Bundesweite Maskenpflicht

Keine Empfehlung für FFP2-Masken im Alltag? RKI korrigiert Angaben

Schützt die FFP2-Maske uns nun besser - oder nicht?

Vom Krankenhaus ins ganze Land: Die FFP2-Maske hat eine erstaunliche Karriere hinter sich. Ursprünglich für medizinisches Personal gedacht, greifen vor allem ältere Menschen in der Corona-Pandemie gerne zu der Maske mit Filterwirkung. Seit dem letzten Bund-Länder-Gipfel ist klar: Die FFP2-Maske hat es bald in jeden Haushalt geschafft. Denn neben OP-Masken ist sie nun deutschlandweit Pflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und im Einzelhandel. Nicht so richtig zur Verschärfung der Maskenpflicht passt allerdings: Auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts (RKI) wurde die private Nutzung von FFP2-Masken bis vor einigen Tagen explizit nicht empfohlen, wie der RBB zunächst berichtete. Mittlerweile wurden die Empfehlungen überarbeitet. Hat das RKI seine Meinung geändert?

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RKI berät Politik zum Coronavirus

Das Robert Koch-Institut (RKI) ist aus der täglichen Berichterstattung zur Corona-Pandemie kaum noch wegzudenken. Als Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit sind die Kernaufgaben des RKI die Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten, insbesondere von Infektionskrankheiten. Im Zuge dessen informiert das RKI die Öffentlichkeit unter anderem über aktuelle Infektionszahlen und berät die Politik bei ihren Entscheidungen – auch zum Coronavirus.

Im Video: So können FFP2-Masken desinfiziert werden

Wieso weicht die Regierung von der Empfehlung des RKI ab?

Umso irritierender war es darum, dass die Bundesregierung offenbar einen anderen Kurs fuhr als das RKI. Denn beim Bund-Länder-Gipfel am 19. Januar wurde bekanntermaßen beschlossen, dass FFP2-Masken und OP-Masken nun deutschlandweit in öffentlichen Verkehrsmitteln und im Einzelhandel verpflichtend sind. Auf der Internetseite des RKI stand bis zum 22. Januar allerdings:

„In den ‘Empfehlungen der BAuA und des ad-Hoc AK ‘Covid-19’ des ABAS zum Einsatz von Schutzmasken im Zusammenhang mit SARS-CoV-2’ werden FFP2-Masken nicht zur privaten Nutzung empfohlen.“

Im Arbeitskontext müsse laut RKI bei einem bestimmungsgemäßen Einsatz von FFP2-Masken eine medizinische Vorsorgeuntersuchung im Voraus angeboten werden, um Risiken auszuschließen, die durch den erhöhten Atemwiderstand auftreten können.

Zudem schütze die Maske nicht ausreichend, wenn sie nicht korrekt genutzt würde. "Der Schutzeffekt der FFP2-Maske ist nur dann umfassend gewährleistet, wenn sie durchgehend und dicht sitzend getragen wird." Das sei bei Laien nicht zwangsläufig gegeben.

RKI ändert Empfehlungen

Wer mittlerweile auf die Empfehlungen des RKI zur FFP2-Maske klickt, sieht, dass die Empfehlungen hier angepasst wurden. Davon, dass die FFP2-Maske nicht zur privaten Nutzung empfohlen wird, ist jetzt keine Rede mehr. Rudert das RKI nun zurück?

Teilweise. Denn bei der Nicht-Empfehlung von FFP2-Masken zur privaten Nutzung bezog sich das RKI auf die Aussagen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Weil diese ihre Empfehlungen zum Einsatz von Schutzmasken in der Arbeitswelt im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 geändert hatte, haben wir das ebenfalls, erklärt eine Pressesprecherin des RKI auf Nachfrage von RTL.

In der aktualisierten Empfehlung des RKI wird dennoch darauf hingewiesen, dass „bei der Anwendung von FFP2-Masken durch Laien als ‘medizinische Maske’ [...] sichergestellt sein [muss], dass A) die Medizin- und Pflegebereiche prioritär mit FFP2-Masken versorgt werden, B) die individuelle gesundheitliche Eignung sichergestellt ist und C) der Dichtsitz und die korrekte Handhabung gewährleistet ist“.

Weiter heißt es: „Bisher wurden keine wissenschaftlichen Untersuchungen über den möglichen Effekt einer solchen Maßnahme gemacht. Bei der Anwendung durch Laien ist ein Eigenschutz über den Effekt eines korrekt getragenen Mund-Nasen-Schutzes hinaus daher nicht zwangsläufig gegeben.“

Wie passt das zur Verschärfung der Maskenpflicht?

Obwohl der Schutz von FFP2-Masken demnach vermutlich nicht über den Schutz einer Stoffmaske hinausgeht, wenn man sie nicht korrekt verwendet, hat zunächst Bayern eine FFP2-Maskenpflicht eingeführt und anschließend auch die Bundesregierung eine Verschärfung der Maskenpflicht beschlossen. Wie passt das zusammen?

„Das ist das Problem, dass solche Empfehlungen einfach unabgestimmt gemacht werden von einzelnen Bundesländern. Diese Empfehlung in Bayern hat zu sehr sehr vielen Unsicherheiten geführt“, sagt Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, im RTL-Interview. „Das RKI kannte diese Masken früher rein für den medizinischen Bereich, entweder bei Tuberkulose oder jetzt Coronaviren-Infektionen. Man muss aber wirklich sagen, diese FFP2-Masken sind nicht nur die Waffe, sie müssen auch richtig eingesetzt werden und sie haben auch deutliche Nachteile.“

Wie gut sind FFP2-Masken für ältere Menschen?

Nachteile können sich vor allem bei Risikogruppen zeigen. Denn wie das RKI schreibt, sind beim Einsatz von FFP2-Masken „bei Personen mit z. B. eingeschränkter Lungenfunktion oder älteren Personen [...] gesundheitliche Auswirkungen nicht auszuschließen“.

Gerade ältere Menschen tragen aber vermehrt FFP2-Masken, weil diese nicht nur andere, sondern auch den Träger schützen. Ist das gefährlicher als gedacht? Worauf sollten ältere Menschen beim Tragen von FFP2-Masken achten?

„Gefährlicher als gedacht ist es nicht, wenn man sich an ein paar Regeln hält“, erklärt Zinn. „Das Wichtige ist, dass man guckt: Wie ist so eine Maske richtig dicht zu tragen? Sonst bringt sie nämlich gar nichts.“ Zudem sollte man das Tragen der Maske an die körperliche Leistungsfähigkeit anpassen, so Zinn weiter.

„Ich kann älteren Leuten immer nur raten, regelmäßig Pausen zu machen, auch dazwischen zu trinken. Und keine FFP2-Maske im häuslichen Umfeld zu tragen oder wenn man alleine mit dem Auto fährt.“ Durch den erhöhten Atemwiderstand sei das Tragen der FFP2-Maske sehr belastend für den Körper, ein durchgängiges Tragen darum nicht empfohlen.

Maske schützt vor allem in Kombination mit anderen Regeln

Abschließend weist das RKI bei seinen Empfehlungen darauf hin, dass das Tragen einer Maske zwar eine wichtige Maßnahme darstellt, welche aber vor allem in Kombination mit den sogenannten AHA+L-Regeln Sinn mache. Der Einsatz von Masken sollte nicht dazu führen, dass andere Maßnahmen vernachlässigt werden oder sogar Risiken bewusst in Kauf genommen werden.