Gemeinsame Verteidigungsmission von NASA und ESA

Asteroiden-Gefahr aus dem All: USA planen Abschuss

HANDOUT - Das Handout-Foto der European Space Agency (ESA) vom 07.02.2013 zeigt die im Rahmen der Mission Asteroid Impact simulierte Begegnung von Asteroiden mit der Erde. Zur Abwehr von Asteroiden auf Kollisionskurs mit der Erde plant die Europäisch
Gefahr aus dem All © picture alliance / dpa

Asteroiden-Einschläge nicht auszuschließen

Ein Asteroid im Anflug, der mit einem Schlag auf die Erde krachen und alles Leben auf ihr vernichten könnte: Klingt nach einem Katastrophenfilm aus Hollywood, aber wer hätte vor der Corona-Krise daran gedacht, dass im Jahr 2020 ein Virus das Leben weltweit teilweise stilllegt und die gesamte Weltwirtschaft ins Wanken bringt? Ist es nur Zufall, dass zum diesjährigen Asteroidentag am 30. Juni das amerikanisch-europäische Asteroidenabwehrsystem DART/Hera im Mittelpunkt stand?

Asteroiden haben bereits Umweltkatastrophen ausgelöst

Dass größere Asteroiden auf die Erde treffen, kommt immer wieder vor. Im Februar 2013 richtete die Explosion eines 20-Meter-Brockens in der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk Verwüstungen an. Die Druckwelle verletzte ohne jede Vorwarnung rund 1500 Menschen, zumeist durch zerborstene Scheiben. Der Asteroid kam aus dem Nichts.

„Die Gefahr eines großen Einschlags ist gering, aber nicht auszuschließen“, sagt der Asteroidenforscher Alan Harris vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt gegenüber der DPA. Die Wahrscheinlichkeit des Einschlags eines Brockens von 100 Metern Größe liege bei einem Prozent in 100 Jahren. „So etwas könnte eine Großstadt oder Teile Deutschlands zerstören“, erklärte er zum Asteroidentag am 30. Juni.

Am 30. Juni 1908 kam es ebenfalls in Russland zu einer Asteroidenexplosion: In der Tunguska-Region in Sibirien fegte die Druckwelle Millionen Bäume auf einer Fläche fast so groß wie das Saarland weg. Wegen dieser Naturkatastrophe riefen die Vereinten Nationen 2016 den 30. Juni zum Internationalen Asteroidentag aus.

Doppelmission DART/Hera für den Aufbau einer Asteroidenabwehr

Erst im vergangenen Jahr hatten die Wissenschaftler die Befürchtung, dass der bis zu 50 Meter große Asteroid „2006QV89“ die Erde treffen könnte. Die Chance für eine Kollision lag vor der Entwarnung durch die Experten laut Risikoliste der europäischen Raumfahrtbehörde ESA bei 1 zu 7299. Zum Vergleich: Für einen Lottogewinn mit sechs Richtigen plus Zusatzzahl liegt die Chance bei 1 zu 140 Millionen.

Bei Asteroiden von einer Größe von 50 Metern und mehr müsse man über eine Ablenkung nachdenken. „Bei 50 Metern, da würde man dann schon ein ganzes Bundesland evakuieren müssen“, sagt Detlef Koschny, Asteroidenexperte der ESA. 

Mit der amerikanisch-europäischen Doppelmission DART/Hera wird jetzt eine Mission vorbereitet und umgesetzt, mit der erstmalig demonstriert werden soll, wie Asteroiden von ihrer Flugbahn abgelenkt werden können. Die amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA startet ihre DART-Mission bereits im nächsten Jahr. 

Dabei wird die NASA-Sonde DART (Double Asteroid Redirection Test) mit hoher Geschwindigkeit auf den Asteroiden Didymoon gelenkt. Durch den Einschlag soll die Umlaufbahn von Didymoon um den etwas größeren Asteroiden-Zwilling Didymos geändert werden. Gelingt der amerikanische DART-Einschlag, sollen durch die europäische Hera-Mission Daten gesammelt werden. Mit diesen Daten soll ein funktionierendes Planetenverteidigungssystem aufgebaut werden. In den USA gibt es bereits Diskussionen über den Einsatz von Nuklear-Raketen, so Asteroidenforscher Harris.

Quelle: DPA