Vier Prognosen im Überblick

Wann haben wir die Corona-Pandemie überstanden? Das sagen Top-Virologen

Virologe Klaus Stöhr, Bundesgesundheitsminister Lauterbach, Virologe Christian Drosten und Virologe Hendrik Streeck
Virologe Klaus Stöhr, Bundesgesundheitsminister Lauterbach, Virologe Christian Drosten und Virologe Hendrik Streeck

Einschränkungen, Maskenpflicht und Impf-Diskussionen: Nach zwei Jahren Pandemie wird die Sehnsucht nach einem normalen Leben immer größer. Einige Virologen sind optimistisch und erwarten das Ende der Pandemie noch in diesem Jahr. Gesundheitsminister Karl Lauterbach hingegen warnt.

Lese-Tipp: Alle aktuellen Infos zum Coronavirus finden Sie jederzeit im Live-Ticker auf RTL.de

Lauterbach warnt - Streeck, Drosten und Stöhr optimistisch

Omikron überrollt Deutschland: Das Robert Koch-Institut (RKI) meldet eine bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz von 528,2 (Stand 17.1.). Damit haben die Corona-Neuinfektionen einen neuen Höchstwert erreicht. Omikron sei mit rund 73 Prozent die vorherrschende Variante des Coronavirus, so das RKI. Die milden Verläufe einer Infektion mit Omikron lassen einigen Experten auf ein baldiges Ende der Pandemie schließen.

Während Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in einem Interview mit „BILD“ vor kommenden "schweren Wochen" warnt, prognostizieren einige Virologen das Ende der Pandemie – allerdings unter bestimmten Voraussetzungen.

Lese-Tipp: Genesenen-Status wird auf drei Monate verkürzt

Virologe Klaus Stöhr: "Das Ende der Pandemie naht"

Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr sagt im Interview mit ntv: „Im Zusammenhang mit dem stabilen oder abnehmenden Hospitaliserungsindex: Das Ende der Pandemie naht.“ Die Melde-Inzidenz habe sich vollständig gelöst von der eigentlichen Krankheitslast. Die Zahl der Patienten in den Kliniken verringere sich, so Stöhr.

Virologen erwarten, dass das Virus endemisch wird, also dauerhaft in einer Bevölkerung präsent bleibt. Nach den Erfahrungen aus vorangegangenen Epidemien und mit anderen Atemwegserkrankungen aus den letzten Jahrzehnten sei für den epidemiologischen Teil ein Ende im Sommer in Sicht, so Stöhr. Aber: Es könnten sich bis zu einem möglichen Pandemie-Ende noch ungeimpfte Menschen infizieren.

Lese-Tipp: Warum Omikron uns in die ersehnte Endemie führen könnte

Prof. Christian Drosten erwartet endemischen Zustand bis Ende des Jahres

Virologe Christian Drosten geht trotz einer bundesweit ansteigenden Inzidenz davon aus, dass die Pandemie noch in diesem Jahr enden werde. "Den endemischen Zustand werden wir bis Ende des Jahres erreicht haben, wir sind praktisch da", erklärte er in einer Pressekonferenz mit Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, und Gesundheitsminister Karl Lauterbach am 14. Januar.

Deutschland habe "ein ganzes Stück dieses Weges geschafft über Impfungen", müsse diesen Weg jetzt aber "zu Ende gehen, damit wir im Laufe des Jahres 2022 in die endemische Phase kommen und den pandemischen Zustand für beendet erklären können", sagte der Wissenschaftler von der Berliner Charité dem „Tagesspiegel“. Aber: Wegen des hohen Anteils Älterer in der Bevölkerung müsse das über Impfungen erreicht werden. „Über natürliche Infektionen würden viel zu viele Menschen sterben", so Drosten.

Lese-Tipp: Virologe Drosten sieht Lebendimpfung in die Nase als nächsten "Meilenstein"

Virologe Hendrik Streeck erwartet einen "entspannten Sommer"

Die Omikron-Welle würde Deutschland nicht so heftig treffen wie andere Länder, erklärte Virologe Hendrik Streeck im RTL-Interview. "Deutschland hat Glück, dass die anderen Länder uns voraus sind. Wir können sehen, was dort passiert - und uns darauf einstellen."

Der Virologe erwartet Entspannung im Sommer dieses Jahres. Das warme Wetter im Frühjahr würde die Zahlen der Omikron-Infektionen wieder zurückgehen lassen.

In der ZDF-Show „Markus Lanz“ sagte der Virologe zur Omikron-Welle: „Das wird ein schleichender Übergang sein.“ Danach werde die neue Variante zu weniger schweren Verläufen führen. Zeitgleich warnt aber davor, dass die Stationen in den Krankenhäusern überlastet werden könnten. "Wir müssen uns auf einen Anstieg vorbereiten", sagte er und betonte, wie wichtig die Booster-Impfung sei.

Lese-Tipp: Hendrik Streeck: "Der PCR-Test kann auch ZU gut sein“

Bundesgesundheitsminister Lauterbach: Mögliches Ende noch dieses Jahr

Es sei möglich, die Pandemie in diesem Jahr zu beenden, sagte auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Freitag im Bundestag. Wir seien an einer „Schnittstelle“ der Pandemie angekommen. Aber: Lauterbach setzt deutlich weniger Hoffnung in das durch die Omikron-Variante eingeläutete Pandemie-Ende. Vielmehr befürchte er weitere Virus-Mutationen der Delta-Variante, wie er im „BILD“-Interview erklärte.

Im Herbst müsse man möglichweise mit einem mutierten Delta-Typ umgehen. Eine jetzige Erkrankung an Omikron könnte einen Infektionsschutz von deutlich unter 50 Prozent gegen eine neue Delta-Variante im Herbst haben. Daher setzt Lauterbach auf die Impfpflicht.

Lauterbachs Aussagen rufen andere Virologen auf den Plan. So twitterte Klaus Stöhr: „Das Irrlichtern des Karl Lauterbach fällt jetzt sogar schon Fachfremden auf.“ Nur die Immunität durch eine Infektion und die Immunisierung durch Impfungen zusammen werde zu einem anhaltenden Immunschutz führen. Im Herbst müsse man sehen, ob man den über 60-Jährigen noch einmal ein Impfangebot mache.

Auch Virologe Drosten äußerte sich im „Tagesspiegel“ kritisch zu Lauterbachs Aussage: „Wir können nicht auf Dauer alle paar Monate über eine Booster-Impfung den Immunschutz der ganzen Bevölkerung erhalten.“ Die Mutationsfähigkeit von Omikron sei begrenzt. Die Ausbreitung der Omikron-Variante sei eine "Chance" zur Überwindung der Corona-Pandemie, so Drosten.

Lese-Tipp: Lauterbach-Rechnung zeigt: Warum Omikron viel gefährlicher ist als wir denken

In einem Punkt sind sich die Top-Virologen allerdings einig: Um ein baldiges Ende der Pandemie herbeizuführen, sei eine Immunisierung nötig - durch Impfung und Infektion.