"Nachtijal, ick hör dir trappsen"

Winter ist nur eine Frage der Zeit - Schnee schon nächste Woche?

von Björn Alexander und Paul Heger

Die Computertrends lassen definitiv hellhörig werden. Kommt die Winterluft mit aller Macht schon Anfang Dezember nach Deutschland? Möglich ist es – und wahrscheinlich sogar ebenfalls.

Oben im Video: Wann bleibt der erste Schnee normalerweise liegen?

Spannende Wettermodelle

Der Blick auf die sogenannten Ensemble-Vorhersagen lässt durchaus Verwunderung zurück. Beispielsweise bei den Berechnungen für Berlin fällt unserem Meteorologen vom Dienst gleich mal ein Satz aus dem Gesicht, der zeigt, wo Heger viel Zeit seines Lebens verbracht hat: „Nachtijal, ick hör dir trappsen.”
Gerade hat der Osten Deutschlands den ersten richtigen Wintervorstoß hinter sich, da scheint es die Kälte erneut wissen zu wollen. Zumindest wenn es so kommt, wie es ein Teil der Wettercomputer momentan andeuten.

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Prognosen mit eiskalten Lösungen

Die Wettercomputer berechnen mehrmals täglich, wie es weitergeht. Dabei hat ein Teil der Berechnungen im Fokus, welche Ungenauigkeiten es gibt und in welcher Spannweite wir uns beispielsweise bei den Temperaturen bewegen. Und insbesondere bei diesen Trends des Amerikanischen Wettermodells (GFS) liegen die meisten der Temperaturkurven unter dem jahreszeitlichen Durchschnitt – teilweise sogar mit bis zu 10 Grad und mehr. Mäßiger Dauerfrost und eiskalte Nächte wären die Folge. Eine sehr auffällige und ebenso bitterkalte Verteilung, bei der es selbst den Freunden von Eis und Schnee kalt den Rücken runter laufen könnte.

Ist eine solche Einwinterung überhaupt plausibel?

Für Heger ist „der Winterbruch im ersten Dezemberdrittel fast nur eine Frage der Zeit”. Denn die Ausgangslage gibt es einfach mal her: Winterliche Luft erreicht uns entweder aus Norden oder Osten. Und wenn diese Luft richtig kalt sein soll, muss dort am besten Schnee liegen - so wie es jetzt der Fall ist. In klaren Nächten rutschen die Temperaturen dann schnell mal unter -20 Grad. Dreht der Wind bei uns auf entsprechende Richtungen, geht es auch bei uns in den Dauerfrostbereich und Schnee ist möglich.”

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Polarwirbel unentschlossen, Jetstream schwächelt

Gleichzeitig formiert sich über Skandinavien und Russland ein massives und eisgekühltes Winterhoch. Das könnte uns – wenn es sich mit seinem Zentrum weiter nach Nordeuropa verlagert – erneut Winterluft aus Ost bis Nordost nach Deutschland schicken. Parallel dürfte am Rande des eher noch unentschlossenen Polarwirbels und mit einem schwächelnden Jetstream die Westwinddrift in unseren Breiten komplett zum Erliegen kommen. Eine Entwicklung mit bitterkaltem Potenzial.

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Extreme Winterschelle im Modellgeflüster

Weiter im Dezember sorgt das amerikanische GFS-Modell derzeit für einen ziemlichen Paukenschlag am Winterfirmament. Demnach soll sich der hohe Druck im Laufe des ersten Monatsdrittels immer weiter auf den Atlantik konzentrieren. Wenn es so kommt, dann öffnet das eine massive Kaltluftrutsche aus dem hohen Norden bis herunter nach Deutschland. Gleichzeitig wäre demnach ein massives Tief über Skandinavien im Anflug. Und weil eben der Norden Europas schon ordentlich eingewintert ist, wäre keine Erwärmung der Kaltluft zu erwarten – ganz im Gegenteil.

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​​​​​​​Fazit: Winter mit Chancen

Abseits der Plausibilität der Entwicklung bleibt natürlich noch die Frage, ob ein baldiges Winterszenario in ganz Deutschland eine Einzelmeinung ist. Alles in allem eher nicht. Auch andere namhafte Wettermodelle – wie das Europäische – spielen mit dem Gedanken eines weiteren Wintereinbruchs. Unterm Strich liegt die Wahrscheinlichkeit für winterliches Wetter im ersten Dezemberdrittel gegenüber den milden Varianten bei etwa 70 zu 30 Prozent. Ob tatsächlich die Schneebombe à la GFS, platzt bleibt allerdings abzuwarten.

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Meteorologe Paul Heger ist nun für RTL am Start
RTL- und wetter.de-Meteorologe Paul Heger

Was ist der Polarwirbel?

Der Polarwirbel entsteht auf der Nordhalbkugel normalerweise im Spätherbst und in den Wintermonaten. Dann sind die Temperaturunterschiede zwischen der Polregion und den südlichen Breiten besonders groß. Ist der Wirbel stark ausgeprägt, dann ist die Witterung bei uns in Deutschland oft durch westliche bis südwestliche und dementsprechend milde Winde bestimmt. Ist er hingegen instabil oder gestört, so werden Wintervorstöße aus Norden und Osten bei uns wesentlich wahrscheinlicher.

Motor des Winters in der Vorhersage

In der Vorhersage wird die Temperatur in einigen Kilometern Höhe dargestellt. Je gleichförmiger die blauen, also kalten Bereiche zusammenhängen, umso stärker ist der Polarwirbel. Werden hingegen große Lücken und mildere Einschübe in Richtung Nordpol berechnet, dann ist der Wirbel instabiler. Bei einem Polarwirbel-Split teilen sich die blauen Flächen in zwei Teile auf.

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(bal, phe)