Welterschöpfungstag: Alle Ressourcen für 2015 schon verbraucht

Welterschöpfungstag
Die Erde ist "erschöpft" - wir brauchen 1,6 Erden. © dpa, Jagadeesg Nv

Die Erde ist "erschöpft" - wir brauchen 1,6 Erden

In weniger als acht Monaten hat die Menschheit die ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen für das Jahr 2015 verbraucht. Ab heute arbeiten wir Menschen nicht mehr nachhaltig, sondern beuten den Planeten aus. Es geht ans Eingemachte.

Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse: Alle natürlichen Ressourcen, die ab dem 13. August verbraucht werden, kann die Erde in diesem Jahr nicht mehr regenerieren. Darauf weist die Umweltstiftung WWF unter Berufung auf das 'Gobal Footprint Network' hin. Den Verbrauch an Ressourcen wie Wäldern und Ackerflächen beobachten Initiativen jedes Jahr und rufen den Welterschöpfungstag aus. Mit dem 13. August sei der Termin in diesem Jahr im Vergleich zu 2014 um sechs Tage nach vorn gerückt, teilte der WWF mit.

Grundlage für die Berechnungen ist der sogenannte ökologische Fußabdruck. Darin spiegelt sich wider, wie stark der Mensch das Ökosystem und letztlich die Erde beansprucht, um etwa Energie, Nahrung und Holz zu gewinnen. Vor allem Bewohner der westlichen Industrienationen benötigen vergleichsweise viele Ressourcen, um ihren Lebensstil zu wahren.

Wir belasten die Erde stärker, als wir das rein rechnerisch dürften: Entsprechend würden nach Angaben des 'Global Footprint Network' eigentlich 1,6 Planeten benötigt, um den Rohstoffverbrauch auf der Erde zu decken. Der menschliche Ressourcen-Hunger dauere bereits seit rund drei Jahrzehnten an, warnt der WWF. "Der angehäufte Schuldenberg wird größer und größer", sagte Vorstand Eberhard Brandes.

Die Konsequenzen seien mit dem Klimawandel, dem Aussterben vieler Arten und Wassermangel bereits zu spüren. Der ökologische Fußabdruck Deutschlands stagniere sei Jahren auf "gefährlich hohem Niveau". Jeder Deutsche verbrauche jährlich mehr als doppelt so viele Ressourcen, wie ihm im globalen Mittel zustehen würden, um die Erde nachhaltig zu bewirtschaften. Einige Länder verbrauchen laut WWF dagegen weniger als dafür nötig ist.

"Unsere Wirtschaftsweise ist weder ökologisch nachhaltig noch global gerecht", erklärte Julia Otten, Referentin bei Germanwatch. "Damit beuten wir die Erde auf Kosten künftiger Generationen und der in Armut lebenden Menschen aus, die insbesondere im globalen Süden leben."

Das Netzwerk Inkota teilte mit, man wolle die Bundesregierung auffordern, sich für eine zukunftsfähige und gerechte Ressourcenpolitik einzusetzen. Die derzeitige Art zu wirtschaften, gehe nicht nur zulasten künftiger Generationen, sondern auch aktuell zulasten von Menschen in ärmeren Ländern.

Ein positives Beispiel ist Dänemark, das seine CO2-Emissionen seit den 90er Jahren um 33 Prozent senken konnte. Hätten dies alle Länder geschafft, wäre der Welterschöpfungstag erst am 9. Oktober.