Viel zu warm: Dieser Winter war "historisch mild"

Viel zu warm: Dieser Winter war
Die Skifahrer mussten auf den Hütten nicht frieren, dafür war der Schnee oft sulzig. © picture-alliance / Sven Simon, Frank Hoermann/SVEN SIMON

Mehr als drei Grad zu warm - der viertwärmste Winter seit Wetteraufzeichnung

Der zu Ende gehende meteorologische Winter war in Deutschland eine ziemliche Katastrophe. Er gehört zu den wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnung.

In Nordrhein-Westfalen gab es in manchen Teilen keinen einzigen Eistag, wie das regionale Klimabüro des Deutschen Wetterdienstes in Essen mitteilte. Selbst Frosttage seien extrem selten gewesen. "Das ist absolut historisch", sagte DWD-Meteorologe Thomas Kesseler-Lauterkorn. An Eistagen muss Dauerfrost herrschen. Als Frosttage gelten Tage, an denen das Thermometer kurzzeitig auf mindestens null Grad absinkt.

Laut DWD werden in normalen Wintern selbst in der milden Kölner Bucht 30 bis 40 solcher Tage gemessen. "An fast allen Wetterstationen ist das bisherige Winterminimum an Frosttagen deutlich unterboten worden", sagt Kesseler-Lauterkorn. In Köln hat es sogar nur einen Frosttag gegeben. Schnee musste vor den meisten Haustüren ebenfalls niemand schippen.

Auch im Sauerland war der Winter historisch - selten lag so wenig Schnee. Die Höchstmenge am Kahlen Asten betrug gerade einmal 31 Zentimeter, der Durchschnittswert liegt bei rund 80 Zentimeter.

Fast +20 Grad, dazu viel Sonne und wenig Niederschlag

Doch auch im Südwesten war der Winter ein Totalausfall. In manchen Gegenden dort fiel keine Flocke. Der Winter war bundesweit gesehen um mehr als drei Grad zu warm und ist damit der viertwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der wärmste Winter seit Beginn der Aufzeichnungen war übrigens 2006/07 mit einer Abweichung von 4,4 Grad. Wärmer als dieser Winter waren zudem 74/75 und 89/90.

Die stabile Westwindlage schaufelte ein Tief nach dem anderen nach Westeuropa, fast nie konnte sich ein Hoch aus dem Osten festsetzen. Lediglich im Januar fiel das Thermometer im Osten und Norden einmal für mehrere Tage unter die Nullgradmarke.

In vielen Städten, darunter Düsseldorf, Köln, Trier, Saarbrücken, Frankfurt, Stuttgart, Würzburg und Nürnberg gab es keinen einzigen Tag mit einer geschlossenen Schneedecke. In Frankfurt am Main sank die Temperatur seit Anfang Dezember nicht unter minus 0,8 Grad, in Köln-Stammheim wurde nur eine einzige Frostnacht gezählt. In München trieb der Südwind die Temperatur am 15. Februar auf 19,4 Grad.

Der Winter war nicht nur extrem mild, sondern auch sehr trocken und sonnig. Mit rund 122 Litern pro Quadratmeter fielen nur zwei Drittel des sonst üblichen Niederschlags. Dafür gab es überdurchschnittlich viel Sonnenschein, im Schnitt 190 Stunden und damit ein Viertel mehr als im langjährigen Mittel. Der Alpennordrand, vom Allgäu bis in den Chiemgau, wurde mit rund 340 Sonnenstunden verwöhnt.

Die Mittelgebirge erleten eine katastrophale Skisaison. Viele Skigebiete haben die Saison schon beendet und hoffen jetzt auf einen sonnigen Frühling. Sonnig war es oft an den Alpen, doch auch dort viel zu warm. Nicht selten rutschten die Skifahrer auf Kunstschnee die Berge runter und saßen bei teilweise 15 Grad in der Sonne auf der Hütte. Der Föhn regierte in diesem Winter in den Nordalpen.

Ein besonderes Phänomen war der Sahara-Staub, der im Februar über die Alpen bis München geblasen wurde.

(Mit Material vom DWD)