UN-Klimakonferenz in Kattowitz: Herzzerreißende Aufrufe zum Kampf gegen den Klimawandel

10.12.2018, Polen, Katowice: Das Logo der Klimakonferenz der Vereinten Nationen COP24 ist an einer Wand am Veranstaltungsort angebracht. Der UN-Klimagipfel zum Klimawandel findet vom 03.-14.12.2018 in der südpolnischen Stadt Kattowitz statt.
Weltklimagipfel in Kattowitz © dpa, Monika Skolimowska, skm kno

Vom UN-Klimagipfel in Kattowitz berichtet Oliver Scheel

Der Klimagipfel im polnischen Kattowitz ist wenige Tage vor dem Ende weit von einem Durchbruch entfernt. In den Hinterzimmern wird verhandelt, aber vielen großen Industrienationen fehlt der Wille, das vor drei Jahren in Paris beschlossene Abkommen auch wirklich umzusetzen. Dabei mangelt es nicht an herzzerreißenden Aufrufen von kleinen, vom Klimawandel besonders betroffenen Staaten.   

Seychellen in gesamter Existenz bedroht

11.12.2018, Polen, Katowice: Sonia Guajajara (M), brasilianische Umweltaktivistin, spricht auf einer Pressekonferenz zum Thema
Beim Weltklimagipfel in Kattowitz durften auch brasilianische Umweltaktivisten ihre Bedenken äußern. Der neue brasilianische Präsident Jais Bolsonaro will die Rechte der indigenen Völker einschränken und den nächsten Klimagipfel nicht ausrichten. © dpa, Monika Skolimowska, skm nic

Wallace Cosgrow, Umweltminister des Inselstaats Seychellen, sieht nicht mehr und nicht weniger als die Existenz der gesamten Bevölkerung der Seychellen bedroht. "Es macht keinen Sinn so weiterzumachen. Die Ergebnisse der Forschung sind eindeutig, aber die politischen Hürden sind so hoch wie nie. Der Klimawandel findet genau jetzt statt. Und wir sind doch die Gestalter der Zukunft", rief er den Delegierten zu und forderte eine schnelle Einigung auf das Regelbuch, das in Polen erarbeitet werden soll.  

Aber die Verhandlungen sind so festgefahren, dass die polnische Präsidentschaft hochrangige Regierungsvertreter als Vermittler einsetzt. Es sind vor allem große Industrienationen, die vom Klimawandel nichts wissen wollen. Die USA haben sich unter ihrem Präsidenten Donald Trump aus dem Pariser Klimaabkommen zurückgezogen und sind ein Totalausfall. Auch das Land mit dem größten CO2-Ausstoß weltweit, China, steigert ungeachtet seiner Bemühungen um grüne Energie, die Emissionen immer weiter. 

Und Brasilien, das ab 1. Januar von dem ultrarechten Jair Bolsonaro regiert werden wird, hat die vorgesehene Austragung des nächsten UN-Klimagipfels im Jahr 2019 schon abgesagt. Offziell wegen Haushaltszwängen, aber eigentlich geht es Bolsonaro darum, die Hoheitsgewalt über das Amazonasgebiet zu behalten, das indigene Stämme für sich beanspruchen. Bolsonaro will große Teile des verbliebenen Amazonas-Regenwalds lieber abholzen lassen.

"Machen wir den Traum von Paris nicht kaputt"

04.12.2018, Polen, Kattowitz: Greta Thunberg, Schülerin aus Schweden, nimmt an einer Pressekonferenz beim Weltklimagipfel mit ihrem Vater Svante Thunberg teil. Die Protestaktion «Schulstreik fürs Klima» der Schülerin fand bereits Nachahmer. Die junge
"Schulstreik fürs Klima": Greta Thunberg, Schülerin aus Schweden, nimmt an einer Pressekonferenz beim Weltklimagipfel mit ihrem Vater Svante Thunberg teil. © dpa, Czarek Sokolowski, CS alh jai

Was nutzen da die Aufrufe einiger weniger Staaten wie Schweden, die nicht nur die ärmsten Länder der Welt im Kampf gegen den Klimawandel finanziell unterstützen, sondern auch eindringlich die Staaten zum Mitmachen aufrufen, die derzeit so bremsen. Isabelle Lövin, Schwedens Ministerin für Entwicklungskooperation und Klima, versuchte es mit einem Appell, der den Nationen direkt ans Portemonnaie geht: "Wenn wir jetzt etwas tun, kostet das Geld. Aber wenn wir nichts tun, kostet das viel mehr Geld. Wir können heute gar nicht sagen, wie viel Geld es uns kosten wird." Sie warnte davor, dass viele Menschen in den Entwicklungsländern die Hoffnung verlieren. "Aber nur da, wo Aktion ist, entsteht auch Hoffnung", rief sie.  

Auch aus Malaysia kam ein eindringlicher Appell: "Wie lange machen wir noch so weiter, bis es zu spät ist? Ich höre hier immer nur: Dringend, dringend, dringend. Und dann? Ich bin wirklich enttäuscht über die Fortschritte hier", sagte Yeo Bee Yin, Ministerin für Umwelt und Klimawandel des Landes.

Und der argentinische Minister für Umwelt und nachhaltige Entwicklung, Sergio Bergman, schloss seine Rede mit einem emotionalen Aufruf: "Wir alle sind Teil des Problems. Wir hatten in Paris einen Traum. Machen wir diesen Traum nicht kaputt. Es ist Zeit zu handeln. Jetzt."