Total herzlos und gefährlich - oder einfach nur konsequent?

Schulbusfahrer lässt 12-Jährigen wegen fehlender Corona-Maske nicht mitfahren

Mecklenburg-Vorpommern: Eine Haltestelle für Schulbusse vor der Grund- und Realschule Lützow.
Mecklenburg-Vorpommern, Lützow: Eine Haltestelle für Schulbusse vor der Grund- und Realschule Lützow. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/ZB © picture alliance, picture alliance/dpa, Jens Büttner

Junge hatte Maske zuhause auf dem Tisch vergessen

Kurz vor dem Einsteigen in den Bus Richtung Schule fällt dem 12-jährigen Sohn von Fanny Wackerow aus dem mecklenburg-vorpommerischen Demmin am frühen Morgen plötzlich auf: Verdammt, ich habe meine Corona-Atemmaske nicht dabei! Er schlägt den Busfahrer vor, stattdessen seinen Pulli über das Gesicht zu ziehen, um damit seinen Mund und seine Nase zu bedecken. Doch der lehnt das ab. Der Junge muss die Strecke zur Schule zu Fuß laufen - auf einer Straße teils ohne Gehweg. Das berichtet der Nordkurier.

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Strecke zur Schule teilweise ohne Gehweg - im Dunkeln nicht ungefährlich

Fanny Wackerow aus Demmin kann es immer noch nicht fassen. Ein Busfahrer der Mecklenburg-Vorpommersche Verkehrsgesellschaft (MVVG) kannte keine Gnade und ließ ihren Sohn morgens wegen einer vergessenen Atemschutzmaske nicht in den Bus in Richtung Schule einsteigen. Da sie selbst dringend zur Arbeit musste und es keine andere Beförderungsmöglichkeit gab, musste ihr Sohn die Strecke zur Schule zu Fuß laufen. Zwar ist der Weg zur Schule von der Bushaltestelle aus nur 3 Kilometer lang, aber auf einem Teil der Strecke gibt es keinen Gehweg. Das ist gerade im Dunkeln nicht ungefährlich. „Es hätte sonst was passieren können. Meiner Ansicht nach war das Verhalten des Busfahrers absolut fahrlässig“, sagte Fanny Wackerow dem Nordkurier.

Pullover über Mund und Nase nicht ausreichend

„Mein Sohn hat den Busfahrer gefragt, ob er stattdessen seinen Pullover während der Fahrt über den Mund- und Nasenbereich ziehen könnte. Den Vorschlag lehnte der Fahrer aber rigoros ab und forderte mein Kind dazu auf, den Bus umgehend zu verlassen“, sagte die Mutter des Zwölfjährigen gegenüber dem Nordkurier. Ihr Mann, der Chrirurg Dr. Kay Wackerow, beschwerte sich am selben Tag noch telefonisch bei der MVVG. Es wurde ihm aber lediglich mitgeteilt, der Busfahrer habe in Anbetracht des Infektionsschutzes genau richtig gehandelt.

MVVG steht voll hinter der Entscheidung des Fahrers

Für Torsten Grahn, Geschäftsführer der MVVG, sind solche Eltern-Beschwerden nichts Neues. Auch mit rechtliche Schritte gegen das Unternehmen sei schon gedroht worden. „Wir müssen uns aber an die aktuellen Vorgaben halten und dürfen keine Ausnahmen machen. Es geht dabei nicht nur um die Sicherheit einer einzelnen Person, sondern aller Fahrgäste. Darum stehe ich voll und ganz hinter der Entscheidung des Fahrers“, betonte Grahn auf Nachfrage des Nordkuriers.

Maskenverkauf im Bus nicht möglich

Natürlich liegt bei dieser Geschichte der Gedanke nahe, dass die Busfahrer für Schüler immer ein paar Masken zum Selbstkostenpreis auf Vorrat zum Verkauf dabei haben sollten. Doch ein Maskenverkauf am oder im Bus sei nicht möglich, weil die Schüler bereits vor dem Einsteigen Mund und Nase bedeckt halten müssten, sagt dazu der MVVG-Geschäftsführer. In diesen Situationen lasse sich der vorgeschriebene Mindestabstand nicht einhalten. „Daher kann ich nur an alle Eltern appellieren, ihren Kindern immer eine oder am besten gleich mehrere Alltagsmasken mit in den Rucksack zu packen“, so der MVVG-Geschäftsführer. 

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