Verrückte oder geniale Idee? Forscher wollen die Antarktis mit Kunstschnee beschneien

So ist der Plan für Schneekanonen in der Antarktis
So ist der Plan für Schneekanonen in der Antarktis Die tauende Antarktis retten 01:00

Mit Kunstschnee das Abschmelzen des Eisschilds verhindern

Jeden Tag verlieren wir gigantische Mengen des westantarktischen Eisschildes. Auf lange Sicht droht die Erde dieses riesige Süßwasserreservoir komplett zu verlieren. Auch wenn dieser Vorgang noch mehrere Jahrzehnte dauern wird, so wären die Folgen verheerend. Denn ein Zusammenbruch der Eismassen würde den Meeresspiegel um drei Meter ansteigen lassen. Und das wäre eine Katastrophe. Und so kamen Forscher des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) auf die Idee, den Eisschild der Westantarktis mit Kunstschnee zu berieseln - eine enorme technische Herausforderung. Wie das funktionieren kann, erfahren Sie im Video.

Das sagen die Forscher

Anders Levermann, Physiker am PIK: "Im Kern geht es um die Abwägung, ob wir als Menschheit die Antarktis opfern wollen, um die heute bewohnten Küstenregionen und das dort entstandene und entstehende Kulturerbe zu retten. Hier geht es um globale Metropolen, von New York über Shanghai bis nach Hamburg, die langfristig unterhalb des Meeresspiegels liegen werden, wenn wir nichts tun. Der Westantarktische Eisschild ist das erste Kippelement in unserem Klimasystem, das wir gerade kippen sehen. Der Eisverlust beschleunigt sich und hört wahrscheinlich erst auf, wenn das Eisschild der Westantarktis praktisch schon verschwunden ist."

Johannes Feldmann, Co-Autor der Studie: "Also haben wir untersucht, was einen möglichen Kollaps stoppen könnte und in unseren Simulationen den Schneefall in der destabilisierten Region weit über das beobachtete Niveau hinaus erhöht. Tatsächlich stellen wir fest, dass eine riesige Menge Schnee den Eisschild tatsächlich in Richtung Stabilität zurückdrücken und die Instabilität stoppen kann. Umgesetzt werden könnte dies durch eine enorme Umverteilung von Wassermassen - mehrere hundert Milliarden Tonnen Wasser müssten pro Jahr aus dem Ozean gepumpt und über einige Jahrzehnte hinweg auf das Eis geschneit werden."