell könnte es bis in die westlichen Niederungen weiß werden. Schon am Freitag geht es im Osten los und zum 2. Advent steigt dann langsam die Schneewahrscheinlichkeit im Westen.

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Polarwirbel strauchelt: Kommt der arktische Winter-Kick?

In den letzten Tagen hatte der Polarwirbel bereits Auflösungserscheinungen, stabilisierte sich aber wieder. Der nördliche Polarwirbel ist ein großes Windband über dem Nordpol, welches die arktische Kälte gefangen hält. Wird dieser Luftwirbel instabil, kann die Eisluft nach Süden strömen. Ein solcher „Arctic Outbreak“ könnte Deutschland komplett einfrieren lassen.

Tatsächlich läuft der Polarwirbel auch in den Berechnungen für die kommenden Tage nicht rund. Ein Zusammenbruch ist damit nicht unwahrscheinlich. Blickt man auf die experimentellen Langfristmodelle, gibt es sogar mehrere ganz gewaltige Kaltlufteinbrüche.

Kältester Winter seit mindestens 10 Jahren möglich

Touristen fotografieren sich am Samstag (09.01.2010) in Köln mit Dom und Schneemann. In Nordrhein-Westfalen ist das befürchtete Schneechaos durch das Sturmtief «Daisy» am Samstag weitgehend ausgeblieben. Zwar verwandelten Verwehungen und Glätte viele
Schnee in Köln? Der kommende Winter könnte Erinnerungen an 2010 wach werden lassen. Damals gab es selbst im grün-grauen Rheinland weiße Weihnachten. (Archivbild: 09.01.2010)

Es klingt etwas unwirklich in Zeiten des Klimawandels und käme aufgrund der Energiekrise äußerst ungelegen, aber die Langfristmodelle korrigieren ihre Temperaturberechnungen immer mehr nach unten. Unser wetter.de-Meteorologe Björn Alexander kommt zum Schluss: „Da ist richtig was im Busch. Das könnte der kälteste Winter seit mindestens 10 Jahren werden!“

Woher er diese These nimmt? Sowohl im Dezember als auch im Januar und Februar sehen manche Berechnungen schon seit längerem mehrere massive Kaltlufteinbrüche. „Eventuell sind da sogar große Schneemengen möglich, besonders im Februar legen das diese Berechnungen nahe.“, so Alexander.

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Klimawandel begünstigt Arktis-Schnee in Deutschland

Apropos Schnee: Dieses Thema interessiert natürlich besonders im Bezug auf weiße Weihnachten. Wir blicken an dieser Stelle aber mal über den Tellerrand. Aktuell unterstreichen neue Studien die Vermutung, dass ausgerechnet der Klimawandel für mehr Schnee sorgen könnte.

Aufgrund der geringen Eisbedeckung des arktischen Polarmeers, verdampft mehr Wasser. Die größere Feuchtigkeit könne dann auch mehr Schnee produzieren. Andere Studien zeigen zudem, dass die wärmere Arktis ganze Wettersysteme kippen lassen könnten. Keine dauerhafte Westwetterlage mit milder Luft vom Atlantik. Damit wären bei uns mehr kalte Ostströmungen möglich. Mischen sich dann noch Tiefs mit ein, wären große Schneemengen vorprogrammiert.

Fazit: Der ständig wiederkehrende milde Klimawandel-Winter ist ein Mythos. Es steckt mehr Spannung in den kommenden Wochen und Monaten als manche vermuten.

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Motor des Winters - so entwickelt sich der Polarwirbel

In der Vorhersage wird die Temperatur in einigen Kilometern Höhe dargestellt. Je gleichförmiger die blauen, also kalten Bereiche zusammenhängen, umso stärker ist der Polarwirbel. Werden hingegen große Lücken und mildere Einschübe in Richtung Nordpol berechnet, dann ist der Wirbel instabiler. Bei einem Polarwirbel-Split teilen sich die blauen Flächen in zwei Teile auf.

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(phe,bal)