Werden die kalten Winter bei uns bald normal?

Grönland
In Grönland taut der Schnee. Doch die Erwärmung der Arktis kann für Westeuropa kältere Winter bedeuten. © dpa, Wolfgang Heumer

Globale Erwärmung bringt lokale Kälte mit sich

Seit Wochen warten wir auf den Durchbruch des Frühlings, doch der eisige Ostwind verhindert dies beharrlich. Der Winter 2012/13 war zwar im Schnitt nicht kälter als andere, doch er ist zäh und will einfach nicht weichen.

So paradox es klingt, die globale Erwärmung trägt eine Schuld an dem nicht enden wollenden Winter. Die Arktis wird immer wärmer, die Eisflächen dort verschwinden zusehends. Und dadurch werden die Temperaturunterschiede zwischen Äquator und Arktis immer geringer. Infolgedessen schwächen sich die Luftströmungen ab. Durch die Corioliskraft entsteht auf der Nordhalbkugel ein Wind von West nach Ost, der sogenannte Jetstream.

Fällt dieser Westwind geringer aus, können sich Hochdruckgebiete aus dem Osten leichter bei uns festsetzen - so wie im Moment. "Wir sind die Leidtragenden, dass das Eis in der Arktis weggeht", sagt auch Klimaforscher Prof. Peter Lemke vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI). Die globale Temperaturkarte von Februar zeige, dass es nur in Europa kalt war.

Westeuropa am stärksten betroffen von der Kälte

"Die kalte Blase umfasst praktisch Westeuropa." So sei es in Sibirien nicht so kalt gewesen wie sonst, ebenso nicht in Kanada. "Überall auf dem Globus ist es warm, bloß bei uns nicht, weil dieses Hochdruckgebiet über Skandinavien liegt", so Lemke.

Diese Theorie bestätigt Prof. Vladimir Petoukhov vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (Pik). Petoukhov hatte bereits 2010 in einer Modellrechnung eine Verdreifachung extremer Wintereinbrüche in Europa und Nordasien prognostiziert. Grund: Das dunkle, offene Meer in der Arktis heize untere Luftschichten weiter auf. Das führe zu einer Luftströmung, die in der Computersimulation kalte Winterwinde nach Europa brachte.

Müssen wir uns also an solche Winter gewöhnen? Das vielleicht nicht, denn die Messungen zeigen, dass die Temperaturen eher steigen als sinken. Doch die Wetterextreme werden zunehmen. Darin sind sich die Forscher einig.

Und in diesem Jahr erleben wir eben einen sehr kalten März. Und zwar den kältesten seit 130 Jahren. Für Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin ermittelten die Meteorologen Durchschnittstemperaturen, die ganz dicht am bisherigen März-Kälterekord aus dem Jahr 1883 liegen.