Wie schlimm wird das Hochwasser noch?

Wie schlimm wird das Hochwasser noch?
© dpa, Thomas Frey

Mosel-Städtchen Zell bereits geflutet

Das Tauwetter fordert seinen Tribut: Schmelzende Schneemassen und Regen lassen bundesweit die Flüsse weiter anschwellen. Einige Mosel-Orte sind bereits überschwemmt, die bekannten Weinstädte Cochem und Zell. Und die Lage wird dramatischer.

"Die Stadt ist geflutet", sagte ein Polizeisprecher in Zell. Die Feuerwehr habe einen Bootsverkehr eingerichtet. Nach Einschätzung von Wehrleiter Markus Morsch standen etwa 60 Prozent der Altstadt unter Wasser, stellenweise bis zu einer Höhe von 1,80 Metern. In Cochem stand die erste Gebäudereihe am Fluss, in der sich viele Lokale und Souvenir-Läden befinden, unter Wasser. Und die Pegelstände sollten weiter steigen. Für Trier erwartete das Hochwassermeldezentrum einen Anstieg auf 9,15 bis 9,25 Meter. Die kritische Marke liegt bei 9 Metern.

Auch in Koblenz, wo die Mosel am Deutschen Eck in den Rhein fließt, bleibt die Lage angespannt. In Köln verschärfte sich die Hochwasserlage, Hubtore wurden hochgefahren, mobile Schutzwände aufgebaut. Der Höchststand werde Montag oder Dienstag erwartet.

Lage auch im Osten kritisch

Vielfach weichte das Erdreich auf. Bei Ratingen nahe Düsseldorf rutschte ein Hang auf eine Landstraße. Um weitere Abbrüche zu verhindern, sprengte das Technische Hilfswerk (THW) Teile der Böschung.

Die Polizei im bayerischen Bamberg musste überschwemmte Straßen sperren, unter anderem die Autobahn 73 von Bamberg Richtung Suhl. Die Pegelstände in Mittelfranken erreichten stellenweise die höchste Warnstufe 4.

Kritisch ist die Situation auch im Osten: In Brandenburg schwollen fast alle Flüsse stark an. Am bedrohlichsten blieb die Lage an der Oder. Vier Eisbrecher - drei deutsche und ein polnischer - schoben sich flussaufwärts durch das bis zu zweieinhalb Meter tief gefrorene Wasser, um den Abfluss der Wassermassen Richtung Ostsee zu erleichtern. Doch auch in Schollen zerteilt könne sich das Eis zu Barrieren türmen und den Wasserstand so rasch und heftig steigen lassen, warnte das Hochwassermeldezentrum in Frankfurt (Oder).

Sorge bereitete auch die bei Küstrin (Kostrzyn) in die Oder mündende Warthe, deren Eisdecke zunehmend brüchig wurde. Sollten sich dort große Eisfelder lösen und in die Oder treiben, könnte sich die Lage schlagartig verschärfen.

In Thüringen überschritten die Ilm in Mellingen im Weimarer Land und die Sprotte im ostthüringischen Großstöbnitz die Grenzwerte für die höchste dortige Alarmstufe 3. Die Sprotte, ein kleiner Zulauf zur Pleiße, der sonst hüfthoch Wasser führt, schwoll auf weit mehr als drei Meter Höhe an.

In Sachsen-Anhalt bereitete vor allem die Lage an der Weißen Elster Sorgen. Auch andere Flüsse schwollen heftig an - und zumindest bis Montag ist keine Besserung in Sicht. Ähnlich sah die Situation in Sachsen aus. Schmelzwasser aus Tschechien lässt an der Elbe die Pegel steigen.