RTL-Redakteurin im „Verbotene-Liebe“-Fieber

Wieso ein Soap-Kuss fast mein berufliches Leben verändert hätte

RTL-Redakteurin Daria Bücheler vor
RTL-Redakteurin war 2013 im Verbotene-Liebe-Fieber. © privat, Privat

von Daria Bücheler

Ich sag’s gleich von vornherein: Ich habe das nerdige Fan-Dasein in meinem Leben schon des Öfteren auf die Spitze getrieben. Bei meiner „Verbotene-Liebe“-Sucht hätte ich es fast übertrieben. Meine Leidenschaft für ein ganz spezielles Pärchen der Soap hätte mich nämlich um ein Haar mein wichtigstes Praktikum gekostet…

Herbst 2013. Draußen war’s ungemütlich. Das Studium hat genervt. Ich saß in meinem Zimmer und habe auf YouTube sehnsüchtig nach etwas gesucht, das mein gelangweiltes Studenten-Herz ein kleines bisschen schneller schlagen lassen würde. Hängengeblieben bin ich schließlich bei einem leidenschaftlichen Kuss zwischen den Schauspielern Thore Schölermann und Jo Weil in der Serie „Verbotene Liebe“. Ein Fan hatte diesen Ausschnitt der Soap dort hochgeladen.

Wieso mich ein Kuss zwischen zwei Männern umgehauen hat

Ich war völlig fasziniert von diesem Kuss. Christian (Thore Schölermann) kämpfte in der Soap offenbar gerade mit seinen völlig unerwarteten Gefühlen für seinen WG-Kumpel Olli (Jo Weil). In der Szene streiten die beiden zunächst heftig. Christian beteuert wütend, er sei nicht schwul. Dann sind sie plötzlich nur noch Millimeter voneinander entfernt und Sekunden später knutschen sie hemmungslos herum.

Olli (Jo Weil) und Christian (Thore Schölermann) kurz vor ihrem ersten Kuss in
Olli (Jo Weil) und Christian (Thore Schölermann) küssen sich zum ersten Mal in "Verbotene Liebe". © Verbotene Liebe

Mich hatte es komplett erwischt. Ich kann gar nicht genau sagen, was es war, das mich so sehr in den Bann dieses Pärchens gezogen hatte. Vielleicht war es die verzweifelte Hilflosigkeit von Christian, der nicht damit umzugehen wusste, plötzlich starke Gefühle für einen Mann zu hegen. Denn bisher hatte er in der Soap nur Beziehungen mit Frauen.

Oder auch die mitfühlende und selbstbewusste Art, mit der Olli trotz Christians Unsicherheit immer weiter um ihn kämpfte. Er war nämlich schon länger in seinen Mitbewohner verliebt und stand ganz offen dazu.

Für mich war es die absolut reizvollste Liebesgeschichte, die ich je in einer Soap gesehen hatte.

„Chrolli“ löst einen weltweiten Hype aus

Schnell fand ich heraus, dass ich nicht die Einzige war, die die Liebesgeschichte von diesen beiden Männern überragend fand. Auf YouTube gab es Kanäle, auf denen ausschließlich die Szenen der beiden zusammengeschnitten und mit Untertiteln in sämtlichen Sprachen hochgeladen wurden. Alle anderen Erzählstränge der Show wurden ausgespart.

Und genau so habe ich „Verbotene Liebe“ geschaut. Auf diese Weise habe ich es geschafft, sechs Jahre der Soap in wenigen Wochen durchzuschauen. Aber eben nur die Geschichte von Christian und Olli. Oder - wie die beiden unter weltweiten Fans genannt wurden - „Chrolli“.

Fan-Liebe statt Morddrohungen

Während einer der ersten deutschen Soap-Küsse zwischen zwei Männern in der Lindenstraße 1990 noch für Bombendrohungen sorgte, entwickelte sich nach dem ersten Kuss von „Chrolli“, der 2008 im Ersten ausgestrahlt wurde, ein weltweiter Hype. Fantreffen in New York, Interviews in Italien, Groupie-Geschenke aus Neuseeland – Christian und Olli berührten Menschen aus der ganzen Welt und machten deutlich, wie wichtig es ist, dass nicht immer und immer wieder nur die gleichen, klassischen Liebesgeschichten zwischen Mann und Frau erzählt werden. Offenbar sehnte sich die Welt nach Identifikationsfiguren wie ihnen.

Die Soap-Stars persönlich kennenlernen?

Ich habe zwar keine Groupie-Geschenke verschickt, ein 08/15-Fan-Dasein reichte mir allerdings auch nicht aus. Deswegen kam es mir sehr gelegen, als im Januar 2014 auf der „Verbotene-Liebe“-Facebook-Seite nach einem Setreporter gesucht wurde. Jemand, der die Schauspieler regelmäßig interviewen sollte. Da ich zu diesem Zeitpunkt seit fast drei Jahren „irgendwas mit Medien“ studierte, fühlte ich mich wie berufen für den Job!

Ich war Nachbarin der Grafenfamilie von Lahnstein

Gefordert war ein originelles Bewerbungsvideo. Wo ich dieses aufnehmen würde, war mir sofort klar. Wie es der Zufall wollte, wohnte ich tatsächlich gerade einmal zehn Minuten von „Schloss Königsbrunn“ entfernt, dem Gemäuer, in dem die Grafenfamilie von Lahnstein in der Soap wohnte. Tatsächlich heißt das Ding übrigens Schloss Ehreshoven und steht in Engelskirchen – circa eine halbe Stunde von Köln entfernt.

Daria Bücheler sitzt auf einer Mauer vor dem Soap-Schloss
Daria Bücheler vor "Schloss Königsbrunn". © rtl.de, Privat

Ein Job am Set von „Verbotene Liebe“

Die Tatsache, dass ich so hochrangige Nachbarn hatte, machte bei den Verantwortlichen der Soap offenbar Eindruck – sie boten mir den Job als „Verbotene-Liebe“-Setreporterin tatsächlich an. Ich war völlig aus dem Häuschen! Zwischenzeitlich hatte ich zwar herausgefunden, dass Thore Schölermann unterdessen schon aus der Soap ausgestiegen war, aber zumindest Jo Weil (und damit immerhin fünfzig Prozent von „Chrolli“) konnte ich ja noch kennenlernen.

Alles für "Chrolli" aufs Spiel setzen?

Obwohl meine restliche Studentenzeit plötzlich extrem aufregend zu werden schien, machte mir das Timing meiner Ausbildung einen Strich durch die Rechnung. Zur gleichen Zeit, in der ich am Set von „Verbotene Liebe“ meinem Reporter-Job hätte nachkommen sollen, stand für mich mein allererstes Praktikum in einer RTL-Redaktion an. Ich wollte seit meinem 15. Lebensjahr nichts sehnlicher als Fernsehredakteurin werden. Nun hatte ich endlich die nötigen Kontakte geknüpft, um einen Fuß in die Tür zu kriegen. Sollte ich das wirklich für meine Liebe zu „Chrolli“ aufs Spiel setzen?

Exklusives Trostpflaster vom Bistro Schneiders

Tja. Ich bin eine Träumerin, ein Nerd und ich habe auf gewisse Weise sicher irgendwie einen Knall, aber: Ich habe es nicht getan. Ich war vernünftig. Mein Herz hat geblutet, aber ich habe mich für das Praktikum und gegen den Job bei „Verbotene Liebe“ entschieden. Und was soll ich sagen – es war die mit Abstand aufregendste Zeit meines Studentenlebens. Ich durfte Menschen kennenlernen, denen ich zu großen Teilen meinen jetzigen Job zu verdanken habe.

Und noch während ich als Praktikantin erste redaktionelle Erfahrungen sammelte, erhielt ich vom „Verbotene-Liebe“-Set ein großes Päckchen. Darin fand ich eine Flasche Wein aus dem Serien-Bistro „Schneiders“. Ein Trostpflaster – signiert vom gesamten Cast. Sogar von Jo Weil alias Olli höchstpersönlich.

Redakteurin Daria Bücheler mit einer Flasche Chardonnay aus dem Bistro Schneiders.
Redakteurin Daria mit ihrem Trostpflaster aus dem Bistro Schneiders. © rtl.de, Privat

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