Russen und Chinesen kollidieren im All

Weltraumschrott: Satellit und Raketenstufe fliegen aufeinander zu

Geostationärer Orbitsatellit über der Erde, 3D-Darstellung | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer.
Immer wieder laufen Satelliten im Orbit Gefahr von Weltraumschrott getroffen zu werden. © picture alliance / imageBROKER, John Pulsipher

Das Problem Weltraumschrott wird ganz akut

Eine chinesische Raketenstufe und ein ausgedienter russischer Militärsatellit stoßen möglicherweise in der Nacht zu Freitag im All zusammen. Das würde die größte Kollision von Weltraumschrott der vergangenen Jahre bedeuten. Beide Objekte wiegen zusammen 2.800 Kilogramm. Noch besteht die Hoffnung, dass Satellit und Raketenstufe sich nur streifen und nicht vollständig kollidieren.

Kollision auf 1.000 Kilometern Höhe?

Holger Krag ist Leiter des Büros für Weltraumrückstände bei der Europäischen Weltraumbehörde (ESA).
Holger Krag ist Leiter des Büros für Weltraumrückstände bei der Europäischen Weltraumbehörde (ESA). © DPA

Gespannt schauen Astronomen auf ein Ereignis, das in der Nacht zum Freitag, 2.56 Uhr deutscher Zeit im Orbit auf 1.000 Kilometern Höhe der Erde stattfindet. Mit einer Chance von mehr als 10 Prozent könnten dann ein ausrangierter russischer Militärsatellit und eine chinesische Raketenstufe zusammenstoßen. In jedem Fall wird es sehr knapp, denn die errechnete Distanz beim Rendezvous-Punkt beträgt nur 12 Meter. Diese Distanz kann sich jedoch noch ändern - und dann kracht es. Trümmerteile fliegen mit rund 40.000 Kilometern pro Stunde um die Erde.

Ingenieur der ESA und Leiter des Büros für Weltraumtrümmer, Holger Krag warnte bereits früher: „Es reicht ein ein Zentimeter großes Objekt, um die Mission eines Satelliten zu beenden.“

Gefahr für aktive Satelliten

Eine Kollision wäre für uns auf der Erde zwar ungefährlich, da sie über unbesiedeltem Gebiet stattfindet, für künftige Missionen ist es allerdings eine schlechte Nachricht: Die Trümmerteile würden sich zu den bereits bestehenden 900.000 (größer als 1 Zentimeter) Teilen unseres Weltraumschrotts gesellen. 2009 kollidierte beispielsweise der aktive US-Satellit Iridium 33 mit dem abgeschalteten russischen Satelliten Cosmos 2251 und brachte knapp 1.700 neue Trümmerteile dazu.

Einige Trümmerteile verbrennen zwar beim Eintritt in die Atmosphäre, viele jedoch nicht. Sie verteilen sich dann in alle Richtungen und gefährden aktive Satelliten oder sogar die Internationale Raumstation ISS, die in 400 Kilometern Höhe über der Erde kreist. Die ISS fliegt regelmäßig Ausweichmanöver.

Lebensdauer von Trümmerteilen im Orbit

Die Zeichnung zeigt Weltraumschrott in der Erdumlaufbahn im sogenannten Low Earth Orbit (LEO), der bis 2000 Kilometer über der Erdoberfläche reicht (Blick über die Äquatorregion). Satelliten für Telekommunikation, Navigation und Wettervorhersage sind
Ganz schön viel Gewusel im All: Wie lange Trümmer im Orbit kreisen, bevor sie in die Erdatmosphäre eindringen, hängt von mehreren Faktoren ab. © picture alliance / dpa, ESA, cul jsc

Wie lange Trümmer im Orbit kreisen, hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen ist die Form entscheidend. Große Trümmer werden auf ihrer Flugbahn um die Erde stärker abgebremst und können sich dann nicht mehr auf ihrer ursprünglichen Höhe halten. Das ist ähnlich, wie bei einem Blatt Papier, das in die Luft geschmissen wird. Es wird nicht so weit fliegen, wie ein zusammen geknülltes Stück Papier. Der Widerstand ist dann geringer und es fliegt weiter.

Außerdem hat die Höhe des Trümmerteils eine Auswirkung auf die Lebensdauer. Je weiter von der Erde entfernt, desto dünner wird die Atmosphäre und desto geringer ist die Reibung. Eine 2008 bei einem Außeneinsatz an der ISS verlorene Werkzeugtasche in etwa 350 Kilometern Höhe trat nach bereits einem Jahr wieder in die Erdatmosphäre ein. Bei einer Höhe von 800 Kilometern beträgt die Verweildauer im Orbit bereits rund 150 Jahre.

DLR stellt Radarwarnsystem vor

12.10.2020, Rheinland-Pfalz, Koblenz: Einer der zwei mit Radarantennen ausgestatteten Container des Weltraumüberwachungsradars am Rand des Truppenübungsplatzes Schmidtenhöhe. Die Kollisionsgefahr für funktionierende Satelliten. mit Weltraumschrott wä
Deutsche Spitzentechnologie für mehr Sicherheit im Orbit: Das Weltraumradar Gestra. © dpa, Thomas Frey, tfr exa

Erst in dieser Woche hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ein Radar-Kontrollsystem gestartet, das in einer Höhe von 200 und 2.000 Kilometern Weltraumschrott erkennt und davor warnt. Satelliten oder Sonden können dann noch ihre Flughöhe korrigieren.

Das German Experimental Space Surveillance and Tracking Radar (Gestra) ist auf der Koblenzer Schmidtenhöhe eher unscheinbar in zwei weißen Containern mit je einer Dachkuppel untergebracht.

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