Sonne und Wärme schlecht für das Virus

Wie sich das Wetter auf das Coronavirus auswirkt

Das Wetter beeinflusst die Überlebensbedingungen für das Coronavirus.
Die Sonne scheint, es ist warm: das sind schlechte Bedingungen für das Coronavirus. © Getty Images, CasarsaGuru

Das Coronavirus in Ab­hängig­keit vom Wetter

Mehrere Studien zeigen, dass das Wetter als ein Faktor von vielen die Überlebensdauer des Coronavirus an einem Ort beeinflussen kann. So ist es auch bei anderen Viren der Fall. Zu den Einflussfaktoren zählen Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Windgeschwindigkeit und die UV-Strahlung. Aber auch unser Verhalten in der warmen Jahreszeit trägt dazu bei, dass sich das Virus nicht so gut ausbreiten kann. Richtung Frühling und Sommer macht es das Wetter – hierzulande jedenfalls – dem Coronavirus das Überleben schwer.

Sonne und Wärme helfen uns

Die eisige Kälte liegt hinter uns, warmes und sonniges Wetter wird immer häufiger auftreten. Im vergangenen Jahr fielen mit der warmen Jahreszeit die COVID-19-Infektionszahlen, Lockerungen der Corona-Beschränkungen waren möglich. Wärme und Sonnenschein helfen dabei, dass das Coronavirus schneller zerfällt als an Tagen bei Kälte und Schnee.

Hier geht es zum aktuellen Wetterbericht.

Schlechtes Wetter - Virus hält länger durch (Beispiel Freitag)

Corona-Zerfallszeiten am Freitag
So sehen die Corona-Zerfallszeiten am Freitagnachmittag aus. © RTL, wetter.de

Keine Handlungsempfehlung!

Achtung: Bei der Verhinderung einer Ansteckung hilft der Zerfallsindex nicht und er soll und kann ausdrücklich nicht als Handlungsempfehlung verstanden werden.

Corona-Infektion durch Tröpfchen und Aerosole

Der Hauptübertragungsweg für SARS-CoV-2 geht über die Atmung. Die Coronaviren werden von infizierten Menschen über unterschiedlich-kleine Tröpfchen und Aerosole beim Husten, Sprechen, Singen, Niesen und Ausatmen auf direktem Wege auf andere übertragen oder über die Luft abgegeben und anschließend eingeatmet.

Tröpfchen sind relativ groß, sinken schnell zu Boden und können dann nicht mehr eingeatmet werden. Um ihnen vorher auszuweichen, ist Abstandhalten so wichtig. Aerosole sind relativ klein und können über Stunden und größere Entfernungen in der Luft gehalten werden. Da nützt dann auch der Mindestabstand von 1,5 Metern nichts.

Ob und wie schnell die Tröpfchen und Aerosole absinken oder in der Luft schweben bleiben, ist neben der Größe der Partikel von einer Vielzahl weiterer Faktoren, u. a. eben der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit, abhängig.

Der Zer­fall des Corona­virus in Ab­hängig­keit vom Wetter

In unserem Radar sehen Sie den er­rechnet­en Zerfall des Corona­virus an der frischen Luft in Ab­hängig­keit von der Temp­eratur, der relativen Luft­feucht­igkeit und der Sonnen­ein­strahlung.

Wärme hilft im Kampf gegen das Coronavirus

Im Sommer hält man sich eher draußen auf. Dort ist die Ansteckungsgefahr geringer. Für den Virologen Christian Drosten von der Charité in Berlin seien „die Wärme im Sommer, UV-Strahlen und die Tatsache, dass Leute vermehrt draußen sind und sich weniger aneinander infizieren können“ helfende Effekte. Auch der Virologe Alexander Kekulé erklärte: „Wenn es warm ist, werden diese Coronaviren normalerweise schwächer, und die Krankheiten schwächen sich ab – das könnte eigentlich unser bester Verbündeter sein.“

Das Wetter hilft im Sommer bei der Eindämmung von COVID-19.
Wärme und Sonne helfen zwar bei der Eindämmung des Coronavirus, aber Abstand halten noch mehr. © dpa, Miguel Moya, vco

UV-Strahlung stört das Coronavirus

Wenn die Sonne scheint, erhöht sich die UV-Strahlung, die wiederum das Erbgut des Virus schädigt. Ian Lipkin, Direktor von der Columbia University's Center for Infection and Immunity, hat eine Erklärung, warum Experten ihre Hoffnung auf die steigenden Temperaturen in den kommenden Monaten setzen: „UV-Licht baut Nukleinsäure ab. Es sorgt fast dafür, dass Oberflächen sterilisiert werden." Die Nukleinsäuren sind Biomoleküle, die in allen Organismen die genetische Information (DNA) tragen.

Vorsicht ist nun allerdings bei UV-Lampen geboten, da diese als Präventionsmaßnahme nur bedingt helfen. Zwar schädigen sie die DNA des Virus, doch kann die falsche Nutzung auch zu Hautreizungen und Schädigung der Hornhaut des Auges führen. Das kann zu verschwommenem Sehen und brennenden Augenlidern führen.

UV-Strahlung ist für das Coronavirus schädlich.
UV-Strahlung durch die Sonne zerstört die DNA des Coronavirus. © imago images/onw-images, Marius Bulling via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Das Coronavirus und die Luftfeuchtigkeit

Die Ausbreitung des Coronavirus wird nach Angaben eines Forscherteams aus Leipzig und Indien auch von der Luftfeuchtigkeit beeinflusst. „Liegt die relative Luftfeuchtigkeit der Raumluft unter 40 Prozent, dann nehmen die von Infizierten ausgestoßenen Partikel weniger Wasser auf, bleiben leichter, fliegen weiter durch den Raum und werden eher von Gesunden eingeatmet“, erläuterte Dr. Ajit Ahlawat vom Institut für Troposphärenforschung (Tropos) in Leipzig. Eine relative Feuchte von 40 bis 60 Prozent könne die Ausbreitung der Viren und deren Aufnahme über die Nasenschleimhaut reduzieren.

 Mundschutzmaske auf Schülertisch, Präsenzunterricht, Corona-Krise, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland Coronavirus *** Face mask on students desk, classroom teaching, Corona crisis, Stuttgart, Baden Württemberg, Germany Coronavirus
Gerade für Schulen schlecht: Trockene Raumluft ist für das Coronavirus und dessen Ausbreitung günstig. © imago images/Michael Weber, Michael Weber IMAGEPOWER via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Ansteckungsgefahr im Winter höher

Die Ansteckungsgefahr ist im Winter höher, weil man sich meist mit anderen Menschen innen aufhält. In Räumen herrscht ein geringerer Luftaustausch und damit ist die Virenkonzentration meist höher. Luftfeuchtigkeit und Temperatur sind ein Faktor dafür, wie viele Viren sich in der Raumluft befinden.

Zwar hilft regelmäßiges Lüften die Konzentration zu senken, doch sinkt dadurch gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit. Durch Niesen ausgestoßene Viren bleiben lange in der Luft, da das dabei ausgestoßene Wasser schnell verdunstet. Bei feuchter Luft fallen die beim Niesen in die Luft verstreuten Partikel und damit die Viren schneller nach unten.

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​​Außerdem ist unser Körper im Winter angreifbarer. Je kälter es ist, desto schneller kühlen die Schleimhäute aus. Diese sind dadurch schlechter durchblutet und schützen nicht mehr ausreichend. Wärme greift hingegen die Fettschicht des Virus’ an und schädigt ihn damit.

Zum Winter gehört die Grippe

Bei der Influenza ist es gut belegt: Die Krankheit tritt bei uns gehäuft in den ersten Monaten eines Jahres auf. Man spricht dann von einer Grippewelle. Allerdings erkranken auch im Rest des Jahres Menschen an Influenzaviren – nur eben weniger. Durch den Lockdown fiel die große Grippewelle 2021 bisher allerdings aus.

Coronavirus oder Grippe - So erkenne ich den Unterschied

Allerdings ist noch nicht endgültig geklärt, warum Grippeviren sich im Winter wohlfühlen. Es wird vermutet, dass Lufttemperatur, Luftfeuchte, das geschwächte Immunsystem und der vermehrte Aufenthalt in geschlossenen und geheizten Räume wichtige Faktoren sind. Nun hoffen viele, dass der Sommer nicht nur die Grippeviren zurückdrängt, sondern auch das COVID-19-Virus vertreibt.​

Der Corona Zerfallsindex von wetter.de: So lange beeinflusst das Wetter COVID-19

Kein hundertprozentiger Schutz

Warm, sonnig und feucht ist also ideal, aber schützt natürlich nicht hundertprozentig vor dem Virus. Diese Wetterbedingungen verringern jedoch offenbar wenigstens die Möglichkeit, sich anzustecken.

Wie geht es mit dem Wetter weiter?

TVNOW-Doku: Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus

Welche Wege führen aus der Krise? In der TVNOW-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus" erfahren Sie mehr über die Maßnahmen einzelner Länder rund um den Globus gegen Coronaviren.