Unwetter in Italien: Heftige Regenfälle bringen 580 Liter auf den Quadratmeter an einem Tag

Die heftigen Regenfälle in Italien haben nachgelassen. Die Situation am Fluss Po blieb aber auch am Samstag weiter angespannt. Bei der Stadt Pavia südlich von Mailand im Norden des Landes drohte der Fluss über die Ufer zu treten. Die starken Regenfälle  fluteten ganze Ortschaften und machten hunderte Menschen obdachlos. Bei Turin im Norden und in Sizilien im Süden wurde je ein Mensch vermisst. Bei dem Unwetter ist bislang ein Mann ums Leben gekommen, vier weitere Menschen wurden noch vermisst - zwei auf Sizilien, einer in Ligurien und einer im Piemont. Auf Sizilien fand die Polizei nur das Moped und den Helm eines der Vermissten.

580 Liter auf den Quadratmeter an einem Tag

Wasser- und Schlammlawine im Fluss Tanaro bei Garessio im Piemont
Eine Wasser- und Schlammlawine im Fluss Tanaro wälzt sich durch Garessio im Piemont. © Bernd Mädpa, Bernd März, bernd märz wst

Für die Regionen Piemont und Ligurien war am Donnerstag die höchste Alarmstufe Rot wegen Unwetters ausgerufen worden. Nach Angaben des lokalen Zivilschutzes verloren allein im Piemont rund 610 Menschen ihr Zuhause, während 20 Einwohner noch immer in ihren Dörfern von der Außenwelt abgeschnitten waren.

Bei den amtlichen Messungen der Regenmengen fiel insbesondere der Monte Settepani auf. Der Berg liegt küstennah bei Alassio, also etwa in der Mitte zwischen Genua und der französischen Grenze. Im Laufe der Woche fielen dort gut 500 Liter Regen auf den Quadratmeter. Aber auch in den Niederungen fiel starker Regen mit Tageswerten um das Monatssoll an mehreren aufeinander folgenden Tagen. Besonders schlimm traf es das Einzugsgebiet des Flüsschens Tanaro, das das Regenwasser nördlich von Genua aufnimmt und in den Po entwässert. Eine kleine Sensation soll es ca. 10 Kilometer nordwestlich von Genua in Fiorino gegeben haben. Am 22.11. fielen 580 Liter auf den Quadratmeter. Da sieht unser deutscher Rekord für 24 Stunden mit 312 Litern im erzgebirgischen Zinnwald eher blass aus.

Am Tanaro gibt es immer wieder Hochwasser

Italien wird immer wieder von Hochwasser heimgesucht. In den Gemeinden am Tanaro weckten die neuen Überschwemmungen Erinnerungen an eine Flutkatastrophe vor 22 Jahren. Auch die Zeitungen stellten am Freitag Bezüge her zu der Flut im Jahr 1994, als 64 Menschen starben. "Im Piemont und in Ligurien kehrt der Alptraum der Flut zurück", schrieb 'La Repubblica'. Der Bürgermeister der Gemeinde Garessio, Sergio Di Steffano, hatte bereits am Donnerstag gesagt, die Situation nähere sich der in den 90er Jahren. Regen und Gewitter gingen auch über der Hauptstadt Rom nieder, was zeitweilig ein Verkehrschaos auslöste.

Winterwunderland dagegen im Wintersportort Sestriere im Piemont (2.035 üNN)

Starkregen auch in Frankreich

Die ersten Starkregenmeldungen kamen Dienstagfrüh u.a. aus den französischen Cevennen im südlichen Zentralmassiv vom Mont Aigoual. Dieser Berg ist der niederschlagsreichste Ort Frankreichs mit einem Novembermittel von ca. 220 Litern pro Tag und Quadratmeter. Dienstagfrüh waren innerhalb 24 Stunden 122 Liter Regen auf den Quadratmeter gefallen, Mittwoch früh weitere 121 Liter, also täglich etwa das doppelte unserer mittleren Monatsmenge. Donnerstag früh kamen weitere 57 Liter dazu. Besonders beeindruckend sind solche Niederschlagsmengen dort allerdings nicht, schließlich fielen auf dem Mont Aigoual innerhalb 24 Stunden schon etwa 600 Liter, also das Jahressoll(!) relativ trockener Gebiete Deutschlands. Insgesamt fielen dort diese Woche bislang 346 mm.

Quelle: DWD u.a.