UN-Klimakonferenz in Kattowitz: Verheerende Folgen, wenn wir die 1,5 Grad Erwärmung verfehlen

Korallenbleiche in Südostasien
Alarmierende Korallenbleiche in Südostasien. Ist das Wasser zu warm, sterben Korallen ab. © picture alliance / dpa, Lory Tan, bsc

Vom UN-Klimagipfel in Kattowitz berichtet Oliver Scheel

Warnungen gibt es genug: Von Wissenschaftlern, Organisationen und selbst vom UNO-Generalsekretär Antonio Guterres, der es "selbstmörderisch" nannte, den 1,5-Grad-Bericht des Weltklimarats IPCC zu ignorieren. 1,5 Grad, darum geht es. In Paris 2015 beschloss die Welt, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, maximal aber auf 2 Grad. Nun soll in Kattowitz ein Regelbuch erstellt werden, das den Weg dahin transparent nachzeichnet - mit vielen Aufgaben für die Industrieländer. Aber - Sie ahnen es - die Einigung ist nicht in Sicht.

Bei 2 Grad sind fast alle Korallen tot

Russland, die USA und Saudi Arabien bremsen. Es ist eine unheilige Allianz der Öl- und Gasförderstaaten sowie des Frackings. Dabei macht es einen enormen Unterschied, ob die Welt sich um 1,5 Grad oder um 2 Grad erwärmt. "Jedes bisschen Erwärmung macht einen Unterschied", rief Hoesung Lee, der Vorsitzende des Weltklimarats IPCC, den Delegierten in Kattowitz entgegen.

Zum Beispiel die Korallenriffe. Sie sind durch immer wärmer werdendes Meerwasser von der Korallenbleiche bedroht. Ist das Wasser zu warm, sterben sie ab. Wie die Klima-Analystin Adelle Thomas in Kattowitz erläuterte, sterben bis zum Jahr 2100 70 bis 90 Prozent der Korallen ab, wenn die Erde sich um 1,5 Grad erwärmt. Das ist schon eine Katastrophe. Bei 2 Grad Erwärmung sind 99 Prozent der Korallen Geschichte. Das ist nicht nur ein Desaster für die dort lebenden Tiere, sondern auch für die Nahrungskette im Meer und selbstverständlich auch für die Länder, die gute Einnahmen mit dem Tourismus erzielen. 

Ein halbes Grad ist eine Frage über Leben und Tod

ARCHIV - 27.05.2018, Hessen, Hetzerode: Nach Starkregen und Hagelschlag ist ein Bach über die Ufer getreten. Feuerwehren und Rettungskräfte sind in der Region im Einsatz und pumpen überflutete Keller leer und räumen Schlammlawinen. Foto: Bernd März/d
Extremwetter mit Starkregen wie hier am 27.05.2018 im hessischen Hetzerode könnten aufgrund der Klimaerwärmung immer häufiger auftreten. © dpa, Bernd März, rho

Wie der Weltklimarat IPCC in seinem Bericht ausführte, sind bei 2 Grad Erwärmung doppelt so viele Menschen von Wasserknappheit und Wassermangel betroffen als bei einer Erwärmung von nur 1,5 Grad. Die globalen Fangeinbußen bei Fisch wären bei 2 Grad ebenfalls doppelt so hoch wie bei 1,5 Grad.

Extremwetter, Dürren, Starkregen - bei zwei Grad müssen wir uns auf katastrophale Szenarien gefasst machen. Was sich für uns wie eine Petitesse anhört, ein halbes Grad mehr oder weniger Erwärmung, ist für unsere Ökosysteme eine Frage über Leben und Tod.

Übrigens: Wenn wir einfach so weitermachen wie im Moment, dann steuern wir auf eine Erwärmung zwischen 3 und 4 Grad zu. Und was dann mit uns passiert, kann sich niemand ausmalen.

Bericht: Oliver Scheel