Wie der Ostsee-Hering uns Klimawandel-Ignoranten entlarvt

Der Klimwandel bedroht den Hering in der Ostsee
Solch vollen Netze dürften wohl bald der Vergangenheit angehören. Der Klimawandel setzt dem Hering in der Ostsee nämlich gehörig zu. © dpa, Christian Charisius, chc jhe kat chc pzi wst ehl fpt

Die armen Heringsfischer!

„Erwärmung der Ostsee könnte Heringsfischer hart treffen“ – mit dieser Überschrift kommt eine Meldung über die Agenturen, die einmal mehr eine Folge des Klimawandels beschreibt. Und sie zeigt nebenbei das Problem, warum uns Menschen die globale Erwärmung so lange egal war und teilweise auch noch ist. Zu allererst könnte die Erwärmung der Ostsee nämlich die Heringe hart treffen, die in der warmen Suppe nicht überleben können. „Aufgrund der zentralen Stellung des Herings im Ökosystem der Ostsee sind drastische Veränderungen im gesamten Nahrungsnetz, einschließlich der Auswirkungen auf andere Fischbestände, Meeressäugetiere und Seevögel, zu erwarten», teilt das Bundesumweltministerium auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion mit. Aber das alles geht uns ja nichts an und wir machen daraus: „Die armen Heringsfischer!“

Der Hering kann sich nicht schnell genug dem Klimawandel anpassen

Seit 1990 habe sich die Oberflächentemperatur der Ostsee um 1,5 Grad Celsius erhöht, schreibt das Ministerium. Es sei zu befürchten, dass der Klimawandel die Umwelt derart schnell verändert, dass sich etablierte Arten, wie der Hering, nicht schnell genug anpassen können. Dies habe nicht nur ökologische Folgen, sondern werde auch die Fischerei in der Ostsee beeinträchtigen. Aha! Die Wirtschaft ist in Gefahr. Oder schlimmer noch: Fischbrötchen, Rollmöpse und Heringssalat werden knapp. Dann ist es vielleicht doch an der Zeit zu handeln und dem Klimawandel konsequent etwas entgegenzusetzen? Und zwar für jeden Einzelnen, anstatt nur auf die Politik zu verweisen.

Gewarnt wird auch vor der  Ausbreitung „gebietsfremder Arten“ wie der Schwarzmundgrundel. Als Laichräuber und Fressfeind von Jungfischen bedrohen sie den Bestand heimischer Fischarten. Zudem sei bei steigenden Wassertemperaturen mit einem vermehrten Auftreten potenziell toxischer Blaualgenblüten zu rechnen.

Den deutschen Fischern droht nach einem Vorschlag der EU-Kommission eine Kürzung der Fangmenge für Hering in der westlichen Ostsee um 54 Prozent im Vergleich zu 2017. Das sitzt! Aber gut. Wenn wenigstens solche Auswirkungen Wirkung zeigen – besser als nichts.