Mehr Opfer befürchtet

Waldbrände in Kalifornien stellen traurige Rekorde auf

08.09.2020, USA, Alder Springs: Das Creek-Feuer brennt entlang des Highway 168 in der Nähe von Alder Springs. In ganz Kalifornien waren laut einem Lagebericht der Feuerwehr von Sonntag zuletzt mehr als 14 800 Einsatzkräfte damit beschäftigt, 23 größe
14.000 Feuerwehrleute kämpfen unentwegt gegen die Brände in Kalifornien. © dpa, Marcio Jose Sanchez, MS mbu alf

Halbe Millionen Menschen obdachlos

Der US-Bundesstaat Kalifornien stellt derzeit traurige und erschreckende Rekorde auf: Feuer haben im sogenannten „Golden State“ mehr Flächen zerstört als je zuvor. Auch die Zahl der Opfer steigt. Im Nachbarstaat Oregon spitzt sich die Lage ebenfalls zu – hier haben die Flammen schon eine halbe Million aus Menschen ihren Häusern vertrieben.

Größtes Feuer der jüngeren Zeit

10.09.2020, USA, Monrovia: Das Bobcat-Feuer brennt im Angeles National Forest, im Vordergrund das Restaurant La Noria. Das Feuer, das am 6. September ausbrach, hat rund 24.000 Hektar im San-Gabriel-Canyon verbrannt und ist zu weniger als zehn Prozent
Das Bobcat-Feuer brennt im Angeles National Forest, im Vordergrund das Restaurant La Noria. © dpa, David Swanson, julie rogers cul

Es ist ein trauriger Rekord: Der seit Mitte August wütende Waldbrand in Nordkalifornien hat sich auf eine Rekordfläche von mehr als 1906 Quadratkilometer Land ausgeweitet. Damit ist das so genannte August-Complex-Feuer im Bezirk Mendocino County das flächenmäßig größte in der jüngeren Geschichte Kaliforniens, wie die Feuerwehr am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte. Bisher führte das Mendocino-Complex-Fire von 2018 die Liste der 20 größten Waldbrände in dem Westküstenstaat an.

Auch in den nördlich von Kalifornien liegenden Westküstenstaaten Oregon und Washington wüten verheerende Waldbrände. Laut dem US-Sender CNN kamen in diesen drei Staaten 15 Menschen ums Leben. Die Zeitung „USA Today“ berichtete, bei Bränden in einem Dutzend Staaten im Westen der USA seien mindestens 23 Menschen gestorben. In einem Brandgebiet im kalifornischen Bezirk Butte County, knapp 300 Kilometer nördlich von San Francisco, wurden am Donnerstag sieben Leichen gefunden. Schon am Mittwoch waren Einsatzkräfte in der Region auf drei verkohlte Leichen gestoßen.

Noch mehr Opfer befürchtet

Es werden noch mehr Opfer befürchtet. Nach Mitteilung der kalifornischen Behörden waren 16 Menschen als vermisst gemeldet. Wegen ausgefallener Mobilfunknetze waren sie aber möglicherweise nicht zu erreichen oder hatten im Zuge von Evakuierungen den Kontakt zu ihren Familien verloren.

Die Gouverneurin von Oregon, Kate Brown, sagte am Donnerstag, dass mehr als 80.000 Menschen in den gefährdeten Gebieten aufgefordert worden seien, ihre Häuser zu verlassen. „Nie zuvor haben wir in unserem Staat so viel ungebremstes Feuer gesehen“, schrieb Brown auf Twitter. Bisher seien geschätzte 500.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden, teilte der Katastrophenschutz der Regierung des Bundesstaates am Donnerstagabend in einer Mitteilung mit. Dies entspricht mehr als 10 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates, die sich laut US-Censusbüro auf 4,2 Millionen Menschen beläuft.

San Francisco noch immer in Rauch gehüllt

09.09.2020, USA, San Francisco: Blick auf die Columbus Avenue. Die Transamerica-Pyramide und der Salesforce Tower sind mit Rauch von Waldbränden bedeckt. In Kalifornien und weiteren US-Küstenstaaten wüten verheerende Wald- und Buschbrände und bedrohe
San Francisco ist noch immer in ein orangefarbenen Licht gehüllt. © dpa, Eric Risberg, ER

Mehr als 3.600 Quadratkilometer Land stehen in Oregon demnach derzeit in Flammen. Browns Angaben zufolge würden sonst in dem US-Bundesstaat im gesamten Jahr durchschnittlich nur 2.000 Quadratkilometer abbrennen. 

Allein in Kalifornien kämpften rund 14.000 Feuerwehrleute gegen 29 Wald- und Buschbrände. In diesem Jahr wurde in dem Staat eine Rekordfläche von mehr als 12.500 Quadratkilometern Land zerstört. Schon jetzt zählen sechs der derzeitigen Brände zu den 20 größten in der Geschichte Kaliforniens seit Beginn der Aufzeichnungen um 1930.

Im wochenlangen Kampf gegen die Flammen in Kalifornien zeichnen sich aber auch Fortschritte ab. Drei große Feuer-Komplexe rund um San Francisco waren am Donnerstag fast gänzlich eingedämmt. Doch die Westküstenmetropole war weiter in dichten Rauch gehüllt.

Höchste Warnstufe

Starke Winde trugen Asche aus anderen Waldbrandgebieten in viele Teile Kaliforniens und verdunkelten den Himmel. Die Behörde für Luftqualität warnte vor starker Rauchbelastung. Die Experten riefen für manche Gebiete in Kalifornien zeitweise die höchste Warnstufe aus: „Hazardous“, auf Deutsch „gefährlich“.

Die Brände in Butte County tobten in der Nähe der Ortschaft Paradise, die im November 2018 von dem sogenannten Camp Fire fast völlig zerstört worden war. 85 Menschen starben damals, Zehntausende wurden obdachlos.