Winter 2016/2017: Bereits 145 Kältetote in Ungarn

145 Kältetote in diesem Winter in Ungarn
Obdachloser mit Hund in Budapest. © picture-alliance / dpa, epa Kisbenedek, bs/sv

Infolge des kalten Winters sind in Ungarn seit Mitte Oktober bereits 145 Menschen erfroren. Das berichtete die Tageszeitung 'Magyar Nemzet' unter Berufung auf das Ungarische Sozial-Forum (MSZF), ein Netzwerk unabhängiger Hilfsorganisationen.

Besonders tragisch: Elfjähriger erfiert im eigenen Bett

Bei vielen der Opfer handele es sich um Menschen, die in Armut lebten und in ihren ungeheizten Wohnungen erfroren seien, heißt es in dem Bericht. Als besonders tragisch gilt der Kältetod eines elfjährigen, zuckerkranken Kindes. Es erfror im eigenen Bett in Szekesfehervar, 70 Kilometer südwestlich von Budapest. Die Polizei ermittelt in diesem Fall.

Das Sozial-Forum kritisiert, dass die rechts-konservative Regierung das Problem der Kältetoten ignoriere und sich nicht um die Armen im Land kümmere. Der Staatssekretär im Sozialministerium, Karoly Czibere, wies das zurück. Es sei oft nicht klar, ob jemand an Unterkühlung oder einer Erkrankung gestorben sei. Die Regierung habe nun eine Arbeitsgruppe unter Einbeziehung von Notärzten und Polizisten gebildet.

Auch in Deutschland Hunderte Kältetote in den vergangenen Jahren

Hunderte Kältetote in den vergangenen Jahren
Obdachloser in Deutschland unter einer Brücke. © picture alliance / Friso Gentsch, Friso Gentsch, frg jol

Auch in Deutschland sind einer Schätzung zufolge Hunderte Obdachlose unter Brücken, in Hauseingängen oder in Unterständen in den vergangenen Jahren an Unterkühlung gestorben. Darauf wies die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann Ende Januar hin. "Es ist unendlich traurig und ein Skandal, dass Menschen in Deutschland erfrieren.", so die Abgeordnete.

Seit 1991 seien mindestens 289 wohnungslose Menschen in Deutschland an Unterkühlung gestorben, teilte Zimmermann unter Berufung auf die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe mit.  Die Bundesarbeitsgemeinschaft erläuterte: "Sie erfroren im Freien, unter Brücken, auf Parkbänken, in Hauseingängen, in Abrisshäusern, in scheinbar sicheren Gartenlauben und in sonstigen Unterständen."

Die Zahl der Toten ist nach Angaben der Organisation eine Schätzung aufgrund verschiedener Quellen, unter anderem von Medienberichten. Zimmermann warf der Bundesregierung vor, sich nicht um das Problem zu kümmern.