Mysteriös: Wie ein Blitzgewitter im sanften Regen

Nasa-Raumsonde Voyager 1 empfängt Geräusche im All

Voyager 1 ist seit 44 Jahren auf der Reise

So weit weg wie kein menschengemachtes Objekt zuvor hat die Raumsonde Voyager 1 im All ein Summen empfangen. Wissenschaftler vergleichen das monotone Geräusch mit „sanftem Regen“. Seit nunmehr 44 Jahren ist ist die Raumsonde auf dem Weg ans äußere Ende unseres Sonnensystems in rund 23 Milliarden Kilometern Entfernung. Angekommen im interstellaren Raum konnte aber noch ein weiteres Geräusch festgestellt werden.

Im Video: So sieht Plasmaregen auf der Sonne aus.

Daten brauchen 21 Stunden von der Voyager zur Erde

Heliosphäre der Sonne und die Positionen der beiden Voyager-Sonden
Die Heliosphäre hat eine ovale Form, da sich die Sonne durch den Raum bewegt. Vor ihrem "Bug" im interstellaren Raum schweben die beiden Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2. Die Randstoßwelle bezeichnet den Bereich rund um die Sonne, ab wann die Sonnenwinde unter die Schallgeschwindigkeit fallen, weil sie dort auf das interstellare Plasma treffen. Illustration: NASA/JPL-Caltech/RTL

Die Voyager 1 und ihre Schwesternsonde Voyager 2 gelten als größte Erfolge der NASA. Noch immer senden die beiden Raumsonden wichtige Daten zur Erde. Im August 2012 hat die Voyager 1 unser Sonnensystem verlassen. Ihr Ziel ist es, den Weltraum dahinter zu erkunden und genau das tut sie auch. Die gesendeten Daten brauchen allerdings bereits 21 Stunden, um die Erde zu erreichen.

Nun hat die Astronomie-Doktorantin Stella Koch-Ocker von der amerikanischen Cornell Universität im Bundesstaat New York (nicht die Stadt New York City) kürzlich empfangene Daten ausgewertet und in der Online-Fachzeitschrift Nature Astronomy veröffentlicht. Koch-Ocker fand in den Daten ein monotones Summen im interstellaren Raum: „Wir entdeckten ein schwaches, anhaltendes Summen von interstellarem Gas.“

Was der Solar Orbiter auf der Sonne gefunden hat, finden Sie hier

Sonne bildet Schutzblase um Planeten

Auf der Nordhabkugel der Erde sind die Sonnenwinde für die Entstehung der Polarlichter verantwortlich.
Sonnenwinde sorgen auf der Nordhalbkugel der Erde für Polarlichter, wenn die Teilchen des Sonnenwindes auf das Magnetfeld der Erde trifft. © dpa, Ollie Taylor, lof cul

Laut Koch-Ocker ermöglichten es diese Daten den Wissenschaftlern nun zu verstehen, wie das interstellare Plasma mit dem Sonnenwind interagiert und wie die Umgebung der Heliosphäre am Rand des Sonnensystems geformt werde. Die Heliosphäre ist der Bereich in dem die Sonnenwinde und deren Magnetfelder aktiv sind.

Unser Sonnensystem ist eingebettet in ein Gemisch aus Staub und Gas, sowie Magnetfeldern (Interstellares Medium/Plasma). Die Heliosphäre verdrängt diese Teilchen durch die Sonnenwinde jedoch und bildet so eine Schutzblase um unser Planetensystem. Der Bereich, wo das interstellare Medium und der Sonnenwind im Gleichgewicht stehen, nennt man Heliopause. Hinter dieser Heliopause beginnt der interstellare Raum. Bisher war noch nicht geklärt, wie sich die Heliosphäre formt. Aufschlüsse bringen nun die Aufzeichnungen der Voyager-1-Sonde.

Gleichmäßiges Summen im interstellaren Raum

Die NASA-Raumsonde Voyager 1 ist seit ungefähr 44 Jahren im Weltall unterwegs.
Die Illustration zeigt die NASA-Raumsonde Voyager 1. Die Sonde ist bereits seit knapp 44 Jahren unterwegs. © deutsche presse agentur

Nachdem Voyager 1 in den interstellaren Raum eintrat, verzeichneten seine Messgeräte Störungen im Gas. Diese Störungen wurden von den Sonnenwinden erzeugt. Doch dazwischen war ein gleichmäßiges Summen festzustellen. Co-Autor James M. Cordes beschreibt es so: „Das interstellare Medium ist wie ein ruhiger oder sanfter Regen. Im Falle eines Sonnenausbruchs ist es so, als würde man einen Blitzschlag in einem Gewitter erkennen, bevor es wieder sanft regnet."

Die Forscher*Innen rund um Stella Koch-Ocker stellten nun fest, dass es kein besonderes Ereignis der Sonne benötigt, um das interstellare Plasma zu messen. So erklärte Forscherin Shami Chatterjee, eine weitere Co-Autorin der Studie: „Wir hatten noch nie die Gelegenheit,die Dichte des Plasmas auszuwerten. Jetzt wissen wir, dass wir kein zufälliges Ereignis im Zusammenhang mit der Sonne benötigen, um interstellares Plasma zu messen.“, sagte Chatterjee. Unabhängig davon, was die Sonne mache, sende die Voyager Daten zurück und macht Angaben zur Umgebung durch die die Raumsonde gerade fliege.

Goldene Schallplatte an Bord der Voyager-Sonden

Die Voyager-Sonden haben beide goldene Schallplatten dabei.
Auf der goldenen Schallplatte sind Informationen rund um die Menschheit und den Planeten Erde verzeichnet. © NASA/JPL-Caltech

Die Voyager 1 war am 5. September 1977 von Cape Canaveral 16 Tage nach ihrer Schwesternsonde Voyager 2 gestartet. Die ersten Ziele der Raumsonde Voyager 1 waren die beiden größten Planeten unseres Sonnensystem, Jupiter und Saturn, wo sich die Raumsonde jeweils Schwung für die weitere Reise holte. Beim Vorbeiflug wurden auch Daten über die beiden Gasriesen gesammelt. Seit dem 25. August 2012 fliegt das Raumfahrzeug nun durch den interstellaren Raum. Etwa drei Monate nach dem Start überholte Voyager 1 aufgrund ihrer schnelleren Startgeschwindigkeit ihre Schwester-Raumsonde Voyager 2.

Mit an Bord beider Raumsonden sind goldene Schallplatten mit Informationen über die Menschheit. Eigentlich handelt es sich dabei um eine Kupferplatte, die aber mit Gold überzogen wurde, um sie vor Korrosion zu schützen. Sie beinhaltet Bilder- und Audioaufnahmen, sowie eine Beschreibung unseres Aufenthaltsortes in der Galaxie.

Von Karim Belbachir

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemenhaben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legen,können wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht brauchen Sie aber auch unsere Langfristprognose von ECMWF und NOAA.

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

Wetter und Klima in der Mediathek

Mega-Hitze und große Trockenheit - und viele fragen sich: Wird Deutschland bald zum Wüstenstaat? Wie viele Dürre-Sommer hintereinander können wir eigentlich noch verkraften? Hier geht es zur DOKU - Wüstenstaat Deutschland?