Superzellen und Starkregen

Unwettergefahr steigt an - Kaltfront zieht von West nach Ost durch

von Björn Alexander und Oliver Hantke

Noch kommt keine Entspannung beim Wetter auf. Denn der Monatswechsel in den Juli hat es in sich. Neue heftige Gewitter mit Unwetterpotenzial ziehen auf. Demnach sind auch wieder Superzellen und Starkregen bis zu 200 Liter pro Quadratmeter möglich. Wetter.de-Meteorologe Björn Alexander beantwortet unsere Fragen dazu.

Zuletzt gaben sich oft Hitze und Blitze die Klinke in die Hand. Ist das jetzt wieder so?

Björn Alexander: „Leider schon. Denn vorm schönen Wochenende müssen wir noch einen Wetterumschwung über uns ergehen lassen. So flutet gerade warme bis heiße Sommerluft unser Land, die zunehmend feucht und damit schwül und energiegeladen wird. Gleichzeitig schicken Tief TINA und Tief ULRIKE ihre Ausläufer in Form eine Kaltfront zu uns auf den Weg.”

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Was bedeutet das?

Die Grafik zeigt die Gewittergefahr für Mitteleuropa am 30.06.2022
Die Gewittergefahr ist nicht nur in Deutschland sehr groß, sondern auch in Frankreich, Benelux und der Schweiz.

Alexander: „Dass das Unwetterpotenzial abermals ansteigen wird. Und das gilt nicht nur bei uns in Deutschland. Auch Benelux, Frankreich sowie generell der Alpenraum im Bereich Norditalien, Schweiz und Österreich sind betroffen.”

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Welche Gefahren sind zu erwarten?

„Die Wettercomputer haben erneut Starkregen mit Überflutungsgefahr, Hagel und Sturmböen bis um die 100 km/h im Programm. Die Gefahr von sogenannten Superzellen ist ebenso erhöht. Eine brisante Wetterlage, die - ähnlich wie zuletzt in Teilen Österreichs - punktuell durchaus Regenmengen von über 100 bis an die 200 Liter Regen pro Quadratmeter bringen kann.”

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Video: So entsteht eine Superzelle

Was ist eine Superzelle?

„Hierbei handelt es sich um eine besondere Gewitterform. Verfügt eine Gewitterwolke über Bereiche, in denen sich Auf- und Abwinde getrennt voneinander gebildet haben, dann ist die Vorstufe einer Superzelle entstanden. Im zweiten Schritt beginnt die Wolke zu rotieren. Das verstärkt die Gewitterzelle enorm und führt dazu, dass sich eine sogenannte Mesozyklone gebildet hat. Dabei handelt es sich schon mal um einen Gewitterkomplex, der eine kilometerweite Ausdehnung hat und auch über längere Zeit von mindestens 30 Minuten existiert. Erst dann ist eine Superzelle entstanden, die optisch an ein grünlich bis bläulich schimmerndes Wolken-Ufo erinnert, enorme Regenmengen bringen kann und in deren Umfeld - bei den richtigen Zutaten - sogar Tornados entstehen können.”

Wie entwickelt sich die Unwetterlage in Deutschland?

Die Kaltfront erreicht am 01. Juli samt Gewittergefahr den Osten Deutschlands
Kaltfront auf Ostkurs - die Gewitterlage zum Start in den Juli 2022

„Am Abend und in der Nacht verlagert sich die Kaltfront mit Gewittern und Unwettergefahr vom Westen bis etwa in die Landesmitte auf eine Linie vom Allgäu bis herauf nach Schleswig-Holstein. Am Freitag tagsüber erreicht die Gewitter- und Unwetterlinie dann den äußersten Osten, während es von Westen dahinter rasch ruhiger und schöner weitergeht. Zuvor drohen in den Gewittern auch bei uns in Deutschland Starkregen, Hagel und Sturmböen.”

Das Bild zeigt den wetter.de -und RTL-Meteorologen Björn Alexander
Wetter.de- und RTL-Meteorologe Björn Alexander

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(bal, oha)