Wasser auf dem Mars? Vielleicht doch eher Trockeneis

Gefrorenes Kohlendioxid könnte Ursache für Abflussrinnen sein

Als ob es auf der Erde nicht genug Probleme gäbe, sind viele Wissenschaftler mit Rätseln auf dem Mars befasst. Es geht unter anderem um die Frage, ob es auf dem roten Planeten mal Wasser gab oder nicht. Bisher galten auffällige Abflussrinnen an manchen Berghängen auf dem Mars als Beleg für fließendes Wasser. Cedric Pilorget und François Forget vom französischen Forschungszentrum CNRS haben jetzt allerdings Trockeneis als Ursache ins Spiel gebracht. Im britischen Fachblatt 'Nature Geoscience' berichten sie, dass die Rinnen auch durch gefrorenes Kohlendioxid entstanden sein können. Dafür spricht zunächst einmal, dass Kohlendioxid den Hauptbestandteil der Marsatmosphäre bildet.

Trockeneis statt Wasser: Simulationsrechnungen unterstützen Szenario

Gab es Wasser auf dem Mars? Oder nur Trockeneis?
Rinnen-Landschaft auf dem Mars: Durch Wasser oder Trockeneis entstanden? © dpa

Außerdem seien Tausende Kubikmeter Wasser nötig, um derartige Rinnen zu formen, betont Colin Dundas von der US-Geologie-Behörde, dem U.S. Geological Survey, in einem Begleitkommentar in 'Nature Geoscience'. Die Marsrinnen sind mit einem Alter von höchstens einer Million Jahren jedoch geologisch sehr jung. Das Marsklima in dieser Zeit war durchgehend zu kalt, um solche großen Mengen flüssigen Wassers zu erlauben.

Pilorget und Forget schlagen dieses Entstehungsszenario vor: Der Mars durchläuft ähnliche Jahreszeiten wie die Erde. Wenn es auf dem Roten Planeten kälter wird, gefriert Kohlendioxid aus der Marsluft und legt sich als Trockeneis auf den Boden. Dabei können dicke, durchsichtige Platten entstehen. Sobald die Temperaturen wieder steigen, lässt die Sonne das Trockeneis sublimieren - das Eis wird dabei direkt gasförmig, ohne eine flüssige Phase zu durchlaufen. Unter den Trockeneisplatten kann sich im porösen, mit gefrorenem Kohlendioxid gefüllten Boden ein erheblicher Druck aufbauen, der den Boden schließlich destabilisieren und zum Fließen bringen kann. Auf diese Weise könnten die Rinnen auch ohne Wasser entstanden sein, argumentieren die Forscher.

Simulationsrechnungen unterstützen dieses Szenario. Zwar gebe es auch einige Rinnen an Orten auf dem Mars, an denen das Trockeneis-Modell eher unwahrscheinlich sei, erläutert Dundas. Das schließe dieses Szenario jedoch nicht aus. Die Untersuchung der Marsrinnen zeige jedenfalls eindrücklich, dass dieselben Landformen von unterschiedlichen Prozessen gebildet werden könnten.