Warum Orkan Sabine in England Ciara heißt und in Schweden Elsa

Verwirrung um den Namen

Sabine, Ciara, Elsa? Ja, was denn nu? Als wenn Sturmtief Sabine nicht bereits für genug Chaos gesorgt hat, kommt nun zusätzlich noch das Namenswirrwarr dazu. Zumindest, wenn man auch Nachrichten im Ausland beobachtet hat. Es mag verwundern, dass unser Sturmtief „Sabine“ in Skandinavien den Namen „Elsa“ trägt und in Großbritannien „Ciara“. Wobei...eigentlich verwundert es nicht, dass die Briten ihre eigene Suppe kochen. Woher die unterschiedliche Namensgebung kommt und ob der eigene Name auch mal ein Tief bezeichnen kann, klären wir hier.

Gleichberechtigung beim Wetter

Wichtig ist erstmal zu wissen, dass Hoch- und Tiefdruckgebiete in Deutschland vom Institut für Meteorologie der FU Berlin mit einem Namen versehen werden. In diesem Jahr haben die Tiefs weibliche Vornamen und die Hochs männliche. Im kommenden Jahr wechselt das wieder. Gleichberechtigung muss auch beim Wetter sein! Die Männer dürfen evenso die „bösen" Tiefs sein.

Jedermann (oder -frau) kann also Pate eines Hoch- oder Tiefdruckgebiets werden. Anträge für die Taufe eines Druckgebiets nimmt die Aktion Wetterpate www.wetterpate.de entgegen. Die Namensvergabe für das laufende Jahr 2020 hatte bereits am 25. September 2019 begonnen.

Einnahmen für einen guten Zweck

Wie es nun mal so ist: Nichts ist umsonst im Leben. Und so kostet die Übernahme einer Patenschaft eben auch Geld. Dabei ist es deutlich günstiger den „Wettermiesmacher“ zu spielen. Für 199 Euro kann man einem Tief seine persönliche Note geben. Ein Hochdruckgebiet kostet 299 Euro. Hochs halten meist länger an und sind seltener - was den Preisunterschied erklärt.

Wetterstation an Berghütte, mit Hygrometer, Barometer und Thermometer, Österreich, Europa | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer.
Eine alte Wetterstation an einer Berghütte, mit Hygrometer, Barometer und Thermometer: Die FU Berlin hat natürlich moderne Messgeräte. © picture alliance / imageBROKER, Elmar Krenkel

Das eingenommene Geld kommt einem guten Zweck zugute. Damit wird sichergestellt, dass  an der Freien Universität in Berlin-Dahlem, die Wetter- und Klimabeobachtung 24 Stunden am Tag geschieht. Die Uni konnte aus finanziellen Gründen ab 2002 nur noch die Beobachtung am Vormittag leisten. Durch die Wetterpatenschaft - einer Idee von Studenten - konnten auch die beiden anderen Schichten besetzt werden. Somit konnte die Wetterstation in Berlin-Dahlem gerettet und damit die Historie der Berliner Reihe als eine der längsten und kontinuierlichsten Klimareihen überhaupt aufrecht erhalten werden.

Doch wieso sind die Namen von Tiefs nicht einheitlich?

So wie in Deutschland die Freie Universität Berlin für die Namensvergabe zuständig ist, so haben in anderen Ländern andere Institute die Namenshoheit. Im Vereinigten Königreich ist es beispielsweise erst eine recht junge Entwicklung. Hochdruckgebiete sind selten und bekommen keine Namen oder übernehmen den aus anderen Ländern. Der Nationale Dienst Großbritanniens „Met Office“ und der Irische Dienst „Met Éireann“ übernahmen die Namensvergabe für Tiefdruckgebiete 2015/16. Im Jahr 2017 schlossen sich dann auch die Wetterdienste in Frankreich, Spanien und Portugal zusammen und führten ein eigenes Bezeichnungssystem ein. 

Es gibt Bestrebungen, dass die Wetterdienste der fünf Länder sich bei der Namensgebung von Hoch- und Tiefdruckgebieten zusammenschließen und sie einheitlich benennen. Das ist bisher allerdings noch nicht bindend geschehen. An dieser Kooperation sind auch die Niederlande interessiert. Was erklärt, warum der Name „Ciara“ auch dort verwendet wurde.

Aus Xaver wird Ksawery

In Skandinavien haben sich drei Länder in Sachen Namensgebung zusammengeschlossen. Die meteorologischen Institute in Norwegen, Schweden und Dänemark nutzen einen gemeinsamen Namen. Dieser wird bestimmt, von dem Land, das den Sturm zuerst abbekommt. Sturm „Sabine“ hieß dort „Elsa“.

In Osteuropa gibt es keine eigenen Namen für Hochs oder Tiefs. Meist kommen diese zuvor aus Deutschland und so werden sie gerne von dort übernommen. Manchmal werden die Namen an die Landessprache angepasst. So hieß das Sturmtief Xaver, dass 2013 sein Unwesen trieb, in Polen Ksawery. 

Von einer einheitlichen Bezeichnung der Sturmtiefs sind wir also noch weit entfernt. Wir müssen uns auch zukünftig noch mit dem Namenswirrwarr abfinden. Zumindest dann, wenn wir auch die Wetterlage in den benachbarten Ländern mitverfolgen.