Wassermassen bringen Überflutungen

Unwetter in Deutschland: Vollgelaufene Keller, Hagel, Feuer, umgestürzte Bäume

Extremwetter an Fronleichnam und am Wochenende

Vor allem in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen hat es am Freitagabend gestürmt, geblitzt und sehr viel geregnet. Mindestens ein Mensch starb, ein Kind erlitt nach einem Blitzeinschlag schwerste Verletzungen.

Starkregen und Gewitter hatten auch schon am Donnerstagnachmittag und in der Nacht auf Freitag auf Teile Deutschlands eingehämmert. Es gab etliche Schäden: Vollgelaufene Keller, mindestens ein Feuer und umgestürzte Bäume. In Essen waren Menschen vorübergehend in einem Kiosk gefangen – die Wassermassen hatten von außen gegen die Tür gedrückt. Am Freitagnachmittag verunglückte in Stuttgart ein Bauarbeiter nach Starkregen tödlich. Die Unwetter sind noch nicht vorbei – bis mindestens Sonntag drohen unwetterartige Gewitter.

Im Video: Bewohner dieses Hauses im nordrhein-westfälischen Laer steht bis zum Bauch im Wasser. Nur kurz, aber dafür umso heftiger hatte es dort am Donnerstagabend geregnet.

Prognosekarten: So viel Regen soll in den kommenden Tagen in Deutschland fallen

Die Gewittergüsse im aktuellen Regenradar verfolgen

Wassermassen fließen durch den Ort Mosbach in Thüringen und reißen Autos mit

Unwetter im Westen Deutschlands halten Einsatzkräfte auch am Freitag in Atem

Unwetter mit Sturmböen und heftigem Regen haben am Freitagabend im Westen Deutschlands ganze Hundertschaften an Einsatzkräften beschäftigt und mindestens einen Menschen das Leben gekostet. Nach Angaben der Polizei starb in Stuttgart ein 65-jähriger Arbeiter auf einer Tunnelbaustelle. Ersten Erkenntnissen zufolge hatte der Regen einen unterirdisch verlaufenden Bach am Nachmittag stark anschwellen lassen. Das Wasser unterspülte ein Gerüst, riss es um und mehrere Arbeiter mit sich. Während drei von ihnen in ein Krankenhaus gebracht wurden, konnte der 65-Jährige nur noch tot geborgen werden.

In der nordrhein-westfälischen Hauptstadt Düsseldorf stürzte ein Kind nach einem Blitzeinschlag mit seinem Fahrrad auf die Straße und wurde daraufhin von einem Auto angefahren. Das zwölfjährige Mädchen, das laut Feuerwehr vermutlich einen Stromschlag erlitt, kam mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus.
Im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen rückten am Freitagabend Hunderte Einsatzkräfte wegen der Unwetter aus. Ein Großteil der rund 430 Einsätze habe sich im Stadtgebiet Hennef ereignet, sagte ein Feuerwehrsprecher. Zahlreiche Keller seien vollgelaufen und Hänge abgerutscht. Auch in Köln kam es zu mehr als 500 Einsätzen wegen der Unwetter. Betroffen war laut Feuerwehr vor allem der Norden der Stadt. Unter anderem geriet ein Dachstuhl nach einem Blitzeinschlag in Brand. Das Feuer konnte aber unter Kontrolle gebracht werden. Verletzte gab es nicht.

In Hessen, genauer im Hochtaunuskreis, sah es ähnlich aus. Dort kam es am Freitag zu zahlreichen Einsätzen der Feuerwehr. Vor allem im Raum Neu-Anspach seien Straßen überflutet worden und Keller vollgelaufen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr-Leitstelle des Hochtaunuskreises. Auch in Rheinland-Pfalz waren Straßen und Keller unter Wasser gesetzt oder Geröll auf Fahrbahnen gespült.

Unterführung läuft in Hennef voll

Fast 200.000 Blitze am Freitag

Unwetter Donnerstag: Etliche Notrufe und Einsätze in Nordrhein-Westfalen

Die Feuerwehr in NRW hatte alle Hände voll zu tun: Die Essener Feuerwehr wurde ab dem späten Donnerstagabend nach eigenen Angaben zu etwa 180 Einsätzen gerufen. Keller und Unterführungen liefen voll Wasser, Gullydeckel wurden hochgedrückt. In einigen Straßen stand das Wasser so hoch, dass Autos steckenblieben und die Feuerwehr den Insassen heraushelfen musste. Mehrere Menschen seien in einem Kiosk eingeschlossen gewesen, da der Wasserdruck von außen das Öffnen der Tür unmöglich machte. Die Eingeschlossenen hätten letztlich durch eine Hintertür ins Freie geleitet werden können.

In Recklinghausen geriet während eines Gewitters der Dachstuhl eines Hauses in Brand – möglicherweise durch einen Blitzeinschlag. In Bottrop setzte ein Blitzeinschlag einen Baum in Brand. Insgesamt gingen bei den Einsatzkräften in Bottrop nach Angaben der Feuerwehr 60 Notrufe wegen des Unwetters ein. Wasser sei in Keller eingedrungen und habe Straßenzüge überschwemmt. In einer Straße habe sich das Wasser auf einer Länge von rund 200 Metern teilweise einen Meter hoch gestaut und mehrere angrenzende Gewerbebetriebe unter Wasser gesetzt.

Gewitter am Mittelrhein

Unwetter in Rheinland-Pfalz
Rheinland-Pfalz, Osterspai: Größere Hagelkörner sind bei einem Gewitter am Mittelrhein niedergegangen. (Foto vom 3. Juni) © dpa, Thomas Frey, tfr kde

Schäden und Einsätze in Rheinland-Pfalz und Hessen

Auch in Rheinland-Pfalz sind Polizei und Feuerwehr mehrfach ausgerückt. Aufgrund von Starkregen und Hagel sei etwa in Braubach eine Unterführung mit Wasser zugelaufen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Wegen eines umgestürzten Baumes sei zudem die Bundesstraße 42 am Donnerstagabend zeitweise gesperrt worden. Auch im benachbarten Kamp-Bornhofen gab es vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume, überspülte Straßen und einen Hangrutsch, wie ein Sprecher der Polizei sagte.

Starkregen und Gewitter haben auch in Teilen von Hessen – vor allem im Rhein-Main-Gebiet – Feuerwehr und Polizei in Atem gehalten. Etwa in Frankfurt habe es überspülte Straßen, vollgelaufene Keller und umgestürzte Bäume gegeben, sagte ein Sprecher der Polizei. Insgesamt verzeichnet die Feuerwehr am Donnerstagabend rund 70 Einsätze. Auch im Kreis Offenbach hätten die Einsatzkräfte viele Notrufe erhalten, sagte ein Polizeisprecher. Unter anderem sei ein Blitz in ein Auto eingeschlagen.

Überschwemmung in Mülheim a.d. Ruhr

HANDOUT - 04.06.2021, Nordrhein-Westfalen, Mülheim an der Ruhr: Wasser steht in einer Unterführung. Ein Unwetter mit Gewitter und Starkregen hat der Feuerwehr in Mülheim an der Ruhr in der Nacht zum Freitag viele Einsätze beschert. Zahlreiche Keller
Eine überschwemmte Unterführung in Mülheim an der Ruhr. © dpa, pa htf

Die Unwetter sind noch nicht vorbei

Meteorologe Martin Pscherer fasst die Lage zusammen: „Heute und morgen bleibt die Unwettergefahr regional groß. Der Schwerpunkt verlagert sich aber mehr in Richtung Osten. Heute bis in die Nacht hinein gibt es wahrscheinlich die stärksten Gewitter vom südlichen Niedersachsen über die Mittelgebirge bis nach Bayern. Aber auch in den übrigen Regionen sind stärkere Schauer und Gewitter möglich. Eher gering ist die Gefahr östlich der Elbe.“

Die Unwetterwarnungen für die nächsten Tage.

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(ctr, oha, cli)