Weniger Eis in der Arktis, mehr Schnee bei uns

Wetter in Deutschland: Klimawandel könnte den Winter dauerhaft verlängern

Verdunstung
Wasser verdunstet in der Barentssee und kann als Schnee in Europa fallen. © wetter.de

Immer mehr Wetterextreme

Klimawandel bedeutet Hitze? Das ist nicht ganz richtig, denn Klimawandel bedeutet auch extremeres Wetter in die andere Richtung – zum Beispiel harte Wintereinbrüche und längere Winter mit Schnee bis ins Frühjahr. Wissenschaftler vermuten, dass wir in der Zukunft mit mehr kräftigen Schneefällen zu tun haben werden. Nicht nur im Winter, sondern auch im Frühjahr. Die Barentssee spielt dabei eine wichtige Rolle.

Klimawandel: Dramatischer Schwund an Meereis

In der Barentssee schrumpft das Meereis um etwa 11,2 km² pro Jahr. Wissenschaftler an der der Universität Oulu, Finland, zeigen in einer aktuellen Studie, dass das Folgen für das Winterwetter in Europa hat.

Die Experten haben dafür den Winter 2017/2018 untersucht, und der hatte es in sich:

Polarwirbelsplit im Winter 2017/2018: Das Biest aus dem Osten

Im Frühjahr 2018 teilte sich der Polarwirbel und löste eine ausgeprägte Kältewelle mit teils extremen Schneefällen in Europa aus. Die Briten sprachen vom „Biest aus dem Osten“ (Englisch: the beast from the east). Über 80 Menschen verloren ihr Leben.

Deutschland war auch betroffen – besonders im Norden. Lübeck meldete an einem Tag 25 cm Neuschnee! Es gab zahlreiche Unfälle und Verkehrsbehinderungen.

Extremes Winterwetter
Übles Winterwetter in Whitely Bay, Großbritannien, am 17. März 2018. © picture alliance / empics, Owen Humphreys

Woher kahm der Schnee bei diesem extremen Spätwinter?

Für ein derartiges Schneechaos braucht es nicht nur die richtige Luftströmung, sondern auch Feuchtigkeit, die dann als Schnee fällt.

In der Studie konnte gezeigt werden, dass in dem untersuchten Winter die Feuchtigkeit zu einem großen Teil aus der Barentssee stammte. Etwa 140 Gigatonnen Wasser waren dort verdunstet und lieferten 88% des Schneefalls über Nordeuropa.

Arktis: Weniger Eis lässt mehr Wasser verdunsten

Ohne den Eispanzer verdunstet in der Barentssee mehr Wasser und kann dann nach Europa strömen. Der Effekt dürfte sich verstärken, je weniger Eis vorhanden ist. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass im Jahr 2080 eine eisfreie Barentssee eine Hauptquelle für Feuchtigkeit im Winter in Kontinentaleuropa sein wird.

Das bedeutet nicht, dass es notwendigerweise länger und mehr Schnee in Deutschland geben wird, sondern dass das Risiko von extremen Schneefällen in Europa steigen könnte – wie im Frühjahr 2018!

Der Winter 2020/2021 zeigte noch ein anderes Phänomen

Auch RTL-Meteorologe Björn Alexander verweist auf die Folgen des Klimawandels für die Winter in Europa, der im letzten Winter erstmalig in dieser Form aufgetreten ist: „Der Winter 2020/2021 hat uns gezeigt, welche Auswirkungen das fehlenden Meereis in den polaren Regionen und der dadurch sehr geschwächte Polarwirbel haben kann. Dann sind nämlich vermehrt auch kalte Nord- bis Ostwetterlagen möglich. Diese gehören zwar im Winter zum normalen Programm unserer Wetterlagen. Aber es wäre eben auch eine Häufung von kalten Wettersituationen in der Zukunft denkbar.“

Somit scheint es so, dass wir in Zeiten des Klimawandels und der ansteigenden Temperaturen weltweit, in Europa auch durchaus längere Winterabschnitte oder zumindest Schneefälle mit Kälterückfällen bis ins Frühjahr hinein bekommen könnten. Selbst kältere Wetterlagen im Winter wären zukünftig vor diesem Hintergrund vorstellbar.

Lesen Sie mehr zum Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und dem Polarwirbel.

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