Der Sommer hat Startprobleme

Schafskälte statt Hochsommer? Wettervorhersage für Juni 2021

Die Schafskälte gibt sich wohl tatsächlich die Ehre

Es scheint wie so oft zu sein: Nachdem der Sommer eine erste Kostprobe hingelegt hat, will sich dieser Trend wohl nicht durchsetzen. Die sogenannte Schafskälte zeigt sich erneut als Spaßbremse für das erste Auflodern vom sonnigen Sommerfeeling. Zuletzt sah es zwar so aus, als wolle sich der Trend in den Sommer Anfang nächster Woche sogar zum Hochsommer aufschaukeln. Doch inzwischen haben alle namhaften Wettermodelle den Aufwärtstrend erst einmal abgeblasen. Stattdessen wird es kühler und wechselhafter. Passend eben zur Schafskälte, die uns gerne mal zwischen dem 4. und 20. Juni ereilt.

Prognose für die Schafskälte: Die Wetter-Delle ist deutlich

RTL-Meteorologe Björn Alexander fasst den Trend für die nächste Woche zusammen: „Nachdem der Sommer zu Beginn der kommenden Woche noch einmal in Wallung gerät, wird es nach jetzigem Stand spätestens ab der Wochenmitte durchwachsener. Zwar sind die Wettercomputer sich bei den Details natürlich noch uneins. Nach jetzigem Stand ziehen aber immer wieder schwache Tiefausläufer durch. Ganz chancenlos ist die Sonne aber auch nicht. Denn zwischendrin sind auch mal Ableger des Azorenhochs zu erwarten.“

Alle Details zum Trend in der nächsten Wetterwoche im 7-Tage-Trend.

Nach dem kalendarischen Sommerbeginn folgt der Siebenschläfer

Dementsprechend weicht die richtige Sommerluft erst einmal wieder zurück. Was die Wettercomputer bei den Langfristprognosen ebenfalls sehen ist, dass es auch im Anschluss an den kalendarischen Sommerbeginn am 21. Juni 2021 durchaus noch durchwachsen bleiben könnte. Und das ausgerechnet zum Siebenschläfer mit der großen Weichenstellung für den Juli und damit für den ersten Teil des Hochsommers.

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Den Namen „Schafskälte“ hat die meteorologische Singularität deshalb bekommen, weil die Hirten zum Ende des Frühjahrs ihre Schafe scheren. Wenn's dann nochmal kalt wird, ist das ziemlich doof für die Schafe. © Getty Images, esemelwe

Wetterprognose für Schafskälte landet meistens einen Treffer

Was muss man wissen zur Schafskälte? Ursache der Schafskälte in Mitteleuropa ist normalerweise ein Kaltluftvorstoß aus dem Norden, wie er nun auch in den nächsten Tagen zustande kommt. Idealerweise befindet sich Mitteleuropa am westlichen oder südwestlichen Rand eines Tiefdruckgebietes. Weil der Wind auf der Nordhalbkugel entgegen dem Uhrzeigersinn um ein Tiefdruckgebiet weht, können sich so mit einem Nordwind kalte Luftmassen auf den Weg zu uns machen. In diesem Jahr sorgt Tief "Juliane" für die passende Konfiguration. Ein Kälterückfall Anfang oder Mitte Juni ist nichts Ungewöhnliches.Weil der Zeitraum für die Schafskälte vom 4. bis 25. Juni sehr breit ausfällt, gibt es häufig einen Treffer. 

Mehr Wetter-Infos über den Juni 2020 finden Sie in unserem 42- Tage-Trend.

Kurzfristigere Wetterprognosen finden Sie hier im 7-Tage-Wettertrend.

Was ist die Schafskälte eigentlich? - Dieses Jahr sehr ausgeprägt

Diese meteorologische Singularität tritt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit (80 %) jedes Jahr zwischen dem 4. und 25. Juni auf. Besonders häufig ist das Eintreffen (Wahrscheinlichkeit 89%) der Schafskälte um den 11. Juni herum. 

Den Namen „Schafskälte“ hat dieses Phänomen deshalb bekommen, weil die Hirten zum Ende des Frühjahrs ihre Schafe scheren. Bei einem Kälterückfall stehen die Schafe ohne schützende Wolle da. Bei besonders niedrigen Temperaturen ist die Situation für die Tiere sogar durchaus lebensbedrohlich.

Bei einer gut ausgeprägten Schafskälte ist die Temperatur im Vergleich zum langjährigen Mittel etwa 4 Grad kühler. Wir kommen diesem Wert in diesem Jahr mit 3 bis 3,5 Grad recht nah. Somit haben wir es mit einer ordentlich ausgeprägten Schafskälte zu tun. Frost oder Bodenfrost gibt es aber nicht. 

Rosen gehören zu den Sommerblühern. Gerade für die kann es noch mal richtig kalt werden.
Für die Sommerblüher Rosen kann es im Juni oft noch mal richtig kalt werden. © dpa, Henning Kaiser

So kommt es zu einem Kälterückfall im Juni

Im Zeitraum 4. bis 25. Juni tritt in Deutschland bzw. Mitteleuropa häufig ein Kälterückfall auf. Aufgrund einer bestimmten Verteilung von Hoch- und Tiefdruckgebieten (siehe Bild) in Europa kann kalte Polarluft angezapft werden und sich Richtung Deutschland auf den Weg machen. Ein klassisches Beispiel hierfür wäre ein Hochdruckgebiet über den Britischen Inseln und ein Tiefdruckgebiet über Skandinavien.

Das Hochdruckgebiet dreht sich auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn, das Tiefdruckgebiet gegen den Uhrzeigersinn.

Zwischen den beiden Druckgebilden strömt die Luft dann aus nordwestlichen bzw. nördlich gelegenen Regionen zu uns. Eine Nordwest- bzw. Nordströmung entsteht.   

Die Verteilung der Hoch- und Tiefdruckgebiete ist eine Voraussetzung für die Schafskälte.
So kann es zur Schafskälte kommen: Verteilung von Hoch- und Tiefdruckgebieten bei einem klassischen Kälterückfall im Juni.

Kalte Nordsee begünstigt Kaltluftvorstöße

Diese Verteilung der Druckgebilde tritt gehäuft im oben genannten Zeitraum auf. Darüber hinaus erwärmen sich Land- und Wassermassen im Frühjahr unterschiedlich stark. Die Nordsee hat sich dann noch nicht so sehr erwärmt wie der europäische Kontinent. Entsprechend können Kaltluftvorstöße markant ausfallen, weil die kalten Luftmassen aus dem Norden sich kaum durch das wärmere Meer erwärmen. Im Sommer gleichen sich Land- und Wassertemperaturen dann aber immer weiter an, womit die Kaltlufteinbrüche immer geringere Ausmaße bekommen.

Wie sahen die letzten Jahre aus?

2020: sommerlich bis hochsommerlich, teils über 30 Grad

2019: meist hochsommerlich und schwülwarm

2018: ab dem 13.06. (15 – 18 Grad)

2017: ab dem 06.06. (16 – 20 Grad)

2016: ab dem 09.06. (17 – 20 Grad)

2015: ab dem 09.06. (13 – 18 Grad)

2014: ab dem 19.06 (15 – 26 Grad)

Unsere Wettertrends und Themenseiten

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