Unwetter beenden Hitzewelle

Blitze, Sturm, Hagel, Starkregen

Heftige Unwetter sind am Sonntagabend über Deutschland hinweggezogen und haben teils schwere Schäden angerichtet. An der Grenze zwischen der heißen Saharaluft aus dem Süden und der Kaltfront aus dem Westen kam es zu heftigen Gewittern mit Starkregen, großem Hagel und orkanartigen Böen.

Unwetter und Gewitter in Schleswig-Holstein haben die Feuerwehr in der Nacht zu Montag auf Trab gehalten. Dort rückten die Einsatzkräfte zu mehr als 130 Einsätzen aus. Allein im Kreis Rendsburg-Eckernförde sei die Wehr mehr als 100 Mal gefragt gewesen, sagte ein Sprecher am Montagmorgen. Bäume waren auf die Straße gestürzt, Äste und Dachziegel hinabgefallen, Keller nach Starkregen vollgelaufen. Zu ähnlichen Einsätzen war die Feuerwehr in Kiel 29 Mal unterwegs. Verletzt wurde niemand, nach 75 Minuten war das Gewitter vorübergezogen.

Unwetter beenden Hitzewelle

Im Rhein-Sieg-Kreis fielen Golfball große Hagelkörner vom Himmel. Gärten wurden verwüstet, Vordächer und Rollläden zerschlagen. Die Starkniederschläge fluteten Straßenzüge und ließen Keller volllaufen. In Hattingen am Rande des Ruhrgebiets wurden zwei Menschen vom Blitz getroffen und schwer verletzt. Im nordrhein-westfälischen Vlotho fing ein Dachstuhl eines Gastronomiebetriebs Feuer, es konnte aber schnell gelöscht werden.

Im Laufe des späteren Abends zogen die Gewitter über Niedersachsen weiter Richtung Osten. Umstürzende Bäume beschädigten an vielen Orten die Oberleitungen der Bahn und blockierten Schienen. Noch bis in den Morgen blieben mehrere Strecken gesperrt - vor allem um den Knotenpunkt Hannover herum gebe es immer noch Probleme, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Fahrgäste müssten weiterhin mit Ausfällen und Beeinträchtigungen rechnen.

Geduld brauchten auch Reisende auf dem Weg zurück nach Berlin: Wegen des Unwetters waren mehrere Flüge mit Ziel Berlin-Tegel umgeleitet worden. In Thüringen kippte eine Windböe auf der Autobahn 4 nahe Mellingen einen Lastwagen um. Das Führerhaus hing über einer Brücke und drohte in die Tiefe zu stürzen. Der Fahrer wurde gerettet. Im sächsischen Schneeberg brannte eine Lagerhalle ab, verletzt wurde niemand, sagte ein Polizei-Sprecher.

Trotz starken Windes, Regen und zahlreicher Blitze am Himmel Berlins blieb es einem Feuerwehr-Sprecher zufolge in der Hauptstadt weitestgehend ruhig. Allerdings musste sich Schlagerstar Helene Fischer den Urgewalten geschlagen geben und ihr Konzert in Berlin vorzeitig beenden.

Zuvor war wegen starker Sturmböen ein Open-Air-Konzert der schwedischen Band Roxette in Mainz abgesagt worden. Der Wind hatte Teile einer Plane von der Bühne auf der Nordmole am Rhein abgerissen. Verletzt wurde niemand. Rund 5000 Zuschauer mussten enttäuscht nach Hause gehen.

Fast 300.000 Blitze registrierte der Blitz-Informationsdienst von Siemens (BLIDS) am Sonntag in Deutschland innerhalb von 24 Stunden - so viele an einem Tag gab es zuvor noch nicht in diesem Jahr. Allein 75.000 Blitze schlugen in die Erde ein. Siemens misst mit seinem europäischen Netzwerk-Verbund aus 148 Mess-Stationen die Blitzaktivitäten und kann Gewitterblitze nach eigenen Angaben auf bis zu 200 Meter genau orten.