Deutschland trocknet aus

Wasserknappheit im Taunus - Die Stadt Königstein dreht ihren Bürgern den Hahn ab

von Alexandra Pitronik

ARCHIV - 12.08.2015, Bayern, Manching: Eine Pflanze wächst auf trockenem und rissigem Boden. Der zu trockene Sommer mit Dürre und Mangel an Regen brachte den Bauern damals Ernteausfälle. (zu dpa "Bericht: Wasserknappheit von Finanzinstituten bislang
Trockenheit und eine stark erhöhter Wasserverbrauch führen im hessischen Königstein dazu, dass das Trinkwasser knapp wird.

Gerade mal Mitte Mai und schon wird im hessischen Königstein im Taunus das Trinkwasser knapp. Die Stadt zieht die Notbremse und dreht den Bürgern das Wasser ab. Ab sofort dürfen etwa Gärten nicht mehr mit Leitungswasser bewässert werden.

Königsteiner verbrauchen zu viel Trinkwasser

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Intensive Gartenbewässerung sind mit Hauptursache für den enormen Trinkwasserverbrauch in Königstein.

Schon im Januar warnen die Königsteiner Stadtwerke vor einer Trinkwasserknappheit, weil „absurde Verbrauchswerte“ gemessen wurden. 4,2 Millionen Liter Trinkwasser werden an den Verbraucher täglich abgegeben – normal wären für diese Jahreszeit maximal 2,5 Millionen Liter, so die Stadtwerke. Genutzt hat der dramatische Appell nicht viel. Zwar ist der Verbrauch um knapp eine Million Liter am Tag gesunken. Dennoch spricht die Stadt immer noch von einer aktuell unverhältnismäßigen Verwendung von Trinkwasser. „Intensive Gartenbewässerung und die inzwischen weit verbreiteten privaten Swimmingpools und Becken sind Hauptursache für den unverhältnismäßig gestiegenen Verbrauch“, so Stadtsprecherin Stefanie Wagenknecht zu RTL.

Stadt zieht Konsequenzen und ruft Trinkwasserknappheit aus

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Die Stadt Königstein dreht ihren Bürgern den Hahn ab.

Die Stadt zieht die Notbremse und ruft offiziell die Trinkwasserknappheit aus. Gemäß der ersten Stufe ihrer Gefahrenabwehrverordnung ist es den Königsteiner ab sofort nicht mehr erlaubt, etwa Wege und Grünflächen über 200 Quadratmeter mit Wasser aus der Leitung zu bewässern, sagt Stefanie Wagenknecht. Auch dürfen private Swimmingpools mit einem Volumen von mehr als 25 Kubikmetern sowie private Zisternen nicht mehr mit Trinkwasser befüllt werden. Wer sich nicht daran hält, dem droht ein Bußgeld bis zu 5000 Euro.

"Die Situation dort ist wirklich alles andere als gut", sagt RTL-Meteorologe Paul Heger

Auch wenn die Königsteiner die Wasserknappheit mit verschuldet haben, alleine dafür verantwortlich sind sie nicht. RTL-Meteorologe Paul Heger sieht die Entwicklung in der Taunus-Region mit Sorge. Denn im Mai ist bisher deutlich zu wenig Regen gefallen. „Die Wetterstation auf dem Kleinen Feldberg im Taunus meldet sogar nur 1,1 Liter im gesamten Mai. Das sind gerade mal 1,3 Prozent des Monatssolls! Damit ist die Dürre der letzten Jahre schnell wieder zurückgekehrt, da die Wasserspeicher in den Bodenschichten sich nie komplett erholen konnten.“ Der Blick auf die Langfristwettermodelle ließe auch keine Hoffnungen aufkommen, so der Meteorologe weiter: „Die kommenden Wochen und Monate werden tendenziell zu trocken und zu warm berechnet. Damit droht sich die Lage in die Länge zu ziehen, eher sogar zu verschärfen.“

Deutschland trocknet langsam aus

Blick über den Bodensee nach Bodman-Ludwigshafen, Baden-Württemberg, Deutschland, Europa., Europa | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer.
Experten mahnen: Deutschland hat in 20 Jahren Wasser im Umfang des Bodensees verloren.

Laut dem Umweltbundesamt ist der Wasserverbrauch in den vergangenen Jahrzehnten zwar deutlich zurück gegangen. Es gäbe auch keinen flächendeckenden Wassermangel, aber regionale Engpässe. Ursache dafür seien klimatische Bedingungen und der Verbrauch der Bürger in diesen Regionen.

Auch wenn wir in Deutschland aktuell noch genug Wasser haben, zeigen neue Daten, dass der Wasserverlust beträchtlich ist. Jay Famiglietti ist Direktor des Global Institute for Water Security an der Universität im kanadischen Saskatoon. Er wertet im Auftrag der NASA und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt Daten der Grace-Satelliten aus. Tagesschau.de sagte er: „Im Klartext: Deutschland hat in 20 Jahren Wasser im Umfang des Bodensees verloren. Das ist unvorstellbar viel Wasser." Und weiter, dass Deutschland zu den Regionen mit dem höchsten Wasserverlust weltweit gehört.

Denn auch wenn ab und an starker Regen fällt, er reicht nicht, sagt RTL-Meteorologe Paul Heger: „Gewittergüsse nutzen ohnehin wenig, weil bei kurzen intensiven Regenfällen die Zeit zum Versickern fehlt und das meiste Wasser oberirdisch abfließt.“

In Königstein droht der Trinkwassernotstand

Die einzige wirkungsvolle Maßnahme ist, Wasser zu sparen. In einigen Bundesländern gibt es schon ein so genanntes Wasserentnahmeentgelt. Auch Hessen denkt darüber nach.

Sollten die Königssteiner es nicht schaffen, ihren Wasserverbrauch zu senken, droht ihnen Stufe 2 der Gefahrenabwehrverordnung. Dann müsste die Stadt den Trinkwassernotstand ausrufen und die Maßnahmen noch einmal deutlich verschärfen.