Unwetterschäden: Welche Versicherung zahlt was?

Bei Unwetterschäden kann es teuer werden
Bei Unwetterschäden kann es teuer werden Wohngebäudeversicherung zahlt nicht alles 01:37

Unwetter: Und wer zahlt jetzt den Schaden?

Das Unwetter ist vorbei und hat seine Spuren hinterlassen. Und wer zahlt jetzt den Schaden an Haus, Garten und Auto? Diese bange Frage stellen sich viele von Sturm, Überschwemmung und Hagel Betroffene. Wir verraten, welche Versicherung für welchen Schaden aufkommt und welche Policen sinnvoll sind, um bei Unwetterschäden ausreichend abgesichert zu sein. 

Das deckt die Wohngebäudeversicherung ab

Die Aufnahme aus der Luft zeigt am 08.07.2015 das Ausmaß der Zerstörungen in Framersheim (Rheinland-Pfalz), nachdem ein Sturm am Vorabend durch den kleinen Ort gezogen war. Die Schäden gehen in die Millionen. Foto: Boris Roessler/dpa +++(c) dpa - Bil
Eine Wohngebäudeversicherung ist für alle Eigenheimbesitzer Pflicht und kommt für Schäden am Haus auf. © dpa, Boris Roessler

Sturmschäden sind meist über die Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung abgesichert. Damit diese Versicherung greift, muss der Sturm allerdings Schadensursache sein und mindestens Windstärke acht (62 bis 74 Stundenkilometer Windgeschwindigkeit) gehabt haben. Das muss der Versicherte jedoch nicht selbst messen - hat eine Wetterstation in der Nähe den Wert ermittelt, ist das ausreichend.

Eine Wohngebäudeversicherung ist für alle Eigenheimbesitzer Pflicht. Sie kommt für Schäden am Haus, wie zerstörte Schornsteine, abgedeckte Dächer oder entwurzelte Bäume auf. Wenn es in der Police vermerkt ist, sind Nebengebäude wie Garagen oder ein Gartenhaus auf dem gleichen Grundstück ebenfalls versichert. Zwar sind über sie auch Folgeschäden abgedeckt (etwa, wenn durch ein beschädigtes Dach Regen eindringt), allerdings zahlt sie nur bei Sturm- oder Blitzschäden und Hagel. Wohngebäude- und Hausratversicherung schließen Schäden durch Hochwasser, Starkregen und Erdrutsche aus. Ausnahme: alte DDR-Versicherungen. Diese Policen, die von der Allianz übernommen worden sind, decken auch Überschwemmungsschäden ab. Also bloß nicht kündigen!

Elementarschadenversicherung: Hier kommt die Gefährdungsklasse ins Spiel

Hochwasser in Passau
Hochwasser in der Passauer Altstadt (Archivbild von 2013). © dpa, Andreas Gebert

Wird das Haus durch Starkregen oder Überschwemmung beschädigt, zahlt hier nur eine zusätzliche Elementarschadenversicherung, die es in Kombination mit der Gebäudeversicherung gibt. Eine Elementarschaden-Zusatzversicherung, auch Naturgefahrenversicherung genannt, wird meist ergänzend zur Hausrats- und Gebäudeversicherung angeboten. Bei ihr handelt es sich um eine Zusatzversicherung zur Wohngebäude-, Hausrats- und Geschäftsversicherung. Neben Hochwasser und Co. zählen auch Schäden durch Hagel, Erdbeben, Erdrutsch, Erdfall und Lawinen zu den Elementarschäden. Der Abschluss einer Elementarschaden-Zusatzversicherung kann ganz schön teuer werden, da Versicherer die Immobilien nach ihrem Gefährdungsrisiko für Überschwemmungen einstuft. 

Wer eine Elementarschadenversicherung abschließen möchte, lernt die Begriffe ZÜRS und Gefährdungsklasse (GK) kennen. Die Versicherer haben das "Zonierungssystem für Überschwemmung, Hochwasser und Rückstau" eingeführt, um einheitliche Risiko-Kriterien zu schaffen. Die GK-Stufen 1 bis 4 kennzeichnen, wie gefährdet Ihre Adresse für Elementarschäden ist und wie hoch die Versicherungsprämie, die Sie zahlen müssen ist beziehungsweise ob Ihnen überhaupt eine Police ausgestellt wird. Je höher die Gefährdungsklasse, desto teurer wird der Versicherungsschutz.

Versicherungen unterscheiden zwischen vier Gefährdungsklassen:

Gefährdungsklasse 1: statistisch gesehen seltener als alle 200 Jahre Hochwasser

Gefährdungsklasse 2: alle 50 bis 200 Jahre Hochwasser

Gefährdungsklasse 3: alle 10 bis 50 Jahre Hochwasser

Gefährdungsklasse 4: einmal in 10 Jahren Hochwasser

Liegt ein Haus in Gefährdungsklasse 4, lehnen die meisten Versicherer den Antrag auf eine Versicherung ab. GK-4-Zone ist beispielsweise ein großer Teil der Passauer Altstadt. Einige wenige Versicherer sind wenigstens zu einer Einzelfall-Prüfung bereit.

Welche Versicherung deckt welche Schäden ab?

Baum auf Auto und Fahrräder gestürzt
Sturmschäden am Auto übernimmt die Teilkasko-Versicherung, wenn mindestens Windstärke acht herrschte. © dpa, Martin Gerten

Da Rohbauten besonders sturmgefährdet sind, sollten Hausbauer eine Bauleistungsversicherung in Erwägung ziehen. Diese kommt für Kosten für Schäden auf, die der Sturm am Rohbau sowie auf der Baustelle angerichtet hat - also auch zerstörtes Material auf der Baustelle. Erstattet werden auch Handwerkerleistungen, die nötig sind, um den Zustand vor dem Sturm wiederherzustellen.

Hat ein Unwetter auch Schäden im Haus angerichtet, etwa weil ein Sturm das Dach beschädigt hat, kommt die Hausratversicherung für die Schäden an der Einrichtung auf. Schlägt der Blitz ins Haus ein und zerstört elektrische Geräte, zahlt ebenfalls die Hausratversicherung. Anders sieht es aus, wenn die Hausbewohner Fenster offen gelassen haben und deshalb eindringender Regen Möbel und Teppiche beschädigen konnte. Dinge wie Gartenmöbel oder Blumenkübel, die sich außerhalb des Gebäudes befinden, sind nicht über die Hausratversicherung abgedeckt.

Werden Autos oder Motorräder bei einem Sturm beschädigt, übernimmt das die Teilkasko, wenn mindestens Windstärke acht herrschte. Ist der Schaden durch Hochwasser entstanden, zahlt auch hier die Kaskoversicherung. Das gilt nicht nur bei Überschwemmungen von Straßen, sondern auch wenn Tunnel oder Unterführungen vollgelaufen sind. Auch Schäden durch Geröll und Schlamm werden von der Teilkasko-Versicherung abgedeckt. Wer eine Vollkaskoversicherung hat, dem werden auch windbedingte Schäden durch Stürme mit niedrigerer Windstärke ersetzt. Bei beiden Versicherungen tragen die Betroffenen die Schäden in der Höhe ihrer Selbstbeteiligung jedoch immer selbst.

Fallen Dachziegel auf ein geparktes Auto und der Besitzer will Schadenersatz oder - schlimmer noch - trifft ein herabgewehter Blumentopf einen Passanten und verletzt ihn, dann greift die Haftpflichtversicherung. Diese ist ohnehin unerlässlich und schon für einen günstigen Jahresbeitrag zu haben.

So reagieren Sie im Schadensfall richtig

Wichtig ist immer, den Versicherer nach einem Schaden umgehend zu informieren - per Anruf, E-Mail oder auf dem Postweg, dann am besten als Einschreiben mit Rückschein. Bei der Schadensmeldung ist es hilfreich, Fotos mitzuliefern und aufzulisten, welche Gegenstände beschädigt wurden. Entsorgen Sie beschädigte Gegenstände nie ohne die ausdrückliche Zustimmung des Versicherers! Ist etwas passiert, trifft den Hausbesitzer außerdem die Pflicht, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Er muss ein Loch im Dach etwa mit einer Plane abdecken, um das Eindringen von weiterem Wasser zu verhindern.