Prognosen bis 350 Liter pro Quadratmeter!

Gewaltige Unsicherheiten und enormes Gefahrenpotenzial

von Björn Alexander und Paul Heger

Es rumort in der Wetterküche. Denn nach Dauerdürre und Dauerhoch spitzt sich nun die Unwetterlage über Deutschland zu. Das Potenzial dieser Lage ist extrem – die Unsicherheiten aber ebenso.

Was macht diese Wetterlage aus?

Betrachtet man die Wetterkarte für Europa, dann fallen insbesondere die geringen Druckunterschiede auf. Gewittertief KARIN, das derzeit von Westeuropa nach Deutschland zieht, hat einen Kerndruck von knapp 1010 Hektopascal (hPa) – ähnlich wie die Druckverteilung am Mittelmeer. Gleichzeitig baut sich vom Atlantik ein Hoch mit etwa 1020 hPa Richtung Skandinavien auf. Das macht für den gesamten Kontinent nur gut 10 hPa Luftdruckunterschied.

Wetterlexikon im Check: Luftdruck und Hektopascal

Schwere Prognose und langsam ziehende Gewitter

Die Folgen der wabernden Druck- und Wolkengebilde sind mannigfaltig. Für unser Wetter entscheidend ist aber, dass die Gewitter und Schauer sich aufgrund des schwachen Windes nur sehr langsam verlagern und dass sich somit große Niederschlagssummen ergießen können. Gleichzeitig haben die verschiedenen Wettermodelle aber bei solch einer gradient- und strömungsschwachen Wetterlage wiederholt Probleme, diese zu bewerten.

Krasse Regensummen - so springen die Prognosen

Den meteorologischen Part im Sinne der Vorhersage übernimmt jetzt der Kollege und wetter.de-Meteorologe Paul Heger: „Exemplarisch kann man wunderbar mal eine Variante der Wettermodelle des Deutschen Wetterdienstes (DWD) von gestern 18 Uhr, von heute 0 Uhr und 6 Uhr miteinander vergleichen. Dabei hatte der 18er-Lauf 350 Liter pro Quadratmeter binnen kurzer Zeit am Erzgebirge dabei.”

Auch andere Wettermodelle hatten und haben wiederholt ausufernde Regensumme von 200 Liter pro Quadratmeter und mehr dabei. Fakt ist dabei laut Heger: „Es wird irgendwo heftiger als ein voller Keller sein, aber wo genau ist leider überhaupt nicht klar. Grundsätzlich ist das größte Gefahrenpotential aber am Donnerstag und am Freitag vor allem zwischen der Ostsee und Alpen zu sehen.”

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Warum sind überhaupt solche enormen Regenmengen möglich?

Diese Frage beantwortet einerseits die bereits beschriebene Trägheit bei den Zuggeschwindigkeiten möglicher Unwetterzentren. Andererseits spielt auch der Hitzesommer am Mittelmeer eine Rolle. Denn der hat das Wasser dort mitunter enorm aufgeheizt – teilweise auf drei bis fünf Grad über dem Durchschnitt. Und das hat Folgen. Denn ein wärmeres Mittelmeer bedeutet, dass es auch mehr Wasserdampf und damit mehr Energie liefern kann. Die Unwetterlagen werden also sogar bis zu uns nach Deutschland intensiver, wenn feuchte Luft aus Südeuropa mit einbezogen wird.

Lese-Tipp: Hitze am und im Mittelmeer – intensive Unwetter drohen

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(bal, phe)