Waldbrände in Kalifornien und Klimawandel: Donald Trumps Aussagen im Faktencheck

Stehen Klimawandel und Waldbrände im Zusammenhang oder nicht?

Seit Wochen steht der Westen der USA in Flammen. Nun machte sich US-Präsident Donald Trump in Kalifornien selbst ein Bild von den verheerenden Waldbränden. Bei seinem Besuch an der Westküste bemängelte der Republikaner erneut das aus seiner Sicht schlechte Forstmanagement als Grund für die Ausmaße der Waldbrände. Er zeigte bei dem Treffen mit Einsatzkräften und Vertretern von Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsoms Regierung mal wieder seine skeptische Haltung zum Klimawandel. Wir haben uns einige seiner Aussagen zur Brust genommen und unterziehen sie einer Faktenprüfung.

Feuer noch nicht unter Kontrolle

U.S. President Donald Trump sits in front of a CAL FIRE firefighting aircraft as California Governor Gavin Newsom speaks during a briefing on wildfires in McClellan Park, California, U.S., September 14, 2020. REUTERS/Jonathan Ernst
Präsident Trump (Mitte) ließ sich von der Kalifornischen Regierung um Gouverneur Gavin Newsom (4. v. l.) über die Waldbrände unterrichten. © REUTERS, JONATHAN ERNST, SAV

Verheerende Waldbrände im Westen der USA haben in den vergangenen Wochen riesige Flächen Land zerstört. Allein in zehn Bundesstaaten, darunter Kalifornien, Oregon und Washington, verwüsteten 87 große Feuer mehr als 18.600 Quadratkilometer Land, wie die Bundesbehörde National Interagency Fire Center am Montag mitteilte. In Kalifornien kämpften fast 16.500 Feuerwehrleute gegen die Flammen an. Das ganze Ausmaß des Feuerinfernos ist noch nicht abzusehen, ein Anstieg der Opferzahlen wird befürchtet.

Das Ausmaß dieser Feuerkatastrophen sei eine Folge des Klimawandels, betonte Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom am Montag bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump. „Klimawandel ist real“, sagte er. Trump sieht die Gründe allerdings woanders.

Wird es wirklich kühler?

 Eisbär Ursus maritimus im Treibeis vor Sonnenuntergang, Spitzbergen, Norwegen *** Polar bear Ursus maritimus in drift ice before sunset, Spitsbergen, Norway Copyright: xOndrejxProsickyx BIA157169
Eisbären verlieren durch die Erderwärmung immer mehr ihres natürlichen Lebensraumes, da das Eis rund um den Nordpol auf dem sie leben immer weniger wird. © imago images/BIA, Ondrej Prosicky via www.imago-images.de, www.imago-images.de

„Es wird anfangen, kühler zu werden, schauen Sie einfach zu“, sagte Trump zu dem kalifornischen Minister Wade Crowfoot. Crowfoot entgegnete: „Ich wünschte, die Wissenschaft würde Ihnen zustimmen.“ Trump erwiderte: „Nun, ich denke nicht, dass die Wissenschaft es wirklich weiß.“ Crowfoot hatte zuvor angemahnt, dass der Klimawandel anerkannt und mit der Wissenschaft zusammengearbeitet werden müsse. 

Fakt ist, dass die Erderwärmung seit Jahren zunimmt. Belegt wird das von weltweit agierenden WissenschaftlerInnen und KlimaforscherInnen, die unabhängig voneinander Daten zum Klimasystem der Erde sammeln. Die vielen gesammelten Daten geben ein klares Bild wieder: Die Erde wird wärmer und das Klima verändert sich.

Haben Wissenschaftler keine Ahnung?

Weltklimarat
Hoesung Lee (2. v. l.), Vorsitzender des Weltklimarats und weitere Mitglieder bei einer Pressekonferenz: Der Weltklimarat stellt unmissverständlich klar, dass die Erderwärmung menschengemacht ist. © deutsche presse agentur

Fakt ist: Der Weltklimarat IPCC veröffentlicht alle sieben Jahre einen Sachstandsbericht, der Erkenntnisse der Klimaforschung zusammenfasst und bewertet. Diese Berichte stellen den besten Überblick über den aktuellen Stand der Klimaforschung dar. Aus dem fünften und bisher letzten Bericht aus dem Jahr 2013/2014 stellt der Klimarat unmissverständlich fest: 

„Die Erwärmung des Klimasystems ist eindeutig, und viele dieser seit den 1950er Jahren beobachteten Veränderungen sind seit Jahrzehnten bis Jahrtausenden nie aufgetreten. ... Der menschliche Einfluss auf das Klimasystem ist klar. ... Es ist äußerst wahrscheinlich, dass der menschliche Einfluss die Hauptursache der beobachteten Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts war.“

Hier gelangen Sie zu den aktuellsten Berichten der IPCC.

Können Bäume explodieren?

200910 -- SAN FRANCISCO, Sept. 10, 2020 -- A car runs on the road near the Golden Gate Park at noon in San Francisco, the United States, Sept. 9, 2020. San Francisco was still as dark as night at noon on Wednesday due to the wildfire. The Northern Ca
San Francisco konnte an einigen Tagen vor lauter Rauch die Sonne nicht mehr sehen. © imago images/Xinhua, Wu Xiaoling via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Vor dem Treffen mit den Gouverneuren der von den Bränden betroffenen US-Staaten gab der Präsident ein Kurzinterview am Flughafen in Sacramento. Dort nannte er als Grund für die ausufernden Brände, dass Bäume, die abgestorben sind, austrocknen, wie ein Streichholz wirken und sogar explodieren könnten.

Fakt ist: Waldbrände sind meist menschengemacht. Dass Bäume wegen der Trockenheit einfach explodieren, ist falsch. Wahrscheinlicher sind da unachtsam weggeworfene Zigarettenstummel, offene Grillfeuerstellen oder wie in Kalifornien ein Feuerwerkskörper auf einer traditionellen Baby-Begrüßungsfeier. Ein weiterer Auslöser könnte ein Blitz sein, der ein Feuer entfacht.

Hilft intensivere Forstwirtschaft?

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Nadelwälder sind besonders stark vom Klimawandel betroffen. © imago images/Westend61, Anke Scheibe, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

In einem Punkt hat der US-Präsident allerdings Recht. Intensivere Forstwirtschaft kann helfen mögliche Waldbrände bei der Ausbreitung zu hindern. Besonders anfällig für Feuer sind harzige Nadelhölzer. In Deutschland sind es die Kiefern, die unter der Trockenheit besonders leiden und anfällig für Waldbrände sind. Deshalb empfehlen Experten das Pflanzen von Mischkulturen. In deutschen Kiefernwäldern wurden deshalb Waldbrandschutzstreifen aus Pappeln, Robinien oder Roteichen entlang von Straßen gepflanzt.  Außerdem wurden auch Schneisen im rechten Winkel zur Hauptwindrichtung quer durch größere Waldgebiete angelegt. So sollen Waldbrände an der Ausbreitung gehindert werden. Zusätzlich wird oftmals brennbares Totholz entfernt, um dem Feuer die Nahrung zu nehmen. 

Trump schob Klimawandel den Chinesen in die Schuhe

Nicht erst seit seiner Amtsübernahme als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika leugnet Donald Trump den Einfluss des Klimawandels. 2012 twitterte er, dass die Idee des Klimawandels von den und für die Chinesen erfunden sei, um der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in den USA zu schaden. 

Kritik an den Trump-Aussagen

Erbost über die Aussagen Trumps zeigte sich Washingtons Gouverneur Jay Inslee und übte scharfe Kritik an dessen Reaktion auf die historischen Waldbrände. „Es macht so wütend, einen Präsidenten zu haben, der weiter Ausflüchte macht, statt uns bei Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel, der diese Klimabrände auslöst, zu helfen“, sagte Inslee am Montag im CNN-Interview. 

Bestsellerautor und Förster Peter Wohlleben („Das geheime Leben der Bäume“) sieht für die US-Bundesstaaten an der Westküste hingegen kaum Möglichkeiten, zügig zu handeln: „Schnell geht leider nicht“, sagte der Bestsellerautor am Dienstag im Deutschlandfunk. Kalifornien und Oregon müssten sich darauf einstellen, noch Jahrzehnte mit Waldbränden zu tun zu haben. Die Schuld für die Brände seien massive Eingriffe in Wälder. „Der Klimawandel trifft auf ramponierte Wälder“, sagte Wohlleben.

Interview mit Peter Wohlleben über die Fortwirtschaft Teil I.

Interview mit Peter Wohlleben über die Fortwirtschaft Teil II