Der aktuelle Stand

Wie viele Corona-Mutationen gibt es? Und was wissen wir?

Neue Variante in Ohio aufgetaucht

Welche Mutationen sind bisher bekannt?

US-Forscher haben eigenen Angaben zufolge in den USA eine neue Virus-Variante bei einem Patienten in Ohio entdeckt. Diese habe eine identische Mutation zu der aus Großbritannien bekannten, ansteckenderen Version. Vermutlich habe sie sich jedoch aus einer bereits in den USA bekannten Variante heraus entwickelt, geben die Wissenschaftler des „Wexner Medical Center“ der Ohio State University bekannt. Wie verbreitet sie in der Bevölkerung ist, sei damit noch unbekannt.

Nach der Variante B1.1.7 in Großbritannien ist in Südafrika die Mutation B.1.351 des Coronavirus aufgetreten. Eine weitere nicht bekannte Virusmutation wurde in Japan nachgewiesen. Laut der japanischen Gesundheitsbehörde, ist sie aber nicht mit den Erregern aus Großbritannien und Südafrika identisch.

Eine Frau, die am 20. Dezember aus Großbritannien nach Baden-Württemberg eingereist ist, hatte sich mit dem mutierten Erreger infiziert. Der Erreger aus Südafrika sei bei einer Familie entdeckt worden, die am 13. Dezember 2020 aus Südafrika ebenfalls nach Baden-Württemberg eingereist war. Kurz danach gab die Stadt Bottrop bekannt, dass ein ebenfalls aus Südafrika eingereister Mann sich mit der Mutation angesteckt hatte.

Nachgewiesen worden war die Mutation in Japan bei vier aus Brasilien nach Japan eingereisten Menschen.

Wie überraschend ist es, dass Mutationen auftreten?

Dass sich das Erbgut von Viren verändert, ist seit langem bekannt. Manche Viren verändern sich dabei schneller als andere. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis auch das Coronavirus mutiert, erklärt Dr. Specht: "Das war absolut zu erwarten und es ist nichts Ungewöhnliches, dass Viren mutieren. Denn nur wenn sich das Virus bei der Übertragung an seinen Wirt – also an uns Menschen – anpassen kann, kann es sich erfolgreich verbreiten."

Was bedeutet eine Mutation?

„Bei einer Mutation ändert sich die Erbsequenz. Das ist ganz normal. SARS hat etwa 30.000 Bausteine und wenn man eine Mutation hat, dann ändern sich einzelne Bausteine. Das heißt aber nicht unbedingt, dass sich die Eigenschaft des Virus ändert.“ so Prof. Adam Grundhoff vom Heinrich-Pette-Institut, Forschungsgruppenleiter Virus-Genomik.

Wie gefährlich sind die Mutationen für uns?

"Das können wir bei der südafrikanischen Corona-Mutation noch gar nicht einschätzen", erklärt Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, im RTL-Interview. "Das ist jetzt das 13. Land neben Südafrika, in dem wir die Mutation nachgewiesen haben. Wir wissen aber aus Südafrika, dass die Verbreitung da fast explosionsartig war und das befürchten wir auch, wenn sich dieser Stamm jetzt in Deutschland oder Mitteleuropa verbreitet." Einen schwereren Krankheitsverlauf soll diese Mutation, laut „European Center for Disease Prevention and Control“, ECDC, nicht verursachen.

Laut britischen Forschern ist die Mutation aus Großbritannien B.1.1.7 um 50 bis 70 Prozent ansteckender als bisherige Formen von COVID-19. Erste Studien zeigen, dass besonders die Jüngeren unter 20 Jahren für die Mutation empfänglich sind und sie schneller verbreiten können. Dies muss jedoch noch mehr untersucht werden. Warum das so ist, liegt am leicht veränderten Erbgut. Im Fall der Mutation aus Großbritannien führt die dazu, dass die Spike-Proteine, also die Spitzen des Virus anders sind, als bei der bisher bekannten Variante. Dadurch kann die britische Version leichter an menschliche Zellen andocken und eindringen - das macht sie offenbar so viel ansteckender.

Wirken die bereits zugelassenen Impfungen auch gegen diese Mutationen?

"Wir wissen jetzt seit wenigen Tagen, dass die Impfungen sowohl beim südafrikanischen als auch beim britischen Stamm gut wirken." so Dr. Zinn.

Derzeit gehen die Forscher nach eigenen Angaben nicht davon aus, dass die Mutation aus Ohio die Wirksamkeit der Impfstoffe beeinträchtigt.

Was bedeutet das für die Entwicklung der Pandemie?

Wissenschaftler sehen ein Risiko in der mutmaßlich höheren Übertragbarkeit der Virusvarianten. Somit könnten die Krankenhausaufenthalte und Todesfälle steigen.

"Die beste Maßnahme gegen Mutation ist Impfung", betont Zinn. "Praktisch den weiteren Viren, den weiteren Infektionen, den Weg abzuschneiden. Und was auch wichtig ist: Die zweite Impf-Dosis zu geben. Denn wenn wir nur die erste Dosis geben, haben wir nur eine Teilimmunität und da werden dann sogenannte Fluchtmutationen daraus entstehen."