Wie sich die Wetterbedingungen auf das Coronavirus auswirken

Hilft der Sommer gegen Covid-19?

Es kursieren viele Ammenmärchen im Netz, was eine Ausbreitung des Coronavirus verhindern könne. Das geht von Wasser trinken oder Knoblauch essen über eine angebliche Ansteckungsgefahr durch Hunde und Katzen. Alle diese Falschmeldungen wurden widerlegt. Wir haben ein paar Fakten zum Einfluss des Wetters auf das Coronavirus zusammengetragen und klären, ob uns der Sommer mit seinen Sonnenstrahlen und warmen Temperaturen gegen das Virus hilft. 

Dr. Specht beantwortet im Video die wichtigsten Fragen zu COVID-19.

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

Überlebenszeiten auf Oberflächen

24.03.2020, Hessen, Wiesbaden: Eine Landtagsmitarbeiterin desinfiziert während der Plenarsitzung des hessischen Landtags die Türklinke am Eingang zum Plenarsaal. Für die 137 Parlamentarier gibt es bei der eintägigen Sitzung strenge Abstandsregeln. Fo
Der Coronavirus kann auf Türklinken mehrere Tage überleben. © dpa, Arne Dedert, ade tba

Das Coronavirus wird durch Tröpfcheninfektion übertragen und kann sich auch über Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe oder Pakete verbreiten. Die meisten Infektionen finden allerdings durch den nießenden Sitznachbarn in Bus und Bahn statt.

  • Infektionsart Nummer 1: Tröpcheninfektion

Nichtsdestotrotz ist wichtig zu wissen, dass das Virus auf verschiedenen Oberflächen eine unterschiedliche Überlebensdauer hat. Es kann einige Tage auf Oberflächen überleben. Einer Studie aus den USA zufolge, die im New England Journal of Medicine erschien, kann das Virus überleben:

  • bis zu drei Tage auf Plastik oder Stahl
  • auf Kupfer nur vier Stunden 
  • in der Luft drei Stunden
  • auf Karton etwa einen Tag

Die Universität Greifswald geht in einer eigenen Studie davon aus, dass das Virus auf Stahl oder Plastik bis zu neun Tage noch infektiös ist. „Kälte und hohe Luftfeuchtigkeit steigern ihre Lebensdauer noch“, sagt Prof. Dr. Günter Kampf vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin. Somit könnte das Wetter eine Rolle spielen bei der Ausbreitung des Coronavirus.

Ansteckungsgefahr im Winter höher

ARCHIV - 06.05.2005, Nordrhein-Westfalen, Gescher: ILLUSTRATION - Eine junge Frau putzt sich mit einem Papiertaschentuch die Nase. Die Nase läuft, der Kopf drückt: Im Herbst droht sie wieder, die Nasennebenhöhlenentzündung. Sinusitis sagt der Fachman
Bei trockener Raumluft bleiben die beim Nießen ausgestoßenen Partikel länger in der Luft. © dpa, Heiko Wolfraum, tm elz soc haa wst

Die Ansteckungsgefahr ist im Winter höher, weil man sich meist mit anderen Menschen innen aufhält. In Räumen herrscht ein geringerer Luftaustausch und damit ist die Virenkonzentration meist höher. Luftfeuchtigkeit und Temperatur sind ein Faktor dafür, wie viele Viren sich in der Raumluft befinden.

Zwar hilft regelmäßiges Lüften die Konzentration zu senken, doch sinkt dadurch gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit. Durch Nießen ausgestoßene Viren bleiben lange in der Luft, da das dabei ausgestoßene Wasser schnell verdunstet. Bei feuchter Luft fallen die beim Nießen in die Luft verstreuten Partikel und damit die Viren schneller nach unten.

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Wärme könnte helfen

 Sonnenuntergang über dem Hochnebel 06.01.2020, Kronberg Hessen: Ausblick vom Altkönig im Taunus, dessen Gipfel aus einem Meer aus Hochnebel herausragt., Kronberg Deutschland *** Sunset above the high fog 06 01 2020, Kronberg Hessen View from the Alt
Bei Wärme werden die Viren schwächer. © imago images/Jan Eifert, Jan Eifert via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Im Sommer hält man sich eher draußen auf. Dort ist die Ansteckungsgefahr geringer.  Für den Virologen Christian Drosten von der Charité in Berlin seien „die Wärme im Sommer, UV-Strahlen und die Tatsache, dass Leute vermehrt draußen sind und sich weniger aneinander infizieren können sind“ helfende Effekte. Auch der VirologeAlexander Kekulé erklärte im Gespräch mit der ARD: „Wenn es warm ist, werden diese Coronaviren normalerweise schwächer, und die Krankheiten schwächen sich ab - das könnte eigentlich unser bester Verbündeter sein.“ 

Außerdem ist unser Körper im Winter angreifbarer. Je kälter es ist, desto schneller kühlen die Schleimhäute aus. Diese sind dadurch schlechter durchblutet und schützt nicht mehr ausreichend. Wärme greift hingegen die Fettschicht des Virus an und schädigt ihn damit.

UV-Strahlung stört das Corona-Virus

Frühblüher bei Sonnenschein, Der Frühling ist da und die Natur erwacht jeden Tag mehr. Bei Schwäbisch Gmünd im Ostalbkreis blühen die Blumen am 18. März und werden von der Sonne angestrahlt. Die Sonnenstrahlen locken bereits seit Wochen Frühblüher au
UV-Strahlung durch die Sonne zerstört die DNA des Coronavirus. © imago images/onw-images, Marius Bulling via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Wenn die Sonne scheint, erhöht sich die UV-Strahlung, die wiederum das Erbgut des Virus schädigt. Ian Lipkin, Direktor von der Columbia University's Center for Infection and Immunity, hat eine Erklärung, warum Experten ihre Hoffnung auf die steigenden Temperaturen in den kommenden Monaten setzen: „UV-Licht baut Nukleinsäure ab. Es sorgt fast dafür, dass Oberflächen sterilisiert werden." Die Nukleinsäuren sind Biomoleküle, die in allen Organismen die genetische Information (DNA) tragen.

Vorsicht ist nun allerdings bei UV-Lampen geboten, da diese als Präventionsmaßnahme nur bedingt helfen. Zwar schädigen sie die DNA des Virus, doch kann die falsche Nutzung auch zu Hautreizungen und Schädigung der Hornhaut des Auges führen. Das kann zu verschwommenem Sehen und brennenden Augenlidern führen.

Kein hundertprozentiger Schutz

Warm und feucht ist also ideal, aber schützt auch nicht hundertprozentig vor dem Virus. Es verringert jedoch offenbar, die Möglichkeit sich anzustecken, wie Dr. Mike Ryan, Exekutivdirektor für Gesundheitsnotfälle der WHO sagt.

Zum Winter gehört die Grippe

Kann das Wetter gegen das Coronavirus wirken?
Kann das Wetter gegen das Coronavirus wirken? © dpa, Kay Nietfeld, nie lop

Bei der Influenza ist es gut belegt: Die Krankheit tritt bei uns gehäuft in den ersten Monaten eines Jahres auf. Man spricht dann von einer Grippewelle. Allerdings erkranken auch im Rest des Jahres Menschen an Influenzaviren - nur eben weniger.

Coronavirus oder Grippe - So erkenne ich den Unterschied

Allerdings ist noch nicht endgültig geklärt, warum Grippeviren sich im Winter wohlfühlen. Es wird vermutet, dass Lufttemperatur, Luftfeuchte, das geschwächte Immunsystem und der vermehrte Aufenthalt in geschlossenen und geheizten Räume wichtige Faktoren sind. Nun hoffen viele, dass der Sommer nicht nur die Grippeviren zurückdrängt, sondern auch das COVID-19-Virus vertreibt.

Wie verbreitet sich das Coronavirus? Drei Szenarien​​

Ist COVID-19 eine saisonale Krankheit?

Das Risiko sich mit COVID-19 anzustecken im März - laut Studie
Das Risiko sich mit COVID-19 anzustecken im März - laut Studie © RTL Interactive, Jingyuan Wang, Ke Tang, Kai Feng and Weifeng Lv

Drei andere Coronaviren (gewissermaßen die Brüder und Schwestern von COVID-19) sind im Sommer deutlich weniger aggressiv als im Winter, ein weiterer Verwandter ist allerdings ganzjährig aktiv. So lauten die Ergebnisse einerStudie aus Edinburgh (Link:). Das lässt hoffen.

Eine aktuelle Studie aus China macht ebenfalls Mut. Ihre Berechnungen zeigen, dass die Ansteckungsgefahr bei uns im Juni deutlich geringer sein könnte (siehe Grafiken).

Das Risiko sich mit COVID-19 anzustecken im Juli - laut Studie
Das Risiko sich mit COVID-19 anzustecken im Juli - laut Studie © RTL Interactive, Credit: Jingyuan Wang, Ke Tang, Kai Feng and Weifeng Lv

Wie geht es mit dem Wetter weiter?

Hoffen wir also, dass die Forscher bald genug Zeit gewinnen, einen Impfstoff zu entwickeln, der gegen COVID-19 hilft. Bevor das Corona-Virus im Herbst wieder bessere Wetterbedingungen für seine Verbreitung bekommt.

Hier geht es zum 7-Tage-Wettertrend

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TVNOW-Doku: Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus

Welche Wege führen aus der Krise? In der TVNOW-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus" erfahren Sie mehr über die Maßnahmen einzelner Länder rund um den Globus gegen Coronaviren.